Bestattung in Schwerin : Wie weiter mit dem Krematorium?

Das Krematorium auf dem Waldfriedhof wurde vor rund fünf Jahren teilprivatisiert. Wirtschaftlich betrieben kann es aber immer noch nicht werden.
Das Krematorium auf dem Waldfriedhof wurde vor rund fünf Jahren teilprivatisiert. Wirtschaftlich betrieben kann es aber immer noch nicht werden.

Anlage am Waldfriedhof hat erheblichen Modernisierungsbedarf – Bestatter kritisieren mangelnden Service

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22. Januar 2018, 21:00 Uhr

Vor fünf Jahren wurde das Krematorium am Waldfriedhof teilprivatisiert. Die Stadt verkaufte 49 Prozent der Anteile an einen privaten Investor. Die Hoffnung der Kommune: Die Wirtschaftlichkeit der Anlage sollte sich verbessern. Doch daraus ist nichts geworden. Das Betriebsergebnis dümpelt nach Angaben eines Stadtsprechers immer so um die schwarze Null. Deshalb soll in diesem Jahr die Entscheidung fallen, wie es weitergeht.

Die Stadt kann sich einiges vorstellen. Sie könnte die privaten Anteile zurück kaufen. Sie könnte das Krematorium aber auch ganz schließen. Einen rein privaten Betrieb lassen die Landesgesetze nicht zu.

Seit 2013 sind die Fallzahlen im Krematorium nur marginal gestiegen. Die Kosten aber sind deutlich in die Höhe gegangen. Auch wenn die Stadt das Krematorium am Waldfriedhof im Internet zu „den modernsten und umweltfreundlichsten Deutschlands“ zählt, besteht dennoch ein erheblicher Reparatur- und Modernisierungsstau. Doch die Stadt kann sich Investitionen wegen ihrer desolaten Haushaltslage nicht leisten. Dazu kommt, dass immer noch erhebliche Kredite auf der Anlage lasten. Die wurden einst mit einer Laufzeit von 20 Jahren abgeschlossen und müssten auch dann noch bedient werden, wenn das Krematorium geschlossen werden würde.

„Wir haben der Stadt den Vorschlag unterbreitet, die Investitionskosten für eine Modernisierung zu übernehmen“, sagt Investor Ulf Heyer. „Dann würden wir auch den Betrieb besorgen und die Anlage von der Stadt pachten.“ Damit bliebe die Einäscherung formal in kommunaler Hand.

Am liebsten würde Heyer eine komplett neue Anlage einbauen. „Dann könnten wir einen besseren Service anbieten zu günstigen Preisen. Damit hätte auch der unmögliche ,Leichentourismus‘ ein Ende“, sagt Heyer.

Derzeit fahren etliche Schweriner Bestatter mit den Toten zur Einäscherung in andere Bundesländer, beispielsweise nach Perleberg in Brandenburg. Das ist aber grundsätzlich keine Preisfrage. „Die Kostenunterschiede für die Hinterbliebenen sind sehr gering“, sagt Bestatter Heiko Schönsee. „Aber der Service ist in Perleberg besser.“ Die Angehörigen können auf Wunsch bei der Einäscherung dabei sein, wenn verlangt, geht es auch sehr schnell und die Öffnungszeiten sind kundenfreundlich. „Perleberg ist einfach der bessere Dienstleister“, so Schönsee.

Um das Dienstleistungsniveau in Schwerin weiß auch Heyer. „Wir sind dankbar, dass die Bestatter trotzdem zu uns kommen.“ Der Investor will deshalb mit einer modernen Anlage auch den Service deutlich verbessern.

Nun liegt es bei der Stadt, ob sie Heyers Angebot annimmt. Wie immer sich die Kommune auch entscheidet – Ulf Heyer ist sicher, dass es mit dem Krematorium in Schwerin weiter gehen wird. „In eine Landeshauptstadt gehört einfach ein Krematorium.“

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