Abfall unter der Lupe : Wie viel Bio steckt im Hausmüll?

Nicht schön, aber zweckmäßig: Mitarbeiter eines Ingenieurbüros und Sortierhelfer  trennen akribisch den Müll auf dem Betriebsgelände der SDS in Görries. Fotos: Hans Taken
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Nicht schön, aber zweckmäßig: Mitarbeiter eines Ingenieurbüros und Sortierhelfer trennen akribisch den Müll auf dem Betriebsgelände der SDS in Görries. Fotos: Hans Taken

Schwerin will die Entsorgungskosten senken und lässt den Abfall aus der Innenstadt, aus Neu- und Plattenbaugebieten analysieren

svz.de von
11. Juli 2014, 10:00 Uhr

Wie viel Bioabfall befindet sich in den schwarzen Hausmülltonnen? Dieser Frage gehen die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen Schwerin, kurz SDS, derzeit nach, denn sie peilen eine Verringerung der Entsorgungskosten an. Eine Hausmüllanalyse soll bei diesem Vorhaben helfen.

Die Mülltonnen stehen am Straßenrand, so wie immer mittwochs in der Fritz-Reuter-Straße. Doch diesmal fährt der Müllwagen einen Sondereinsatz. Die Hausmüll-Behälter werden erst gewogen, dann schluckt das Müllauto den Inhalt von 44 Mülleimern. Begleitet wird die Müllabfuhr von Johannes Gluth. Der Mitarbeiter eines Rostocker Ingenieurbüros will eine Hausmüllanalyse durchführen. Deshalb braucht er die Abfälle, um sie später genauestens zu sortieren und sich durch die benötigte Tonne Müll zu wühlen.

Dort, wo das Gewerbegebiet Görries zu Ende geht und das Siebendörfer Moor anfängt, landet an diesem Morgen der Hausmüll. Auf dem Gelände des Eigenbetriebs der Landeshauptstadt werden Winterdiensttechnik aufbewahrt und Lkw mit Split für die Straßenunterhaltung befüllt. Jetzt liegt dort auch der Müll von rund der Hälfte der Anwohner der Fritz-Reuter-Straße. Es ist heiß, und würde nicht der Wind wehen, dann wäre die Geruchskulisse gänzlich unerträglich. Johannes Gluth steckt wie sein Ingenieursbüro-Kollege und drei weitere Sortierhelfer in Ganzkörperschutzanzügen. Vor ihnen steht ein Tisch, darauf liegt all das, was so in einer Mülltonne landen kann. Tüten, Taschentücher oder Tapetenreste, Konservendosen, Kunststoffspielzeug oder Katzenstreu – alles wird haarklein sortiert und dann auf 40 Behälter aufgeteilt. „Wir unterteilen hier nach Stoffgruppen und Fraktionen“, sagt Johannes Gluth. Stoffgruppe, dazu gehört beispielsweise der Oberbegriff Kunststoffe. Zu den Fraktionen gehört dann die Untergruppe Verpackung. „In diesen Behälter kommt dann alles, was einen Grünen Punkt hat“, erklärt Gluth, spricht dann von Plastikflaschen, Fleischverpackungen oder Plastiktüten. Nicht-Verpackung, wozu zum Beispiel Styropor gehört, sei, so Gluth, eine weitere Fraktion. Und so sortiert sich das Quintett durch Stoffgruppen und Fraktionen, wiegt volle Behälter, protokolliert alles penibel und wirft den ganzen Müll dann in große Container. Irgendwann werden sie abgeholt, dann kommt der Unrat dahin, wo er ohne Hausmüllanalyse schon längst gelandet wäre: auf der Deponie.

Holger Hoppmann und Axel Klabe interessieren sich ganz besonders für den Bereich kompostierbare Stoffe. Der SDS-Abteilungsleiter Abfallwirtschaft und der Bereichsleiter Straßenunterhaltung/Abfallwirtschaft sind gerade gekommen und machen sich ein Bild von der Sortierarbeit vor Ort. Und sie machen sich Gedanken darüber, wie viel biogenes Potenzial noch in den Schweriner Restmülltonnen schlummert. Grünschnitt, Kartoffel- oder Eierschalen – all das könnte gut, gerne und ausschließlich in die braunen Bio-Tonnen wandern, von denen es in der Landeshauptstadt 9500 Stück gibt. Mehr als 90 Prozent aller Haushalte werden damit abgedeckt.

Abgeholt wird der Biomüll vom 1. Januar 2015 an von der SAS, die ihn dann auch in einer neuen Vergärungsanlage aufbereiten will. Bereits jetzt, so berichten Hoppmann und Klabe, werden jährlich rund 6800 Tonnen biogenes Material in den braunen Behältern gesammelt und noch einmal 1500 Tonnen Gartenabfälle in den Recyclinghöfen abgeliefert. Aber es könnte, so Klabe, noch mehr sein, wenn viele Bürger noch konsequenter trennen würden. Das zu tun, mache, so Hoppmann, Sinn aus aus zweierlei Gründen: „Wer seinen Abfall getrennt sammelt, schont die Umwelt und seinen eigenen Geldbeutel“. Je weniger Restmüll anfalle, ergänzt er, umso weniger Gebühr müsse auch gezahlt werden.

Um die jetzige Müll-Analyse repräsentativ zu gestalten, wird bis einschließlich heute aus vier Schweriner Straßen Hausmüll durchleuchtet: Der aus der Andrej-Sacharow-Straße auf dem Großen Dreesch, der aus der Fritz-Reuter-Straße in der Paulsstadt sowie der aus der Bahnhofstraße und Am Silberberg in Warnitz. „Das sind drei verschiedene Siedlungsstrukturen. Eine Großwohnanlage, ein innerstädtischer Bereich, sowie eine Einhausbebauung älterer Natur mit großen Grundstücken und eine jüngeren Datums mit kleinen Grundstücken“, sagt Axel Klabe. Im Herbst wird eine weitere Hausmüllanalyse folgen, im Winter eventuell auch. Erst danach gibt es eine Auswertung. Und dann? Holger Hoppmann: „Dann wollen wir die Bürger über die Ergebnisse informieren und sie in Sachen Mülltrennung weiter sensibilisieren.“

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