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Zeitung für die Landeshauptstadt

16. August 2017 | 17:22 Uhr

Flucht aus Syrien : Willkommen im Frieden!

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das syrische Flüchtlings-Baby Jasmin erblickt in Schwerin das Licht der Welt – als 500. Neugeborenes dieses Jahres in den Helios-Kliniken

Mit unschuldigen Augen guckt die kleine Jasmin in die Welt. Sie weiß nicht, dass sie das 500. Kind ist, das im laufenden Jahr in den Schweriner Helios-Kliniken zur Welt gekommen ist. Und sie weiß nicht, was ihre syrische Mutter hochschwanger auf der Flucht durchgemacht hat, um sie im Frieden gebären zu können. Sie ahnt nicht, wie glücklich und stolz sie ihre Mutter, ihren Vater, ihre vier Brüder und ihre Schwester macht. Und sie weiß auch nicht, warum sich ihr Heimatvolk bekämpft.

Vor knapp einer Woche, am 28. Mai, um 0.55 Uhr erblickte das kleine Mädchen das Licht der Welt – 53 Zentimeter groß und 3185 Gramm schwer. Sie ist das sechste Kind einer syrischen Familie, die Jasmin nach zwei Jahren auf der Flucht begrüßen.

Der syrische Bürgerkrieg hatte Jasmins Familie vor knapp zwei Jahren alles genommen. Das Haus, in dem ihre Mutter, ihr Vater und ihre fünf Geschwister gewohnt hatten, wurde von einer Bombe zerstört. Die Narben im Gesicht und an der Schulter ihrer Schwester erzählen noch heute von jenen grausamen Geschehnissen.

In Syrien kostete die militärische Auseinandersetzung zwischen Truppen der Regierung von Präsident Baschar al-Assad und den Kämpfern verschiedener Oppositionsgruppen im Land nach allgemeinen Schätzungen inzwischen rund 150 000 Menschen das Leben. Auslöser des Bürgerkrieges ist ein friedlicher Protest Anfang des Jahres 2011 gewesen. Es war der so genannte Arabische Frühling, eine Bewegung, die sich über mehrere arabische Staaten ausbreitete und sich gegen dortige autoritär herrschende Regime sowie politische und soziale Strukturen richtete.

Jasmins Familie dachte zunächst nicht an Flucht. Mit den Unruhen nahmen aber auch die Flüchtlingsströme zu. Die Sicherheit schwand, die Angst wuchs. Im Jahr 2012 nahm die Bombe der syrischen Familie dann das Zuhause und damit die Hoffnung, länger in der Heimat bleiben zu können. Sie entschieden sich schmerzlich, sich den Flüchtlingsströmen anzuschließen. Ihr Ziel lag im Südwesten: der Libanon. Dort fanden die sieben vorübergehend eine Zuflucht, sogar eine Art Alltag.

Doch die Zustände in den Flüchtlingslagern verschlechterten sich. Deutsche Medien berichteten von knappem Wohnraum, wenig Arbeit und schwindenden Nahrungsmittelvorräten. „Caritas international“ und andere Organisationen stockten die Hilfen deutlich auf. Der Wintereinbruch verstärkte die Not zusätzlich.

Nach 18 Monaten stand für die Familie fest, dass sie weiter müssen. Jasmins Mutter war inzwischen schwanger. Dann kam das Glück der Familie zu Hilfe. Die Libanesischen Behörden boten den Syriern an, nach Europa weiter zu reisen. Schweden oder Deutschland? Die Familie entschied sich für die Bundesrepublik. Die 38-Jährige zog sich weite Sachen an, um ihre Schwangerschaft zu verbergen. Eigentlich war sie so hochschwanger fluguntauglich. Aber alles ging gut. 20 Tage vor Jasmins Geburt erreichten sie nach einer anstrengenden Reise Schwerin.

„Wir fühlen uns hier so sicher und wohl wie schon lange nicht mehr“, sagt Jasmins Vater heute rückblickend. Die Familie schöpft neue Hoffnung. Sie wartet jetzt auf ihre Aufenthaltsgenehmigung. „Wir möchten so schnell wie möglich deutsch lernen. Ich will arbeiten“, so der sechsfache Vater. Denn mit Jasmin beginnt für die Acht ein neues Leben in Frieden.

 

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erstellt am 03.Jun.2014 | 08:00 Uhr

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