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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 00:27 Uhr

Altlasten : Wie gefährlich ist Schelfwerder?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Umweltausschuss macht sich ein Bild vom Zustand der seit 25 Jahren offiziell nicht mehr genutzten Deponie am Schweriner See

von
erstellt am 16.Okt.2014 | 23:24 Uhr

Bis gestern wussten nicht mal einige Mitglieder des Umweltausschusses, wo genau die Deponie Schelfwerder liegt – sie fuhren an der Einfahrt vorbei. Noch viel weniger war ihnen bekannt, wie es um die Müllkippe steht. Deshalb hatte der Ausschussvorsitzende Manfred Strauß um einen Vor-Ort-Termin gebeten mit Umweltamtschefin Carola Nitz und Forstamtsleiter Ingo Nadler. Das Ergebnis: Derzeit weiß keiner so genau, welches Gefahrenpotenzial nur 150 Meter vom Ufer des Schweriner Sees entfernt schlummert.

Die mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragte Hydrogeologin Doris Sacharowa stellte ihr bisherigen Erkenntnisse vor: Die Deponie ist auf einer relativ dicken Torfschicht angelegt. Und die filtert die mit dem Wasser aus der Müllkippe sickernden Schadstoffe heraus, bevor sie den See erreichen können. Und Oberflächenwasser kann nicht das Gewässer erreichen, weil keine direkte Verbindung zwischen Müllberg und See besteht. Zumindest nicht im Winter und nicht in diesem Jahr im Juni, denn da wurde geprüft. Ob vorhandene Gräben beim alljährlichen Frühjahrshochwasser Wasser in den Schweriner See leiten, hat schon lange keiner mehr kontrolliert. Dabei wurde bereits im Jahr 1993 in einer Diplomarbeit nachgewiesen, dass Schwermetalle und andere gefährliche Stoffe in den See gelangen. Jeder einzelne ist kaum gefährlich, weil die Konzentration gering ist. „Der Mix bringt aber erhebliche Gefahren“, sagte Umweltausschussmitglied Dietrich Thierfelder. „Das haben damals biologische Tests ergeben.“ Wie es überhaupt Anfang der 90er-Jahre sehr viele Aktivitäten rund um die Deponie am Schweriner Stadtrand gab – ausgelöst vom Land. „Plötzlich brach aber alles aus unbekannten Gründen ab“, so Umweltamtschefin Carola Nitz. Dann war es jahrelang still um die Müllkippe. Das Land als Eigentümer kümmerte sich kaum darum, die Stadt hakte nicht nach.

Jetzt haben das städtische Umweltamt und das Forstamt Gädebehn als Verwalter der Fläche ein Monitoring-Programm vereinbart. Fünf Jahre lang sollen in einem bestimmten Rhythmus an 15 Messstellen Proben genommen und analysiert werden. Erst dann können weitere Schritte festgelegt werden. Derzeit ist nur bekannt: Aus der Deponie sickern Schwermetalle, Mineralölprodukte Salze, Chloride, Pestizide und anderes. Alles noch in tolerierbaren Mengen. Doch ob das wirklich ungefährlich für den See ist, wird sich erst in ein paar Jahren herausstellen.

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