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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 00:16 Uhr

Naturreport : Winterstube für Fledermäuse

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wirkt die Steinkonstruktion auf Schweriner jetzt eher abweisend, bietet die Felsengrotte den Fledermäusen jede Menge Behaglichkeit

von
erstellt am 05.Jan.2015 | 15:18 Uhr

Gemütlich, warm und so schön feucht. Fledermäuse lieben die künstliche Felsengrotte am Schloss. Wirken die ohne Verfugung los aufeinander gestapelten Feldsteine und Findlinge auf Schweriner im Winter eher verwunschen und abweisend, fühlen sich die Flattertiere dort um so behaglicher. Geschützt vor Frost und eisigen Winden fahren die nachtaktiven Säugetiere in der Grotte unbesorgt ihre Körpertemperatur herunter, bis diese nur noch kurz über der Umgebungstemperatur liegt, und überwintern.

„Die hohe Luftfeuchtigkeit ist dabei wichtig, damit sie währenddessen nicht austrocknen“, sagt Janine Wilken vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Außerdem würde jede Störung in den kalten Monaten zu einem enormen Energieverlust führen, den sich die Fledermäuse nicht mehr anfuttern können. „Im Winter ist schließlich keine Nahrung zu holen.“

Vor allem die Fransenfledermaus, das europaweit besonders geschützte Große Mausohr, die Zwerg- sowie die Wasserfledermaus und das Braune Langohr nutzen die Grotte als Schlafzimmer. Werden die Flattertiere im Winter in Ruhe gelassen, beweisen sie im Sommer ihren Nutzen für die Schweriner. Dann fangen die Jäger Mücken und Käfer. So haben die Nachtschwärmer schon manche Insektenplage verhindert. Das reiche Nahrungsangebot macht die Felsengrotte zum idealen Fledermauskindergarten. Dem BUND zufolge gibt es dort neun Fledermausarten, die alle unter dem Bundesnaturschutzgesetz stehen. „Die Tiere dürfen nicht gestört und getötet werden. Auch ihre Quartiere stehen unter Schutz und somit auch die Felsengrotte“, erklärt Janine Wilken weiter.

Davon profitieren auch andere Tiere wie Eidechsen und Insekten, aber auch pflanzliche Einwanderer wie das aus dem Mittelmeerraum stammende „Zimbelkraut“. Dessen Blattform erinnert an das gleichnamige alte Musikinstrument. Das Mikroklima an den aufgeschichteten Natursteinen sei trocken und relativ warm, so die BUND-Mitarbeiterin. Die Steine speichern tagsüber die Sonnenenergie und geben die Wärme nachts langsam ab. Das mag auch der Gelbe Lerchensporn aus den Alpen, der als Zierpflanze den europäischen Norden eroberte und sich hier inzwischen „breit macht“. In den Spalten der Findlinge lukt von Mai bis Juni auch die Alpen-Weinrebe hervor. Die lilablaue Blütenpracht kennen Schweriner besser als Clematis. „Vorsicht, ihr Pflanzensaft ist giftig und führt zu Hautreizungen“, warnt Janine Wilken.

Im Schutz der Felsengrotte waren im 19. Jahrhundert per Schiff Heizmaterialien ins und Abfälle aus dem Schloss transportiert worden. Heute zieht die Felsenkonstruktion Touristen und Fledermäuse an. Als der ehemalige Herrschersitz saniert wurde, sind die Bauherren deshalb auch auf die winterlichen Bedürfnisse der flattrigen Untermieter eingegangen.
 

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