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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 02:30 Uhr

Schweriner suchen : Wer kennt Mariuse Amoudruz?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Familie und Freunde des einstigen französischen Kriegsgefangenen suchen seine Spuren und die seiner Tochter in Schwerin

von
erstellt am 08.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Der Franzose Mariuse Amoudruz war 1941 bis 45 Kriegsgefangener in Deutschland im so genannten Stammlager STALAG II A, Kommando 962, und arbeitete auf einem Hof bei Schwerin. Dort hatte er mit der Tochter der Bäuerin ein Kind. Vor einem Jahr berichteten wir darüber, dass dessen Familie nach weiteren Informationen sucht. Dabei hilft SVZ-Leserin Anja Fischer. Sie hat viel über die Vergangenheit herausgefunden und hofft auf weitere Unterstützung bei der Suche.

„Da ich selbst über den Verein Coeur sans frontières meinen französischen Großvater wiedergefunden habe, suche ich nun im Auftrag des Vereins weiter nach der Tochter des Franzosen“, sagt Anja Fischer. Sie erzählt zunächst ihre eigene Geschichte: Ihre Großmutter hatte in Ostpreußen gewohnt. Auf der Flucht wurden sie und ihr französischer Partner getrennt. Die Suche nach dem Krieg blieb erfolglos, alle nahmen an, dass er umgekommen sei. Doch als Anja Fischer vor einigen Jahren die Suche über den Verein Coeur sans frontières neu anschob, wurde sie fündig. „Ich bekam Kontakt zur Familie meines Großvaters, der damals allerdings schon gestorben war. Doch mit der Familie bin ich jetzt befreundet.“ Nun hoffe sie, dass auch die Suche der Tochter von Mariuse Amoudruz nach Vater und Halbschwester noch erfolgreich enden könnte.

„Unsere Hoffnung ist, dass wir durch eine Veröffentlichung den Besitzer des Bauernhofes oder Nachbarn ausfindig machen können, die anhand der Bilder erkennen, wo sich dieser Bauernhof befand“, sagt Georges Roume vom Verein Coeur sans frontières im Telefongespräch mit unserer Redaktion.

<p>Mit dieser Frau von einem Bauernhof bei Schwerin war Mariuse Amoudruz befreundet. </p>

Mit dieser Frau von einem Bauernhof bei Schwerin war Mariuse Amoudruz befreundet.

 

Anja Fischer hat unterdessen weitere Details und Fotos ausfindig gemacht, die bei der Suche helfen könnten. Die neuen Informationen sind, dass die Frau vom Bauernhof, die auf dem Pferd zu sehen ist, und mit der Mariuse Amoudruz ein Kind hatte, schon verheiratet war, und dass er große Angst vor der Rückkehr des Mannes hatte. Die Frau ihrerseits hatte Angst vor den Behörden, denn Beziehungen mit Kriegsgefangenen waren streng verboten. Das uneheliche Kind, das gesucht wird, ist eine Tochter, wusste Mariuse Amoudruz, und er habe versucht, nach dem Krieg Kontakt aufzunehmen, aber das sei ihm nicht gelungen, berichtet Anja Fischer. Seine später ehelich geborene Tochter, Frau Guffond, wünscht sich nun sehr, ihre Halbschwester zu finden.

„Bei meinen Recherchen habe ich schon verschiedene Kirchenbücher nach nichtehelichen Töchtern untersucht, aber da findet sich leider nirgends ein Hinweis auf den Vater. Aber da es so viele Dörfer gibt, die in Frage kommen, könnte ein Zeitungsartikel helfen“, so Anja Fischer. Sie findet das Thema noch unter anderen Gesichtspunkten wichtig, da es unzählige Soldatenkinder, vor allem von russischen Soldaten, gibt, die erst nach der Wende langsam angefangen haben, ihre eigene Geschichte zu erforschen und sich kaum trauen, darüber zu sprechen. Zum anderen sei die Geschichte des Stammlagers II E nur unzureichend erforscht. Ein weiteres Massenlager in Stern Buchholz, von dem in Russland schriftliche Belege aufgetaucht sind, sei auch noch nicht eindeutig gefunden worden. „Wir sind über jeden Hinweis dankbar, auch insgesamt über das Kommando 962. Denn selbst in den Archiven gibt es nur noch wenige Hinweise auf dieses Stammlager II E in Schwerin , fast alles ist verschollen“ berichtet Anja Fischer.

 

Wer etwas weiß, kann sich direkt bei ihr unter Telefon 0385/512237 oder 0157/56124848 melden.

 

 

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