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Wohnungsgesellschaft Schwerin : WGS: Zwischen Abriss und Neubau

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Die Kundenwünsche über Jahre vorherzusehen wird immer schwieriger, sagt Guido Müller, Geschäftsführer der WGS. Das Problem: Während Schwerins Einwohnerzahl schrumpft, werden gleichzeitig neue Wohnungen gebaut.

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erstellt am 09.Mär.2012 | 08:54 Uhr

Schwerin | Wie möchte der durchschnittliche Schweriner künftig wohnen? Mit Holzfußboden, Balkon, vielen kleinen oder wenigen großen Zimmern? Will er eine Eigentumswohnung mit Seeblick, ein Häuschen mit Grundstück oder eine günstige Wohnung in der Platte? Die Kundenwünsche über Jahre vorherzusehen und richtig zu reagieren wird immer schwieriger, sagt Guido Müller, Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Schwerin (WGS). Das Problem: Während Schwerins Einwohnerzahl schrumpft, werden gleichzeitig neue Wohnungen gebaut. Die Konsequenz für die WGS heißt daher Abriss. "Bis 2020 wollen wir jährlich rund 150 Wohnungen zurückbauen und zwar vor allem in den Plattenbausiedlungen", sagt Müller. Dort ist die WGS Herrin über etwa 12 000 Wohnungen. "Wir haben zurzeit eher das Gegenteil von dem, was die Leute wünschen", sagt Müller. Heiß begehrt sei gerade stimmungsvoller Altbau in City-Nähe. Nur 1430 solcher Wohnungen sind in WGS-Hand.

Doch der Geschäftsführer von Schwerins größtem Wohnungsunternehmen lässt sich davon nicht schrecken: In den vergangenen 20 Jahren sei die WGS schon durch "schwerere Stürme gesegelt - und hat überlebt". Teure Asbestsanierungen, die Übernahme von Pleite-Firmen, Leerstand, Schulden und schließlich Verkaufsabsichten kurz vor der großen Finanzkrise. Proteste der Schweriner verhinderten den Handel in letzter Minute. Zum Glück.

"Sicher hätte uns ein Teilverkauf finanziell geholfen", sagt Müller. 280 Millionen Euro Verbindlichkeiten hat die WGS zurzeit. Hinterlassenschaften aus zum Teil abenteuerlichen Projekten in den 90er-Jahren und einer Überschätzung des Immobilienmarkts. Eine Summe, die keinen Spielraum mehr lässt für weitere Experimente. Guido Müller ist ein kühler Rechner, ein Geschäftsführer, der auf kleine Schritte und Erfolge setzt. Die Misserfolge der WGS redet er auch im 20. Jahr des Bestehens nicht schön: Schon mit der extrem aufwändigen Beseitigung von Asbest in mehreren tausend Lankower Plattenbauwohnungen verhob sich die damals junge WGS. Es folgten die Übernahme der "Schweriner Grund" mit der ehemaligen Bezirksparteischule - ein hoch verschuldetes Objekt. Dann sagte die WGS "Ja" zu einem maroden Gebäudepaket aus Stadthand - dazu gehörten das Haus der Kultur, Schloss Friedrichsthal oder die Hamburger Allee 120. "Wir hatten die Hoffnung, die Gebäude gut vermarkten zu können", sagt Müller. Ein Resultat: Das Haus der Kultur am Pfaffenteich ist vermietet und belebt - doch die Kosten für den Umbau kommen nicht rein. Schließlich verschlang auch die Vermarktung der Neuen Gartenstadt Millionen. Der Grund: schadstoffbelasteter Boden auf dem alten Kasernengelände und eine kostenintensive Entsorgung.

Doch die Erfolge sind nicht weniger beachtlich: "Wir haben als erste mit der Sanierung von Plattenbauten begonnen, wir haben 1998 als erste Hochhäuser abgerissen", sagt Müller. Insgesamt acht Zehnstöcker mit rund 400 Wohnungen an der Cottbuser, Pilaer und Engels-Straße fielen dem Bagger zum Opfer. Eine Sanierung hätte rund 2000 Mark pro Quadratmeter gekostet. "Bis heute haben wir 2000 Wohnungen mit mehr als 100 000 Quadratmeter Fläche abgerissen."

Auch beim Thema Neubau ist die WGS mittlerweile gut am Ball. Beispiel Ziegelinnensee: Das von ihr vermarktete Hafenquartier mit hochwertigen Eigentumswohnungen geht weg wie warme Semmeln. Auch das Eigenheimgebiet Wickendorf habe sich gut entwickelt, sagt Müller und blickt mit verhaltenem Optimismus in die Zukunft. Er selbst werde in 20 Jahren zwar in Rente sein, die WGS werde es dann aber immer noch geben - vielleicht ein bisschen kleiner. Dass sein Unternehmen von der Nestlé-Ansiedlung im größeren Stil profitieren werde, glaubt Müller indes nicht. "Unsere Wohnungen sind zwar perfekt für den klassischen Facharbeiter", sagt er. "Wir gehen aber davon aus, dass die Hälfte dieser Leute, die Nestlé braucht, ohnehin schon bei uns wohnt."

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