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Schweriner Frauenhaus : „Wir sind voll ausgelastet“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Schweriner Frauenhaus hat derzeit keine freien Plätze. Schutzsuchende bitten schneller um Hilfe als früher und bleiben länger

von
erstellt am 21.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Sie werden geschlagen, sexuell missbraucht, physischem Druck ausgesetzt und zwangsverheiratet: Die Frauen im Schweriner Frauenhaus haben eine Menge erlebt und mitgemacht. „Doch heute kommen sie weitaus früher und suchen Hilfe“, berichtet Liane Dommer, Leiterin des AWO-Hauses „Frauen in Not“. Zu DDR-Zeiten hatten viele Frauen keine Möglichkeit, sich von ihrem gewalttätigen Mann zu trennen. „Die Scham war einfach zu groß“, erklärt Dommer. Denn die Frauen waren auf die Männer angewiesen. „Sie waren finanziell abhängig, sind oftmals wegen der Kinder geblieben.“ Heute sind alle zwölf Plätze in Schwerin belegt. Wurden 2010 noch 103 Hilfesuchende im Frauenhaus aufgenommen, waren es 2016 nur noch 72. „Die Betroffenen bleiben länger als früher. Aus diesem Grund können wir nicht mehr Frauen aufnehmen“, sagt Dommer. Wird ein Platz frei, ist dieser ruck, zuck wieder belegt. Der Grund: „Es gibt einfach keine günstigen kleinen Wohnungen“, erläutert die Leiterin. In diesem Jahr wurden bisher 23 Schutzsuchende stationär aufgenommen, darunter neun Migrantinnen. „Wir haben nur zwölf Plätze. Kommt eine Frau mit vier Kindern, sind fünf Plätze belegt“, erklärt Liane Dommer. In diesem Jahr waren es bisher 25 Kinder, die mit ihren Müttern im Frauenhaus unterkamen.

Die Hilfesuchenden haben ein Durchschnittsalter von 32 Jahren. „Es dauert ungefähr sieben Jahre, bis eine Frau nach Hilfe sucht“, so Dommer. Aber es gäbe auch Fälle, in denen sich Betroffene nach 30 Jahren Misshandlung an sie wenden würden. „Es gehört unglaublich viel Mut dazu, sich nach so langer Zeit zu lösen“, sagt Dommer, die seit 2005 das Frauenhaus leitet.

Die Arbeit von Liane Dommer und ihrer Kollegin beschränkt sich aber nicht nur auf die stationären Fälle. In der Ambulanz werden jährlich etwa 200 Frauen beraten, es gibt rund 300 Kontakte, also auch Betroffene, die wiederholt um Rat fragen.

„Wir vermitteln Frauen auch an andere Häuser in anderen Bundesländern“, so Dommer. Das geschieht etwa dann, wenn es für eine Frau in Schwerin zu gefährlich wird. „Lauert der Mann oder aber ein Familienmitglied einer Frau auf, raten wir ihr, die Polizei zu verständigen und ein Kontaktierungsverbot zu erwirken.“ Hilft das nicht, kümmern sich die zwei Mitarbeiterinnen des Frauenhauses um einen Platz in einer anderen Stadt.

Das Schweriner Frauenhaus gibt es nun seit 20 Jahren. In dieser Zeit wurde 1594 Hilfesuchenden ein Platz geboten, darunter 897 Frauen und 697 Kinder. In der Ambulanz gab es 3522 Fälle.

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