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Informationsveranstaltung am Donnerstag in Lübstorfer Aula : Widerstand gegen Biogasanlage

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Ob ihr Protest Erfolg haben wird, das wissen die Gegner der geplanten Biogasanlage an der B106 bei Neu Lübstorf nicht. Vor wenigen Tagen gründeten sie eine Bürgerinitiative mit mehr als 20 Mitstreitern.

svz.de von
erstellt am 20.Apr.2011 | 10:18 Uhr

Neu Lübstorf | Ob ihr Protest Erfolg haben wird, das wissen die Gegner der geplanten Biogasanlage an der B 106 bei Neu Lübstorf nicht. Aber sie wollen nichts unversucht lassen, die von der Agrargemeinschaft Lübstorf und einem Partner geplante Großanlage mit einem Leistungsvermögen von zwei Megawatt (SVZ berichtete) zu verhindern. Vor wenigen Tagen gründeten sie eine Bürgerinitiative mit mehr als 20 Mitstreitern aus den Gemeinden Zickhusen und Lübstorf. Hier und auch in den Nachbardörfern gehen sie von Haustür zu Haustür, verteilen Handzettel und sammeln Unterschriften gegen das Vorhaben.

"Wir sprechen uns gegen das gesamte Projekt aus", betont der Zickhusener Olaf Dieckmann. Denn der erste Kritikpunkt ist ein grundsätzlicher: Landwirte sollten auf den zur Verfügung stehenden Flächen Lebensmittel herstellen. In einer Biogasanlage werde zwar Energie erzeugt, doch dadurch würden Lebensmittel direkt (Einspeisung von Getreide) oder indirekt (Anbau von Mais statt Getreide) vernichtet. Für Doreen Poser aus Neu Lübstorf ist das schlichtweg ein Unding: "Schließlich leiden weltweit Millionen Menschen Hunger. Und auch bei uns werden Lebensmittel immer teurer." Vor diesem Hintergrund kann auch Hans-Jürgen Olhöft aus Neu Lübstorf nicht verstehen, warum in Deutschland diese Art der Energiegewinnung so stark gefördert wird.

Aus den Unterlagen gehe zudem deutlich hervor, dass es bei dem Zwölf-Millionen-Euro-Vorhaben nicht um die Ergänzung eines Landwirtschaftsbetriebes gehe, sondern um ein Industrieprojekt. "So etwas gehört hier nicht her", meint Dr. Malte Ganssauge aus Neu Lübstorf. Laut Raumordnungsprogramm für Westmecklenburg solle sich in dieser Region der Tourismus entwickeln. Traditionelle Landwirtschaft passe dazu, doch nicht so eine Industrieanlage - selbst wenn heimische Landwirte hinter dem Projekt stehen.

Die Vertreter der Bürgerinitiative benennen noch weitere Nachteile, die mit dem Bau einer so großen Biogasanlage auf die Menschen zukommen, egal wo diese steht. Da Mais und Weizen, Mist und Gülle angefahren werden müssen, steige das Verkehrsaufkommen. Die anfallenden Gärreste wiederum müssen von dieser zentralen Stelle auf die Felder gebracht werden, wo sie untergepflügt werden. Die Lkw und die Anlage selbst erzeugen permanent Lärm, der letztlich die Menschen krank mache, argumentiert der Mediziner Ganssauge.

Und mehr noch: Unter den Anwohnern herrscht Furcht vor möglichen Gefahren, die von so einer Anlage ausgehen können. Doreen Poser: "Ich habe im Internet viel über Unfallgefahren in solchen Biogasanlagen gelesen. Was geschieht bei einer Havarie?" Die freiwilligen Feuerwehren der Region jedenfalls seien weder technisch noch personell für einen Katastrophenfall in so einer Biogasanlage ausgerüstet. Hinzu komme, dass Neu Lübstorf in einer Sackgasse liegt. Die einzige Zufahrt ist die Straße von der B 106. Und genau dort soll die Biogasanlage errichtet werden.

Angst mache auch Botulismus. Rinder aber auch Menschen können daran erkranken. Vor einem Jahr haben Tierärzte in der Göttinger Erklärung nach der Haupttagung ihrer Agrar- und Veterinär-Akademie sich besorgt über die Ausbreitung des Botulismus-Erregers geäußert und einen Zusammenhang zu Biogasanlagen hergestellt. Noch ist es jedoch eine Vermutung, dass das Virus bei der Vergasung in Biogasanlagen auskeimen könne und mit den Gärresten auf die Felder komme. Aber die Tierärzte sehen Handlungsbedarf und fordern Politik und Wirtschaft auf, diesen Sachverhalt zu prüfen.

Informationsveranstaltung Donnerstagabend in Lübstorfer Aula

"So lange es so viele offene Fragen gibt, darf solch eine Anlage nicht genehmigt werden", betont Olaf Dieckmann. Auf ihre Fragen hätten die besorgten Bürger auf einer Infoveranstaltung mit etwa 100 Besuchern der Investorengruppe in der Vorwoche in Zickhusen nur unzureichende Antworten erhalten. Das war letztlich der Auslöser, die Bürgerinitiative zu gründen. Diese lädt nun selber zu einer Info-Veranstaltung ein. Interessierte sind am heutigen Donnerstag um 19 Uhr in der Aula der Lübstorfer Schule willkommen.

Außerdem fordern die Vertreter der Bürgerinitiative alle Einwohner der Region auf, die Planungsunterlagen selbst einzusehen und die eigene Position, den möglichen Widerspruch schriftlich zu artikulieren. Die Unterlagen liegen noch bis zum 2. Mai im Lützower Bauamt aus. Trotz der verlängerten Öffnungszeiten für die Einsichtnahme gibt es hier Wartezeiten. "Der Andrang ist groß. Denn es liegt nur ein Exemplar vor", berichtet Margrit Eickhoff aus Neu Lübstorf. Die Mitarbeiter des Bauamtes seien aber sehr hilfsbereit und erläutern auf Nachfrage auch komplizierte Textpassagen in den Planungsunterlagen.

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