zur Navigation springen

Bürgerinitiative gegen Biogasanlage bei Neu Lübstorf : "Wir wollen keinen Lärm und Dreck"

vom

Unerwarteter Weihnachtsstress in Neu Lübstorf: Die Pläne für den Bau eines großes Biogas-Komplexes liegen für kurze Zeit im Amt in Lützow aus. Das Zwölf-Millionen-Euro-Vorhaben steht jetzt erneut auf dem Prüfstand.

Neu Lübstorf/Zickhusen | Unerwarteter Weihnachtsstress in Neu Lübstorf: Die Pläne für den Bau eines großes Biogas-Komplexes liegen für kurze Zeit im Amt in Lützow aus.

Ein halbes Jahr ist vergangen, seit die Bürgerinitiative Neu Lübstorf/Zickhusen nach der ersten Auslegung der Pläne zum Bau von vier Biogasanlagen mit einem jeweiligen Leistungsvermögen von 0,5 Megawatt direkt an der B 106 schräg gegenüber der Zufahrtsstraße nach Neu Lübstorf mit Protesten reagiert haben und Einsprüche von Bürgern dagegen aufgenommen wurden. 1400 Unterschriften kamen zusammen und 300 empörte Bürger waren auf die Straße gegangen, um gegen den Bau der Anlage zu protestieren.

Doch das Zwölf-Millionen-Euro-Vorhaben steht jetzt erneut auf dem Prüfstand. Experten haben sich monatelang mit den 77 eingegangenen Stellungnahmen beschäftigt, die Pläne noch einmal gründlich überarbeitet. Nun liegt das Projekt der Nawaro Zickhusen GmbH & Co. KG in Zusammenarbeit mit der R.S.R Agrar-Dienstleistungs GmbH aus Lübstorf erneut öffentlich in Lützow aus, um diese Anlage zu errichten. Stellungnahmen gegen den Bau sollten bis zum 9. Januar im Bauamt abgegeben werden. Das Bauamt Lützow, Dorfmitte 24, Zimmer 17, ist montags bis donnerstags jeweils von 9 bis 12 Uhr und außerdem dienstags und donnerstags von 13 bis 18 Uhr geöffnet. An Feiertagen ist geschlossen.

Doreen Poser von der Bürgerinitiative ist erbost: "Niemand hat auf unsere Stellungnahmen geantwortet und niemand hat uns über den Fortgang der Dinge informiert, die direkt vor unserer Haustür passieren sollen. Jetzt kommt die neue Auslegung der Unterlagen ziemlich überraschend. Und der Zeitraum, in dem sich die Bürger informieren und Bedenken äußern können, ist auch sehr geschickt gewählt worden. Die Feiertage stehen vor der Tür." Auch Margrit Eickhoff und Martin Pranz sind dieser Auffassung. "Aber wir geben als Bürgerinitiative nicht auf", sagen sie unisono. "Wir haben bereits etwa 2000 Flyer verteilt, in denen wir die Bürger bitten, von ihrem Recht Gebrauch zu machen und sich zum geplanten Bau zu äußern."

Tausende Tonnen Lebensmittel werden im Jahr zu Biogas

Es gehe nicht gegen Biogasanlagen, aber gegen den Standort, der für die Erbauer Profit verspricht, den auch die Anwohner mit dem Verlust von Lebensqualität bezahlen müssten, betonen die Vertreter der Bürgerinitiative gegenüber der SVZ. Die Anlage passe nicht in die Landschaft, die Ausbringung der Gärreste stelle eine Gefahr für die Böden und Gewässer dar. Zudem sei mit einer Belästigung durch Lärm zu rechnen.

In den Unterlagen ist ersichtlich, um welche Mengen es geht: "Derzeitige Planungen zielen auf einen jährlichen Input-Bedarf an nachwachsen Rohstoffen wie Maissilage in Höhe von 27 800 Tonnen. Darüber hinaus werden bis zu 13 000 Tonnen Zuckerrüben sowie 5100 Tonnen Getreide benötigt." Es sollen auch Gülle und Festmist eingesetzt werden. Weiterhin fallen 31 120 Kubikmeter flüssige Gärreste im Jahr an, die auf Ackerland ausgebracht werden. Allein dafür sind zusätzlich 2370 Transporte notwendig. "Der künftige Betreiber rechnet daher mit einer tatsächlichen Zeitspanne von 22 Tagen im Jahr zur Ausbringung der anfallenden flüssigen Gärreststoffe. Damit ergeben sich maximal 104 Fahrten diesen Tagen."

Auf den 38 Seiten des Dokuments steht auch, dass fünf bis sechs Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Aber auch die Drohung: "Durch eine Verzögerung der Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes wäre die zeitnahe Verwirklichung der danach auch im öffentlichen Interesse der Gemeinde liegenden Investitionsentscheidung in Frage gestellt." Im Dokument heißt es, dass dann ein anderer Standort gewählt werden würde.

Deshalb gehen die Neu Lübstorfer davon aus, dass die Gemeindevertretung Zickhusen vermutlich im Januar oder Februar eine Abwägung vornehmen und einen Beschluss über die Schaffung des Baurechts fassen wird.

Eine große Chance, den Bau der Biogasanlage trotzdem zu verhindern, sieht die Bürgerinitiative darin, einen mit dem Thema vertrauten Rechtsanwalt zu beauftragen. Der Anwalt könnte das Verfahren auf Rechtsfehler prüfen und eventuell im Rahmen einer Normenkontrollklage durch das Oberverwaltungsgericht zu Fall bringen. Auch den Vorschlag, dass die Neu Lübstorfer überschüssige Wärme für die Heizung ihrer Häuser nutzen könnten, hält Margrit Eickhoff für problematisch. "Wer zahlt die Umrüstungen", fragt sie. "Und was passiert, wenn der Hahn zugedreht wird, weil wir beispielsweise bei einem Havariefall gegen unerträglichen Gestank protestieren. Doreen Poser bleibt zuversichtlich: "Es kann doch nicht sein, dass die Investoren mit Steuermitteln subventionierte Gewinne machen und wir alle Lasten tragen müssen. Wir wollen keinen Lärm, Staub und Dreck durch den durch die Anlage verursachten Verkehr erdulden."

zur Startseite

von
erstellt am 22.Dez.2011 | 10:03 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen