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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 11:05 Uhr

Schwerin : Wichernsaal wird wachgeküsst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Diakonisches Werk will Gebäude in der Apothekerstraße für rund drei Millionen Euro zum Begegnungszentrum umbauen

von
erstellt am 19.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Verlassen steht das Rednerpult auf der ehemaligen Bühne. Wer wohl zuletzt an dem Pult gesprochen hat? Staub bedeckt den Fußboden. In einer Ecke stapeln sich Bücher, in einer anderen Stühle. Der Wichernsaal. Einst war er Tagungsort für die Synode der Mecklenburgischen Landeskirche und Übungsraum für Musiker. Ein Platz, an dem gebetet, diskutiert und auch gefeiert wurde. Heute liegt der Saal im Dornröschenschlaf. Doch das wird sich ändern, der Saal wird aufgeweckt – wachgeküsst. Das Diakonische Werk plant ein Bildungs- und Begegnungszentrum. Gut zwei Millionen Euro stellt das Land für die notwendige Sanierung zur Verfügung.

Apothekerstraße 48, Foyer. Carsten Heinemann, Sprecher des Diakonischen Werkes, steht vor der Büste von Johann Hinrich Wichern, hält die Pläne für den Umbau des Saals in der Hand, der sich hinter dem Haus befindet. „Wichern war ein Zeitgenosse von Karl Marx“, sagt er. Doch während Marx die Proletarier aller Länder zur Weltrevolution aufgerufen habe, sei Wichern für Fürsorge und christliche Erneuerung im eigenen Land eingetreten, für „Innere Mission“. Von Anfang an habe der Saal mit Platz für immerhin 200 Gäste seinen Namen getragen.

Der Wichernsaal entstand Ende des 19. Jahrhunderts, als Veranstaltungsraum der Herberge „Zur Heimat“, in der heute das Diakonische Werk mit der Adresse Körnerstraße 7 seinen Sitz hat. So liegt der Saal in einem Innenhof zwischen Körner- und Apothekerstraße. Ein verstecktes Kleinod. „Besonders markant ist die filigrane Dachkonstruktion“, erklärt Diakonie-Sprecher Heinemann. Sie sei einer der Gründe dafür, warum das Gebäude unter Denkmalschutz stehe. In seinen besten Zeiten habe der Saal auch an der Seite eine Empore gehabt, erzählt Heinemann.

Insgesamt rund drei Millionen Euro soll die Sanierung des Wichernsaals kosten. Das Geld vom Land müsse also noch aus eigener Kraft aufgestockt werden, sagt der Diakonie-Sprecher. Durch die Förderung gäbe es aber nun Planungssicherheit: „Wir können das Projekt in Angriff nehmen.“ Nach den bereits vorliegenden Ideen solle eine Glasfassade vor die Fachwerk-Fassade im Hof gesetzt werden, aus statischen Gründen, aber auch um zusätzlichen Raum zu schaffen, erläutert Heinemann. Natürlich werde es auch einen barrierefreien Zugang geben.

Das Interesse am Wichernsaal sei groß, sagt der Diakonie-Sprecher. „Viele Menschen in Schwerin und darüber hinaus verbinden mit dem Ort schöne Erinnerungen.“ Voraussichtlich 2019 solle der alte Saal in neuem Glanz erstrahlen.

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