Flüchtling in Schwerin : Wer bezahlt den Gentest?

Gentest: Wie auf diesem Symbolfoto erhofft sich der Vater des einjährigen Mädchens durch den teuren Test zusätzliche Informationen. Doch Mediziner zweifeln, dass dadurch eine Therapie geändert werden müsste.
Gentest: Wie auf diesem Symbolfoto erhofft sich der Vater des einjährigen Mädchens durch den teuren Test zusätzliche Informationen. Doch Mediziner zweifeln, dass dadurch eine Therapie geändert werden müsste.

Asylbewerber sorgt sich um seine kranke Tochter

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09. Juni 2017, 05:00 Uhr

Wie soll es weitergehen? Ruslan Ahmatov (Name von der Redaktion geändert) weiß es nicht. Der 34-Jährige ist verzweifelt. Seine ein Jahr alte Tochter leidet an einer Wunde am Kopf, die einfach nicht heilt, wurde schon mehrfach operiert. „Tierfellnaevus“ nennen die Ärzte die Krankheit. Und das kleine Mädchen hat noch ein anderes gesundheitliches Problem: Kaffeebraune Flecken auf der Haut deuten auf eine so genannte Neurofibromatose, eine genetische Erkrankung. Klarheit würde ein Gentest bringen. Aber wer soll den Test für das Flüchtlingskind bezahlen?

Im September 2015 kam Ahmatov mit seiner Familie, seiner Frau und den damals zwei Söhnen, aus der Kaukasus-Region nach Deutschland, suchte als Asylbewerber Schutz in der Bundesrepublik. Der Weg der Familie führte über Horst bei Boizenburg zunächst nach Neubrandenburg. Dort wurde auch die Frau von Ruslan Ahmatov, wie bei Asylbewerbern üblich, auf Tbc geröntgt und gegen verschiedene Krankheiten geimpft. Für Ahmatov ein entscheidender Punkt: Er sieht im Röntgen und Impfen eine mögliche Ursache für die Krankheiten seiner Tochter. „Meine Frau war damals bereits schwanger“, sagt der 34-Jährige. Sie habe sich aber nicht verständlich machen können. „Es gab vor Ort keinen Dolmetscher“, so Ahmatov.

Im Juni vergangenen Jahres kam die Tochter in Parchim zur Welt. Mittlerweile lebt die Familie in Schwerin. Das kleine Mädchen wird im Klinikum ambulant versorgt. „Die Tochter von Herrn Ahmatov bekommt die Behandlung, die sie braucht“, betont die Schweriner Amtsärztin Renate Kubbutat. Eine genetische Untersuchung sei aus medizinischer Sicht nicht notwendig, weil die Neurofibromatose aufgrund der Hauterscheinungen klar diagnostiziert sei und ein Gentest auch bei einer Bestätigung der Erkrankung keine weiteren therapeutischen Konsequenzen hätte. Bei der Krankheitsvariante Morbus Recklinghausen Typ 1, wie sie das Mädchen habe, könnten sich im späteren Verlauf Verdickungen unter der Haut bilden, die dann operativ entfernt werden müssten, so Kubbutat.

Die Amtsärztin nennt aber auch noch einen anderen Grund, warum aus der Staatskasse vorerst kein Geld für einen Gentest fließen soll: Nach Paragraf 4 Asylbewerberleistungsgesetz würden in den ersten 15 Monaten des Aufenthaltes in Deutschland nur medizinische Maßnahmen erstattet, die der Schmerzlinderung und der Abwehr lebensbedrohlicher Erkrankungen dienten, dabei gehe die Kommune in Vorkasse, hole sich dann das Geld vom Land zurück.

Bleibt die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Röntgen und Impfen der Frau und der genetischen Erkrankung der Tochter von Ruslan Ahmatov gibt. Eben weil es sich um eine Gen-Krankheit handele, sei ein Zusammenhang wissenschaftlich eher unwahrscheinlich, heißt es aus Mediziner-Kreisen. Etwa 2000 Euro würde eine genetische Untersuchung kosten, sagt Ruslan Ahmatov. Er will nicht locker lassen. „Es geht mir nicht um Streit, sondern um die Gesundheit meiner Tochter“, sagt er.

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