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Wild mitten in Schwerin : Wildschweine auf dem Vormarsch

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Viele Neu Zippendorfer sind in Sorge: Schwarzwild nähert sich arglos den Wohnungen. Experten raten beim direkten Kontakt zur Ruhe

svz.de von
erstellt am 02.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Ganz ausgelassen spielt eine Gruppe von Kindern auf der Wiese hinter der Wittenberger Straße. Gemeinsam hüpfen die jungen Schweriner über das Seil oder werfen sich Bälle zu. Von Sorgen oder Angst keine Spur – ebenso wenig von Wildschweinen. „An manchen Stellen sieht man schon, dass Tiere hier gewühlt haben. Ein Wildschwein habe ich aber noch nicht gesehen“, erzählt eine der Betreuerinnen. Doch nicht alle Neu Zippendorfer sehen die Wildschwein-Situation so gelassen wie die Kinder.

„An meiner Haustür laufen jeden Tag Wildschweine vorbei. Die Kinder haben Angst und wollen nicht mehr aus dem Haus“, erzählt ein Anwohner am „Heißen Draht“. Mit seinem Leid ist er nicht der einzige: Im Laufe der Woche gingen bei der Stadt mehrere Anrufe ein, weitere Anwohner beschwerten sich über umherziehende Wildschweine nahe des Fernsehturms und in der Wittenberger Straße. Dabei handelt es sich allem Anschein nach um Bachen, weibliche Wildschweine, mit ihren Frischlingen.

Daraufhin hat die Stadt reagiert: Stadtjägermeister Hans Hovemann nahm mit Dörte Behring von der Unteren Jagdbehöre die Lage vor Ort in Augenschein. Wildschweine seien ihnen dabei nicht über den Weg gelaufen, Spuren hätten die beiden Experten aber gefunden. „Es stimmt, dass sich hier Schwarzwild aufgehalten hat und noch aufhält“, erklärt Hovemann. „Die umgedrehten Grasnarben sind aber verhältnismäßig gering, es besteht also keine direkte Gefahr für die Anwohner.“ Den unerwünschten Tierbesuch macht Behring an zwei Faktoren fest: „Zum einen ist die Schwarzwildpopulation in diesem Jahr so hoch wie noch nie. Und zum zweiten entsorgen einige Neu Zippendorfer ihren Müll nicht richtig.“ Das sorge dafür, dass die Rotten – Bachen mit ihren Frischlingen – ihre Scheu verlieren und sich auf Nahrungssuche auch den Häusern und damit den Menschen nähern.

„Wir nehmen die Sorgen der Anwohner ernst“, erklärt die Expertin von der Unteren Jagdbehörde. „Die hiesigen Jäger sind sensibilisiert und sind Tag und Nacht im Revier unterwegs.“ Außerdem sind in Rücksprache mit den Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen die Zahl der Müllabfuhren für die nächsten Wochen erhöht worden. „Und in den Aufgängen der Mehrgeschosser hängen ab sofort Hinweise aus, dass Hunde an die Leine genommen werden sollen“, ergänzt Behring.

Im Falle eines direkten Kontakts mit einer Rotte Wildschweine rät Hovemann zur Ruhe. „Grundsätzlich haben die Tiere Angst vor Menschen. Nur, wenn die Bache das Gefühl hat, dass ihre Frischlinge in Gefahr geraten, setzt eine Art Verteididungsmechanismus ein“, erklärt der Stadtjägermeister. Ratsam sei es, Lärm zu machen, in die Hände zu klatschen und sich nicht zu nähern.


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