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Streit um Straßenbahngleise in Schwerin : Wirrwarr in der Wittenburger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kommunalpolitiker und Anwohner streiten über Verlegung der Gleise von der linken auf die rechte Straßenseite

Hat die Verwaltung bei den Plänen für die Sanierung des Wittenburger Berges die Stadtvertreter ausgetrickst? Der Verdacht drängt sich auf, wenn man die Diskussion um die Verlegung der Straßenbahngleise verfolgt.

Die Tram fährt seit dem 7. Dezember 1908 auf der linken Seite den Wittenburger Berg hinunter. Die Verwaltung will das Gleis nun auf die rechte Seite verlegen. Ihre Hauptargumente: Die Bürgersteige könnten etwas breiter werden und es könnten auf beiden Fahrbahnseiten Fahrradstreifen angelegt werden. Laut Verwaltung sollen 900 Radfahrer pro Tag am Wittenburger Berg unterwegs sein. Wenn denen beste Bedingungen geschaffen werden, müssten allerdings etwa 30 Meter der vor zwei Jahren sanierten Fahrbahn in der Fußgängerzone wieder aufgenommen werden, um den Anschluss an das Gleis auf dem Marienplatz herzustellen. Kosten allein für diese 210 Quadratmeter: gut 135  000 Euro. Die Gesamtkosten für die Sanierung der Wittenburger Straße von der neuen Eisenbahnbrücke bis hinter die Einmündung Lübecker: mehr als 880 000 Euro. Dazu kommen 200  000 Euro für die Planung. Ob es Fördermittel gibt, ist noch völlig offen.

Zu teuer, befanden einige Stadtvertreter im Hauptausschuss und forderten die Untersuchung anderer Varianten der Gleisverlegung. Vier weitere hat die Verwaltung inzwischen vorgelegt. Ergebnis: Für das Verkehrsmanagement sind sie alle „nicht genehmigungsfähig“. Nur die „Ur-Variante“ könne gebaut werden, heißt es vom Verkehrsmanagement der Stadt.

Doch das sorgte im Finanzausschuss für heftige Debatten. Das ging so weit, dass das Gremium eine Abstimmung über das Thema ablehnte.

Im Bauausschuss gab es zwar eine fast einstündige Diskussion zur Gleisverlegung. Stimmen gegen die Pläne der Bauverwaltung kamen von den SPD-Vertretern und vom Stadtvertreter Rolf Steinmüller von den Unabhängigen Bürgern. Ihnen stießen erneut die Kosten auf und die Wiederaufnahme des sanierten Fußgängerbereiches. Letztlich stimmte aber die Mehrheit in diesem Ausschuss für den Verwaltungsvorschlag.

Für die Umverlegung der Straßenbahnschienen hat die Stadtverwaltung quasi schon im Frühjahr 2014 vollendete Tatsachen geschaffen. Damals hat sie festgelegt, dass die Schienen auf der neuen Eisenbahnbrücke auf die rechte Seite kommen – eine Entscheidung an den Stadtvertretern vorbei. Baudezernent Bernd Nottebaum begründet das mit Zeitdruck. Die Planung für die Brücke musste fertig werden, um 2015 bauen zu können. Denn nur so waren Fördermittel vom Land zu bekommen.

Die Stadtverwaltung begründet die Gleisverlegung vor allem mit besseren Bedingungen für Radfahrer und Fußgänger. Hinter vorgehaltener Hand ist auf den Stadthausfluren aber ein weiterer Grund zu hören: Das Schlosspark-Center macht Druck. Denn wenn die Wittenburger Straße komplett fertig ist, wird die Eisenbahnbrücke in der Wallstraße abgerissen und neu gebaut. Damit wird eine wichtige Zufahrt zum Einkaufszentrum für lange Zeit blockiert. Deshalb soll die Wittenburger Straße wieder bergauf für den Autoverkehr geöffnet werden. Dann aber würde es zu Konflikten mit der Straßenbahn führen. Die Tram müsste also, wie jetzt, die Franz-Mehring-Straße in beide Richtungen nutzen – was der Nahverkehr nicht möchte.

Auch Anwohner kritisieren die von der Stadt favorisierte Gleisverlegung. „In Anbetracht der hohen Schulden der Stadt und vieler anderer Bauvorhaben, für die kein Geld vorhanden ist, ist es uns unverständlich, wie hier mit dem Geld der Bürger umgegangen wird“, schreiben Astrid und Lothar Andert in einem Beschwerdebrief an die Kommunalaufsicht.

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