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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 21:39 Uhr

Notdurft : „Wildpinkler“ müssen zahlen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wer nicht dicht hält und beim Gang in die Büsche erwischt wird, kann im Wiederholungsfall in Schwerin sogar bis zu 1000 Euro loswerden

svz.de von
erstellt am 09.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Am Anfang steht der Drang, etwas machen zu müssen. Doch wer muss, der darf nicht überall. Am Ende könnte eine dicke Rechnung stehen, denn die Stadt Schwerin kann von „Wildpinklern“ ein Bußgeld in Höhe von bis zu 1000 Euro kassieren.

„Place2Be“-Festival, Altstadtfest, Drachenbootrennen oder andere Open-Air-Veranstaltungen locken in den Sommermonaten tausende Menschen in die Stadt. Trotz öffentlicher Toiletten am Schlachtermarkt, am Totendamm, am Zippendorfer Strand oder Bertha-Klingberg-Platz zieht es in Schwerin viele mal schnell in die Büsche oder in eine stille Ecke, wenn Notdurft am Mann ist. Vornehmlich für einige Herren der Schöpfung ist das oft der bequemste Weg, auch wenn bei Großveranstaltungen mobile Toiletten zur Verfügung gestellt werden. „Wildpinkeln“ – diese Unsitte stinkt vielen Bürgern und hat auch längst den Schweriner Ordnungsdienst auf den Plan gerufen. Bei Großveranstaltungen in der Innenstadt sei es in der Vergangenheit schon vorgekommen, so heißt es von Seiten der Stadt, dass die Streifen des Ordnungsdienstes bei ihren allgemeinen Kontrollen jemanden „auf frischer Tat“ ertappt hätten. „Und nur dann können sie auch ordnungsrechtlich tätig werden“, so eine Sprecherin der Stadt. Wer nicht dicht hält und in der Landeshauptstadt einfach in der Gegend herum pinkelt, kann zur Kasse gebeten werden. 2013 wurden drei Geldstrafen ausgesprochen. Darunter sei auch ein ziemlich „unappetitlicher“ Fall gewesen. „Damals hatte eine Frau in einem Wartehäuschen des Nahverkehrs auf dem Marienplatz ihre Notdurft verrichtet. Es wurde eine Strafe von 75 Euro verhängt.“ Laut Stadt liege im Regelfall die Strafe bei 50 Euro. In diesem Jahr habe es nur einen Fall gegeben, als ein Mann am Geldautomaten im Stadthaus in einen Papierkorb urinierte. „Er wurde dabei von Zeugen beobachtet und sofort zur Rechenschaft gezogen.“

100 bis 1000 Euro Strafgeld in Schwerin – diese Beträge werden im 1. „Wildpinkel“-Atlas der Adamous group angegeben. Der Aachener/Halberstädter Taschen-WC-Hersteller hat darin die Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage zusammengefasst und diese Zahlen auf Anfrage von den Behörden zahlreicher Städte übermittelt bekommen. In der Praxis richten sich die Ordnungsdienstmitarbeiter in Schwerin aber nach dem bundesweit gültigen Ordnungswidrigkeitengesetz (Paragraf 17), das ganz allgemein Bußgelder von 5 bis 1000 Euro für begangene Ordnungswidrigkeiten vorsieht.

Den Angaben des 1. „Wildpinkel“-Atlases nach, werden in Rostock ebenfalls 5 bis 1000 Euro fällig, in Köln beispielsweise 40 bis 200 Euro, in Leipzig 35 bis 1000. In Berlin werden 20 Euro, in Bremen 50 Euro oder in Frankfurt 70 Euro pauschal abkassiert.

Bundesweit die höchsten Verwarngelder werden laut Umfrage in Hannover (5 bis 5000 Euro) und in Stuttgart (35 bis 5000 Euro) fällig. Eine 1000 Euro Strafe wurde in Schwerin für diese Unsitte noch nicht verhängt. „Es müsste sich dann schon um einen notorischen Wiederholungstäter handeln, der sehr großes öffentliches Ärgernis erregt“, heißt es von Seiten der Stadt. Es sei aber festzuhalten, „dass wir noch niemanden zweimal wegen dieser Ordnungswidrigkeit bestrafen mussten“.

 

 

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