Schwerin : Wie viel Vogelschutz braucht die Stadt?

<strong><fototext>Die Große Rohrdommel</fototext></strong> ist vom Schweriner See verschwunden. <foto>zvs</foto>
Die Große Rohrdommel ist vom Schweriner See verschwunden. zvs

Umweltverträglichkeitsprüfungen durch den EU-Status des Schweriner Sees als Vogelschutzgebiet bremsen Bauvorhaben in Wassernähe aus, doch Naturschutzmaßnahmen sind dringend notwendig.

svz.de von
04. Juli 2012, 10:34 Uhr

Schwerin | Erst der Buga-Streit um das Biotop im Burgsee, dann der Baustopp für den neuen Anleger in der Schlossbucht, und auch für die geplante Marina in der Bornhövedstraße bahnen sich Probleme an - durch den EU-Status des Schweriner Sees als Vogelschutzgebiet von europäischer Bedeutung. Macht die Schutzzone der Stadt nur Schwierigkeiten?

Es gehe hierbei nicht um Bremsklötze oder das Konstruieren von Hindernissen, lautet die eindeutige Antwort von Frank Fiedler vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umweltschutz Schwerin, sondern um den Erhalt der Artenvielfalt in Europa. Das sei kein Stec kenpferd einiger Hobby-Naturschützer, sondern eine wahrlich dringende Notwendigkeit, zu der sich alle Staaten der Europäischen Union bekannt haben. Fiedler skizziert den Rahmen: "Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Anzahl der Tier- und Pflanzenarten in Europa halbiert. Deshalb haben die Mitgliedsländer der EU 1983 eine Konvention zum Erhalt der biologischen Vielfalt unterzeichnet, jedes Land hat FFH-Gebiete ausgewiesen, also Flora-Fauna-Habitat-Schutzzonen." Die neuen Bundesländer haben ihre Areale nachgemeldet, MV 1992 bis 98.

Parallel dazu hat es in der EU besondere Anstrengungen für den Vogelschutz gegeben. Schon 1972 wurde eine entsprechende Richtlinie vereinbart. MV hat seine Vogelschutzgebiete 1993 nachgemeldet. Doch damit waren die Experten der EU nicht zufrieden, Deutschland bekam Mahnschreiben, der Verlust von Fördermitteln in Millionenhöhe drohte. "Mecklenburg-Vorpommern als wasserreiches Bundesland hat logischerweise eine besondere Verantwortung für die Wasservögel. 2005 wurde eine Kabinettsvorlage für die Ausweitung der Vogelschutzgebiete vorgelegt, die auch den Schweriner See beinhaltet. 2008 wurde sie beschlossen, 2009 von der EU bestätigt", berichtet Fiedler. Deren Experten prüfen nun regelmäßig, ob die Anstrengungen zum Erreichen der Schutzziele auch wirklich ausreichen.

Ist so viel Aufwand überhaupt notwendig? Auch da gibt Fiedler ein eindeutiges "Ja" als Antwort und untermauert das mit Beispielen: So sei der Moorochse verstummt, der markige Ruf der Großen Rohrdommel ertönt am Schweriner See nicht mehr. Verschwunden ist auch die Rohrweihe. Und Adebar, einst Allerweltsvogel, ist nicht einmal mehr im Siebendörfer Moor zu sehen, nur noch die Ortsbezeichnung Adebors Näs kündet davon, dass der Weißstorch früher auch in Schwerin beheimatet war. Dramatisch abgenommen hat die Zahl der Blässhuhn-Brutpaare, für deren Bestand - genau wie beim Haubentaucher - der Schweriner See landesweit existenzielle Bedeutung hat.

"Schutz bedeutet aus unserer Sicht nicht, dass alles verboten werden muss. denn schützen kann man nur, was man auch kennt und schätzt", sagt Fiedler. Vielmehr gehe es bei den Verträglichkeitsprüfungen darum, abzuwägen, wieviel Eingriff in die Natur erlaubt werden kann, ohne das ganze System zu gefährden. "Wir sind uns durchaus der daraus resultierenden hohen Verantwortung bewusst - beiden Seiten gegenüber, Mensch und Natur ", versichert Fiedler. Derzeit werde ein Management-Plan Vogelschutz für den ganzen See vorbereitet, der mit Blick auf die Zukunft möglichst umfassend alle Einflüsse bewerten soll, wie etwa die Entwicklung der Uferzonen, des Schilfgürtels, des Bootsverkehrs, der Stege und Anleger und vieles mehr.

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