Wiligrader Schlossuhr repariert : Wieder in der richtigen Zeit

Die Glocken ertönen alle 15 Minuten und zur vollen Stunde.
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Die Glocken ertönen alle 15 Minuten und zur vollen Stunde.

Turmuhr im Schloss wurde nach jahrzehntelangem Stillstand restauriert: Schlossfreunde gaben Anstoß und sammelten Spenden

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29. November 2016, 12:00 Uhr

Heute Nachmittag beginnt in Wiligrad eine neue Zeitrechnung: Nach jahrzehntelangem Stillstand soll die Uhr im Schlossturm wieder die richtige Zeit anzeigen. Selbst betagte Lübstorfer erinnern sich nicht, wann der Glockenschlag der Turmuhr zuletzt zu hören war, die Zeiger auf den beiden Zifferblättern vorrückten. Angezeigt wird auf der einen Seite, dass es fünf von zwölf ist. „So schlimm stand es aber um die Turmuhr nicht“, betont Frank Blumrich. Der Leipziger ist Fachmann für Turmuhren mit Glocken. Er arbeitet bei der Firma Bernhard Zachariä, dem ältesten Unternehmen in Deutschland, das auf solche Uhren spezialisiert ist.

Seit dem Sommer hat Frank Blumrich die Wiligrader Turmuhr wieder in Gang gesetzt. „Die Substanz war solide, kaum verschlissen“, so der Uhrmacher. Doch das Uhrwerk mit den zwölf Zahnrädern und drei Aufzugwalzen war komplett verdreckt, die Lager mussten geglättet und gefettet werden. „Außerdem haben wir den Handaufzug durch einen elektrischen Antrieb ersetzt“, erzählt Schwerins Klockenschauster Hans-Joachim Dikow. Ansonsten wurde an der 1897 in der Werkstatt Byes in Hildesheim gebauten Turmuhr kaum etwas verändert. „Das ist ein technisches Denkmal“, betont der Klockenschauster.

An Dikow hatte sich die Schlösserverwaltung gewandt, um die Turmuhr wieder in Gang zu setzen. Denn der Klockenschauster engagiert sich für Kirchturmuhren. „Hier mussten aber Spezialisten ran“, so Dikow. Und da der Schweriner in solchen Fällen mit den Leipzigern zusammenarbeitet, war der Kontakt schnell hergestellt.

Ein großes Hindernis allerdings gab es, um an die Wiligrader Turmuhr zu kommen: Das Uhrwerk steht im Schlossturm. Nach 70 Stufen im normalen Treppenhaus folgt noch eine enge Wendeltreppe mit 30 Stufen. „Wir mussten das Uhrwerk oben zerlegen und die Einzelteile runtertragen“, berichtet Blumrich. In Leipzig wurde alles gereinigt und in Gang gesetzt. Der Funktionstest verlief erfolgreich. Doch vor dem Aufstellen musste das Uhrwerk gestern erneut auseinandergenommen und Stück für Stück in den Turm getragen werden. Blumrich und Dikow sind aber zuversichtlich, dass heute um 15 Uhr nach den vier Viertelklängen auch der Stundenschlag ertönt. Und natürlich soll die Uhr dann wieder richtig ticken.

Den Anstoß für die Sanierung gaben übrigens die Freunde des Wiligrader Schlosses. Beim Tag des offenen Denkmals 2015 fingen sie an, Spenden zu sammeln. Etwa 2  300 Euro kamen zusammen. Insgesamt kosten Sanierung, elektrischer Antrieb und neue Beleuchtung 13  700 Euro. Der größte Teil des Geldes kommt vom Betrieb für Bau und Liegenschaften des Landes, der auch Schloss Wiligrad unterhält.

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