Jüdische Zeitzeugin hält erneuten Holocaust für möglich : "Wir werden immer noch gehasst"

Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin Esther Bauer bei einem Besuch im Schweriner Gymnasium Fridericianum dapd
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Holocaust-Überlebende und Zeitzeugin Esther Bauer bei einem Besuch im Schweriner Gymnasium Fridericianum dapd

Nach Ansicht der Zeitzeugin Esther Bauer könnte sich der Holocaust wiederholen. "Vielleicht nicht in derselben Form, und ich weiß auch nicht wo. Aber es wird wieder passieren", sagte die 88-jährige Jüdin in Schwerin.

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24. September 2012, 06:48 Uhr

Schwerin | Nach Ansicht der Zeitzeugin Esther Bauer könnte sich der Holocaust wiederholen. "Vielleicht nicht genau in derselben Form, und ich weiß auch nicht wo. Aber es wird wieder passieren", sagte die 88-jährige Jüdin in Schwerin. Mit 18 Jahren wurde die gebürtige Hamburgerin in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Zwei Jahre später kam sie nach Auschwitz und Mauthausen. Mit 21 Jahren wurde sie befreit.

"Wir werden immer noch von vielen Leuten gehasst", begründete die 88-Jährige ihre Einschätzung. Erklären könne sie sich den anhaltenden Hass nicht. "Wir sind dieselben Leute wie ihr, nur dass wir eine andere Religion haben." Sie selbst habe die Ablehnung erneut und lange nach Kriegsende erfahren.

Doch nicht nur in persönlichen Erfahrungen, auch in der derzeitigen politischen Situation spiegelt sich der Hass gegen die jüdische Religion aus Sicht der Zeitzeugin wider. "Schauen Sie nach Israel und den Iran. Ich meine, Israel - da sind nur fünf Millionen Menschen und Araber, das sind viele Millionen. Und sie lassen die Juden einfach nicht leben", sagt Bauer. Sie wünsche sich, dass man die Juden in Zukunft "einfach in Ruhe lässt". Seit Jahren spricht die 88-Jährige an Schulen und bei Veranstaltungen wie dem "Internationalen Festival der Verfemten Musik", das heute in Schwerin beginnt, über ihre Erlebnisse zur Zeit des Nationalsozialismus. Es sei wichtig, dass sich junge Menschen mit diesem Thema auseinandersetzten, sagte sie. Denn "die Jugend - das sind ja die Regierungen von morgen."

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