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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 23:00 Uhr

Nur noch ein Katalog : Wer am Tourismus mitverdient

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gemeinsamer Urlaubskatalog von Stadt und Region: Vermieter beschwert sich über hohe Kosten für ein Inserat

von
erstellt am 22.Feb.2015 | 21:30 Uhr

Natur und Kultur, Hotels und Restaurants, mehr als 300 Angebote auf 128 Seiten – der erste gemeinsame Urlaubskatalog von der Schweriner Stadtmarketing-Gesellschaft und dem Tourismusverband Mecklenburg-Schwerin ist eine Premiere in der Reisebranche des Landes. Er soll die Aufmerksamkeit für die Region erhöhen. „Und die ersten Reaktionen sind auch überwiegend positiv“, sagt Stadtmarketing-Chefin Martina Müller.

Bei den Tourismusmessen in Berlin, Stuttgart und anderswo seien die neuen Kataloge schon weggegangen wie warme Semmeln, berichtet Müller. Gelobt würden unter anderem die Gestaltung, die inhaltliche Aufbereitung und die Vielfalt der Angebote. Es gäbe aber auch kritische Hinweise, etwa zur Farbgestaltung und Übersichtlichkeit des Katalogs, räumt die Geschäftsführerin ein.

Einen kritischen Hinweis hat auch Armin Fischer (Name von der Redaktion geändert). Der Vermieter aus dem Schweriner Umland fühlt sich – um es kurz zu sagen – von den Tourismusvermarktern gemolken. Rund 340 Euro, inklusive Mehrwertsteuer, koste der billigste Eintrag mit Bild im Katalog. „Sollte der Vermieter auch das Reservierungssystem der Tourist-Information der Stadt nutzen, so zahlt er hierfür eine weitere Gebühr von 119 Euro jährlich“, rechnet Fischer vor. Bevor er nur einen einzigen Euro eingenommen habe, seien dem Vermieter so schon 460 Euro aus der Tasche gezogen worden. Von jeder Einnahme durch Vermietung und weitere zugebuchte Leistungen würden dann noch einmal 13 Prozent plus Mehrwertsteuer abkassiert. Fischers Fazit: „Für viele Vermieter lohnt sich die Vermietung also gar nicht.“

Martina Müller bestätigt die genannten Preise für ein Inserat, macht aber eine andere Rechnung auf. Für den neuen gemeinsamen Katalog mit dem Tourismusverband habe die Stadtmarketing-Gesellschaft ihre bisher gültigen Preise reduziert und denen des Verbandes angeglichen. „Viele Gastgeber profitieren davon, zumal sie nun auch nur noch in einem Katalog inserieren müssen“, so die Stadtmarketing-Chefin. Freilich: Werbung koste Geld. 60 000 Kataloge könnten nicht zum Nulltarif an den Mann oder die Frau gebracht werden. „Es fallen Portokosten an, es müssen Messen besucht werden und vieles mehr“, so Müller.

Rückendeckung bekommt die Geschäftsführerin von Jana Maiwirth, Chefin des Hotels Arte und stellvertretende Regionalvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Schwerin. „Der gemeinsame Katalog von Stadtmarketing und Tourismusverband hat eine viel größere Reichweite als die beiden bisherigen Einzelkataloge“, so Maiwirth. Gerade auch kleineren Anbietern, die sonst über keine eigene Werbeplattform verfügten, biete er die Möglichkeit der Präsentation. Jeder Vermieter müsse sich allerdings selbst ausrechnen, ob sich ein Inserat im Katalog für ihn auszahle oder nicht, erklärt die stellvertretende Dehoga-Regionalvorsitzende. Die Preise lägen jedenfalls im Limit.

Dass die Stadt am Tourismus mitverdienen will, wird für Jana Maiwirth an einer anderen Stelle deutlich. „Bettensteuer“ lautet das Stichwort. Welche Auswirkungen die im vergangenen Jahr eingeführte Abgabe tatsächlich auf die Gästezahlen habe, werde sich erst in dieser Saison zeigen, so die Vize-Regionalvorsitzende der Dehoga. Schon bisher sei aber zumindest der bürokratische Aufwand erheblich.

100 000 Euro hat Schwerin nach Angaben von Stadtsprecherin Michaela Christen im vorigen Jahr durch die Bettensteuer eingenommen. In diesem Jahr sollen es etwa 350 000 Euro sein. Konsequente Tourismuswerbung macht sich so für die Stadt bezahlt. Bei der Vorstellung des gemeinsamen Kataloges von Stadtmarketing und Tourismusverband im Januar, sprach Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow auch von einer „total glücklichen Stunde“.

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