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Gefährlicher Stadtteil? : Wie sicher ist das Mueßer Holz in Schwerin?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Teilnehmer am Freiwilligen Sozialen Jahr des Internationalen Bundes haben Anwohner befragt, wie sie ihren Stadtteil einschätzen

svz.de von
erstellt am 28.Apr.2014 | 08:00 Uhr

Wie sicher ist der Plattenbau-Stadtteil Mueßer Holz? Dieser Frage gingen 50 junge Leute nach, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Internationalen Bund absolvieren. Sie waren zu Seminaren nach Schwerin gekommen, um sich mit vielen Facetten des Themas „Leben mit Unterschieden“ zu beschäftigen. Entstanden ist dabei auch ein Artikel von Erik Wilcke, und Andy Hoffmann zum Sicherheitsempfinden im Mueßer Holz.

In einer nicht repräsentativen Umfrage zum Thema „Sicherheitsempfinden“ brachten die freiwillig Sozialdienstleistenden (FSJler) des Internationalen Bundes verschiedene Meinungen und Ansichten von Bewohnern des Mueßer Holzes in Erfahrung. Ausgehend vom „Zivico“-Projekt der Polizei, das sich mit dem Thema Zivilcourage beschäftigt, befragten FSJler Bewohner verschiedener Teile des Mueßer Holzes aufgrund vermehrter Stimmen aus der Bevölkerung über die erhöhte Kriminalitätsrate im Stadtteil. Dabei gab es auffällige Differenzen in den Meinungen: Während sich ein Teil der Befragten tatsächlich nicht sicher fühlt, ist ein vergleichbar großer Teil der Befragten nicht oder kaum besorgt um ihre Sicherheit. Eine junge Frau, etwa Mitte 20, antwortete: „Es kommt ja auch darauf an, ob man hier aufgewachsen oder zugezogen ist.“ Tatsächlich spiegelt sich dieser Unterschied auch unter den befragten Bürgern wider.

„Ich bin vor sieben Jahren hierher gezogen, weil mein Mann das unbedingt wollte, ich aber nicht“, so eine Seniorin, im ungefähren Alter von 70 Jahren. Sorgen bereiten ihr vor allem die schwach bis gar nicht beleuchteten Spielplätze, auf denen die Kinder teilweise bis spät in die Nacht aktiv seien. Dies mache diese zu leichten Opfern, nicht nur für Sexualstraftäter oder Schläger, sondern auch bezüglich Drogen und Alkohol, so die Bürgerin. Wendet man jedoch den Blick von den gepflegten Spielplätzen und Parkanlagen hinüber zu den Wohnhäusern, so ist der Unterschied doch deutlich: Hier sieht man sehr sauber gehaltene Spielplätze, dort heruntergekommene Eingänge von schlecht in Stand gehaltenen Wohnblöcken. Diese Meinung teilt auch der Kontaktbeamte Thomas Böhm von der Polizei. Aus seiner Sicht „fallen niemandem die sauberen Parks auf“, aber das Image des schmutzigen, kriminellen Stadtteils Mueßer Holz sei weit verbreitet. Für dieses Image spielen seiner Meinung nach auch die Medien eine entscheidende Rolle. Während sich Ereignisse, die sich im Plattenbaugebiet zutrugen, von der Öffentlichkeit stellenweise überdramatisiert würden, werden vergleichbare Ereignisse in anderen Stadtteilen wie Lankow oder der Innenstadt nur selten aufgegriffen und behandelt, so Böhm.

Am Ende der Befragung baten die FSJler um Verbesserungsvorschläge der Bürger. Ein Bewohner schlug vor: „Man sollte den Menschen einfach mehr Geld geben.“ Andere meinten, es müsste mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für die Jugendlichen und Arbeitslosen geben. Im Gegensatz dazu sagte eine Anwohnerin: „Man müsste den Jugendlichen einen Platz geben, an dem sie machen können, was sie wollen, wie beispielsweise Alkohol trinken und Drogen nehmen.“

Schlussendlich liegt es im Auge des Betrachters, ob sich der Aspekt der erhöhten Kriminalität bewahrheitet oder nicht. Die Befragung hat aber auch ergeben, dass sich noch immer ein Teil der Anwohner nicht sicher fühlt.

Die Ergebnisse ihrer Straßenumfragen haben die FSJler mit Thomas Böhm diskutiert. Das Ergebnis: Abhängig von der Präsenz der Polizei fühlen sich die Einwohner mal sicherer, mal unsicherer. Und: Sicherheit ist immer subjektiv.


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