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Schweriner Obdachlosenheim : „Wir lassen niemanden draußen“

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Obdachlosenheim seit fünf Jahren in der Weststadt / Ortsbeirat: Sorgen mancher Anwohner haben sich nicht bewahrheitet

„Da kommt Roland.“ Barbara Bays kennt ihre Leute. Die Leiterin des Schweriner Obdachlosenheims blickt aus dem Fenster, gibt ihrer Kollegin Heike Koch ein Zeichen. Sie soll mal nachsehen, was mit Roland los ist. Seit fünf Jahren befindet sich die Wohnungslosenunterkunft nun in der ehemaligen Kita Kirschblüte am Mittelweg in der Weststadt. „Mit 40 Bewohnern sind wir damals von der Anne-Frank-Straße umgezogen“, erzählt Barbara Bays. Aktuell leben 21 Männer und zwei Frauen im Heim.

Trennung, Verlust des Partners, Arbeitslosigkeit, Krankheit – wer ins Obdachlosenheim einziehe, habe oft einen Schicksalsschlag hinter sich, sagt Barbara Bays. In vielen Fällen spiele Alkohol eine Rolle, mache die Situation noch schwieriger.

Über ihren Alltag in der Unterkunft entscheiden die Bewohner selbst. Untergebracht sind sie in Mehrbettzimmern. Das Frühstück liefert die Tafel. Barbara Bays und Heike Koch haben ein Auge auf die Zimmer, achten auf Ordnung und Sauberkeit. Abends und nachts gibt es einen Wachdienst.

Benötigt jemand einen der 40 Plätze im Obdachlosenheim, meldet er sich in der Regel zuerst bei der Stadt. „Wir verweisen dann auf das Heim“, sagt Stefan Jäger vom Fachdienst Soziales der Stadt. Die Kommune könne aber keinen Wohnungslosen zwingen, in die Unterkunft am Mittelweg einzuziehen.

Um den Standort in der Weststadt hatte es heftige Diskussionen gegeben, sogar einen Rechtsstreit. Auch die Entscheidung über den Betreiber landete vor Gericht. Den Zuschlag erhielt schließlich die Comtact GmbH, die auch schon für das Vorgängerheim in der Anne-Frank-Straße auf dem Großen Dreesch verantwortlich war.

Inzwischen habe sich die Lage normalisiert, sagt Barbara Bays, wie Heike Koch bei der Comtact angestellt. „Wir kommen mit unseren Nachbarn aus.“ Dass mal eine ausgetrunkene Flasche im Gebüsch lande, komme vor, sei bedauerlich, so die Leiterin.

Ja, es habe Befürchtungen mancher Anwohner gegeben, Sorgen vor einem Anstieg der Kriminalität etwa, sie hätten sich jedoch nicht bewahrheitet, sagt Susanne Herweg, Vorsitzende des Ortsbeirates in der Weststadt. „An uns wurden keine Probleme im Zusammenhang mit dem Obdachlosenheim herangetragen.“

Auch aus Sicht der Polizei ist die Situation unter Kontrolle. „Das Obdachlosenheim stellt keinen Einsatzschwerpunkt dar“, sagt Polizeisprecherin Sophie Pawelke. Einsätze gäbe es aber sehr wohl. Im Schnitt zweimal im Quartal rückten Beamte aus, um bei Handgreiflichkeiten oder Beleidigungen im Heim einzugreifen, so Pawelke. Hinzu kämen noch so genannte gefahrenabwehrende Maßnahmen der Polizei, wenn der Lärmpegel mal steigt zum Beispiel.

Die Wohnungslosenunterkunft, für die die Stadt im Jahr rund 200 000 Euro ausgebe, solle für die Bewohner keine dauerhafte Bleibe sein, betont Stefan Jäger. Ziel müsse die Resozialisierung sein. So versteht auch Barbara Bays, seit fast 20 Jahren im Job, ihren Auftrag. „Den Menschen im Heim wieder zu einem selbstständigen Leben mit eigener Wohnung zu verhelfen, ist mir ein wichtiges Anliegen“, erklärt die Leiterin. Und es gäbe auch so manche Erfolgsgeschichte.

Doch an erster Stelle steht für Barbara Bays die schnelle Hilfe für Leute, die kein Dach über dem Kopf haben. „Wir lassen niemanden draußen“, versichert sie. Auch Roland, 53 Jahre alt und seit längerem wohnungslos, ist wieder drin.

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erstellt am 08.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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