Nächste Etappe bei der Sanierung des Schlossparks beginnt : Wiligrads Bunker verschwinden

<fettakgl>Freigelegter Bunker  am Wiligrader Schloss:</fettakgl> Das einstige Munitionslager  wird bei der Parksanierung abgerissen. Gartenbauingenieur   Dietmar Braune  hält die Bunkerschlüssel in der Hand, die bald nur noch Schaustücke sein werden. <fotos>Werner Mett (3)</fotos>
1 von 3
Freigelegter Bunker am Wiligrader Schloss: Das einstige Munitionslager wird bei der Parksanierung abgerissen. Gartenbauingenieur Dietmar Braune hält die Bunkerschlüssel in der Hand, die bald nur noch Schaustücke sein werden. Werner Mett (3)

Die Tage der Munitionsbunker am Wiligrader Schloss sind gezählt: Sie werden abgerissen und machen Platz für die Neuanpflanzung von Laubbäumen und Rhododendren. Die Mauern des ersten Unterstandes sind jetzt zu erkennen.

svz.de von
22. Januar 2013, 06:36 Uhr

Wiligrad | Die Tage der beiden Munitionsbunker am Wiligrader Schloss sind gezählt: Sie werden abgerissen und machen Platz für die Neuanpflanzung von Laubbäumen und Rhododendren. Die Mauern des ersten Unterstandes sind jetzt zu erkennen. Bauleute der Firma HCH aus Schwerin haben den Erdmantel bereits abgetragen. "Etwa 4000 Kubikmeter Erde müssen weg, bevor wir überhaupt an die Bunker rankommen", berichtet Dietmar Braune von der Schlösserverwaltung des Landes Mecklenburg-Vorpommern. Der Diplom-Gartenbauingenieur hat bei der seit 2010 laufenden Parksanierung rund um das Wiligrader Schloss den Hut auf. Der Abriss der Bunker ist ein Meilenstein bei der Umsetzung des Gesamtprojektes. Diese Arbeiten bilden nicht nur den Jahresauftakt 2013, nun rücken auch die Projekte der Parksanierung unmittelbar ans Schloss. "Die beiden Munitionsbunker wurden in den 1970er-Jahren für die Polizeischule errichtet", berichtet Braune. "Mitten in der Hauptsichtachse vom Schloss zum Teich am Rhododendronhain." Wie wenig dieses Kulturgut damals von Interesse war, zeigte sich gleich dahinter noch drastischer: Der Schießstand für die Volkspolizisten wurde damals in das Quellgebiet Tre Fontane gesetzt. Dieses und auch der Teich sind inzwischen rekonstruiert worden. Bis Ende nächsten Jahres soll aber der Kernbereich des einstigen Wiligrader Waldparkes wiederhergestellt werden - so originalgetreu wie möglich. "Dazu zählt auch, dass der Wald wieder näher ans Schloss rückt", erläutert Dietmar Braune. Tausende Buchen werden voraussichtlich im Herbst dort angepflanzt, wo jetzt noch die Bunker zu erkennen sind. Hinzu kommen andere Laubbäume und vor allem Rhododendren.

Die Gehölze sollen in den Erdmassen Wurzeln schlagen, die bislang die Bunker abdeckten. "Der Boden bleibt hier und wird nach dem Abriss der beiden Unterstände gleichmäßig verteilt", betont Dietmar Braune. Die Bunker selbst verschwinden komplett. Sie bestehen im Innern aus Betonfertigteilen. Ziegel bilden die äußere Hülle. "Das werden nach dem Abriss so um die 850 Tonnen Beton und Schutt sein", schätzt Braune. Die Baumaterialien werden sortiert und dann entweder recycelt oder entsorgt.

Der Gartenbauingenieur ist froh und zufrieden, dass die Bunker endlich verschwinden. "Schon als sich 2009 abzeichnete, dass das Land mit Hilfe von EU-Fördermitteln auch hier an die Parksanierung gehen kann, haben wir uns erstmals mit den Bunkern befasst", blickt Braune zurück. Denn die standen nach dem Ende der DDR und dem Auszug der Volkspolizei nicht leer: Die Bodendenkmalpfleger des Landes nutzten sie als Lagerräume für alte Kunstschätze. Im Sommer 2011 begannen die Archäologen mit der Räumung (SVZ berichtete). Im November vorigen Jahres erhielt Dietmar Braune die Schlüssel für die leer gezogenen Bunker. "Das sind immer noch die Spezialschlüssel für die Munitionslager", erzählt Braune. Selbst wenn die Bunker längst verschwunden sind, sollen die Schlüssel von diesen Bauwerken künden. "Die Schlüssel sollen ausgestellt werden. Wie und wo? Das müssen wir uns noch überlegen."

Und die Bunker sind nicht die einzigen jüngeren Bauwerke, die für die Sanierung des Parkes nach historischem Vorbild weichen müssen: Auf der Freifläche zwischen Bunkern und Schloss stellten in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten Mitglieder und Mitstreiter des Kunstvereins Wiligrad zahlreiche große Skulpturen auf. "Die gehören heute auch zu Wiligrad", betont Braune. Doch den Anblick im historischen Schlosspark sollen sie nicht dominieren. Die Verantwortlichen der Schlös serverwaltung und der Vorstand des Kunstvereins haben sich daher zusammengesetzt und nach neuen Standorten für die modernen Kunstwerke gesucht. "An den neuen Standorten müssen die Skulpturen nicht nur in die Parklandschaft passen, wir müssen sie dort auch aufstellen können - oftmals mit Hilfe schwerer Technik", erläutert Braune. Auch das soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Krönender Abschluss der Parksanierung im kommenden Jahr soll dann nach Vorstellungen von Dietmar Braune die Rückkehr einer historischen Skulptur werden: Bauherr Herzog Johann Albrecht ließ Anfang des 20. Jahrhunderts direkt am Schloss einen bronzenen Löwen auf einem Kalksteinsockel aufstellen. Schließlich war der Mecklenburger Herzog zeitweise nicht nur Regent in Schwerin, sondern auch in Braunschweig. Deshalb hat der Welfen-Löwe in Wiligrad seine Berechtigung. "Auch das wollen wir wieder sichtbar machen", betont Braune.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen