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Großplastiken wechseln Standort : Wiligrader Skulpturen ziehen um

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23 der 27 modernen Großplastiken, die in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten auf den Freiflächen rund um Schloss Wiligrad aufgestellt wurden, müssen den Standort wechseln.

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erstellt am 21.Jun.2013 | 07:09 Uhr

Wiligrad | Halbzeit bei einer lang geplanten, großen Umzugsaktion: 23 der 27 modernen Großplastiken, die in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten auf den Freiflächen rund um Schloss Wiligrad aufgestellt wurden, müssen den Standort wechseln. Mehr als die Hälfte davon hat inzwischen einen Platz gefunden - im bereits neu gestalteten Schlosspark oder an Wegen im angrenzenden Wald. Vier Plastikern konnten auf dem so genannten Dorfplatz bleiben.

Denn der Park rund um das Schoss wird seit inzwischen gut zwei Jahren saniert - nach historischem Vorbild. Dazu gehört auch, dass neben den Bausünden aus DDR-Zeiten wie den beiden Munitionsbunkern und dem Vier-Wohneinheiten-Block auch die vom Kunstverein Wiligrad nach der Wende aufgestellten Skulpturen weichen müssen.

Den modernen Kunstwerken droht aber nicht die Abrissbirne. Im Gegenteil: Schlösserverwaltung und Kunstverein sind sich einig, dass auch sie nach Wiligrad gehören. Schließlich haben die Künstler der Region in der Wendezeit das zuvor als Polizeischule genutzte Schloss für die Öffentlichkeit zugänglich und zu einer der wichtigen Kunst-Adressen im Land gemacht. Genau davon zeugen auch die Skulpturen, vor denen die meisten bei groß angelegten Workshops vor Ort entstanden sind.

Hauptanliegen der Parksanierung ist es aber, das Areal rund um das Schloss wieder so herzurichten, wie sich das Garten architekt Armin Skell und Bauherr Herzog Johann Albrecht am Ende des 19. Jahrhunderts gedacht hatten. "Und da hatte der Park eindeutig Waldcharakter", betont Diplom-Gartenbauingenieur Dietmar Braune von der Schlösserverwaltung MV, der bei der Parksanierung in Wiligrad den Hut auf hat. Deshalb werden auf den Freiflächen und den Standorten der abgerissenen Gebäude wieder Bäume und Sträucher gepflanzt.

Zum Teil ist das bereits erfolgt. Mehr als 1000 Bäume, 500 Rhododendronbüsche, 300 Ziersträucher und mehr als 2000 Bodendecker kamen allein in diesem Frühjahr in die Erde. "Die neu gesetzten Rhododendren haben gerade ausgeblüht. Das war ein wunderbarer Anblick", schwärmt Braune. Sie ergänzen die erhalten gebliebenen Überreste des Rhododendron-Hains am großen Teich.

Im Herbst steht die nächste große Pflanzaktion an: Vom Teich über das einstige Bunker areal bis hoch zum Schloss. Damit verschwindet auch die Freifläche des Skulpturenparks. "Im Juli, spätestens im August werden die letzten Plastiken umgesetzt", blickt Braune voraus. Wohin? Das wurde im Vorfeld mit den Vertreten des Kunstvereins genau besprochen und festgelegt. Die modernen Kunstwerke stehen in Zukunft nicht mehr in ihrem Skulpturenpark, sondern verteilt über das Areal, aber immer dicht an Wegen, so dass sie bei Rundgängen ins Auge fallen. Wichtig dabei war Landschaftsgestaltern und Künstlern, dass der Charakter der Kunstwerke erhalten und sichtbar bleibt. Zum Beispiel "Der Baum". Eine Hainbuche wächst in einem Stahlrohr auf. Der Baum hat genug Platz, denn der Durchmesser des grau angestrichenen Rohres beträgt 2,55 Meter. Die Hainbuche kann dennoch in ihrem Kunstraum betrachtet werden: Ein Guckloch und eine kleine Treppe machen das möglich. Mitarbeiter der Schweriner Gartenbaufirma Breuer haben dieses Kunstobjekt gerade an seinen neuen Platz gebracht - vom Schloss in die Nähe des Waldhauses.

Abgeschlossen werden soll die Parksanierung von Wiligrad im kommenden Jahr. Dietmar Braune hat dafür noch einen besonderen Wunsch: die Rückkehr einer "alten" Skulptur. Denn vor dem Hauptportal stand einst ein bronzener Löwe - das Zeichen der Braunschweiger Welfen. Die Figur ist verschollen, der verwaiste Sockel blieb erhalten. "Da gehört wieder der Löwe rauf", betont Braune. Schließlich war Bauherr Herzog Johann Albrecht nicht nur zeitweilig Regent von Mecklenburg-Schwerin, sondern auch für einige Jahre vom Herzogtum Braunschweig.

Insgesamt kostet die Parksanierung rund 2,8 Millionen Euro. Das Land kann sich das leisten, weil es Fördergeld von der EU gibt. Nicht zu diesem Projekt gehören die Sanierungsarbeiten am Marstall und am Maschinenhaus des Schlosskomplexes, die ebenfalls laufen.

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