Handgemacht : Wie aus Blech Trompeten werden

Instrumentenbauer Michael Münkwitz, Trompeter Bodo Schulz und Tubist Gordon Schulz (v.l.) zeigen die unterschiedlichen Phasen der Entstehung einer Naturtrompete.
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Instrumentenbauer Michael Münkwitz, Trompeter Bodo Schulz und Tubist Gordon Schulz (v.l.) zeigen die unterschiedlichen Phasen der Entstehung einer Naturtrompete.

Michael Münkwitz weiht beim Workshop in der Handwerkskammer 13 Enthusiasten in die Kunst des Instrumentenbaus ein

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19. Juni 2015, 12:00 Uhr

Sie kommen aus Japan und den USA, aus Frankreich und Italien, aus Kanada und weiteren Ländern und wollen alle das Gleiche: Lernen, wie Trompeten gebaut werden. Und das können sie diese Woche in einem Workshop im Bildungszentrum der Handwerkskammer Schwerin bei Instrumentenbauer Michael Münkwitz und zwei befreundeten Lehrern aus Kanada und den USA.

„Das ist ein ganz schön harter Job, mir tut die Schulter ziemlich weh“, sagt Bodo Schulz, der sonst im Posaunenchor Sanitz Trompete spielt und nun bereits drei Tage lang mit Hammer und Amboss unter anderem Schallstück und Kranz seiner künftigen Naturtrompete bearbeitet. Auch sein Sohn Gordon, der in Sanitz Tuba spielt und sich ebenfalls für den Workshop angemeldet hat, bestätigt lachend: „Morgen habe ich bestimmt Muskelkater.“ Doch das sei nicht schlimm, denn der Erfolg der Arbeit sei ja bereits sichtbar.

„Wir arbeiten genau wie die alten Instrumentenbauer zu Zeiten von Bach, Händel und Telemann. Alles wird in Handarbeit gemacht, vom Zuschnitt des Messingblechs über das Löten und Gravieren bis zum Polieren. Der einzige Luxus, den wir uns leisten, ist die Gasflasche zum Löten“, sagt Trompetenbauer Münkwitz. Aber genau diese Authentizität mache ja den Reiz des Workshops aus. Es gehe nicht in erster Linie um das Endprodukt, das könne man auch kaufen, sondern um den Entstehungsprozess des Instruments. Komponisten, Profi-Musiker und Musikschüler interessiere gleichermaßen, wie die großen Kompositionen der Altmeister im Original vor 350 Jahren geklungen haben könnten, etwa Händels Feuerwerksmusik oder seine Wassermusik, und wie die Musiker damals auf ihren so genannten Naturtrompeten ohne technische Finessen wie Ventile diese Virtuosität erreichen konnten.

Als besonders bereichernd empfindet Münkwitz, dass Musiker, Instrumentenbauer und Schüler gemeinsam arbeiten. „Bei den Künstlern wächst der Respekt vor dem Handwerk, bei den Handwerkern der vor der Kunst“, resümiert der Workshop-Leiter.

Besonderen Dank richtet er an die Handwerkskammer für die guten Arbeitsbedingungen im Bildungszentrum. „Ich sehe das als eine Win-win-Situation an: Handwerker mieten sich ein und nutzen das Gebäude. Außerdem werden so Traditionen bewahrt und alte handwerkliche Fähigkeiten weitergegeben. Die Kammer ihrerseits profitiert davon, dass wir überregional Werbung für die guten Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen hier machen“, sagt Münkwitz. Und zwar nicht nur durch die Teilnehmer selbst. Denn zum Abschluss des Workshops wurden gestern Abend die selbst gebauten Instrumente in einem kleinen Konzert vor prominenter Besucherschar vorgeführt.

Für den Trompetenbauer bedeutet das Ende der Schweriner Werkstatt-Arbeit aber keine Pause, für ihn geht es gleich weiter: Am Wochenende leitet er den nächsten Workshop, dann in Cambridge, und für August hat er eine Einladung in die USA.

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