Bauen in Schwerin : Wenn Regen zum Zankapfel wird

Eine Mauer sichert das Grundstück, damit die Nachbarn nicht beeinträchtigt werden. Der Hauskäufer lässt sie auf eigene Kosten errichten. Seine Kritik: Das hätte schon der Bauherr machen können.
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Eine Mauer sichert das Grundstück, damit die Nachbarn nicht beeinträchtigt werden. Der Hauskäufer lässt sie auf eigene Kosten errichten. Seine Kritik: Das hätte schon der Bauherr machen können.

Hinterhofbebauung in der Schelfstraße sorgt auch nach dem Bezug für Ärger, weil Wasser zu Nachbargrundstücken fließt

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09. Mai 2017, 23:46 Uhr

Zwei der vier Stadthäuser in der Schelfstraße 35 sind bezogen, zwei kann man noch für jeweils knapp eine halbe Million Euro kaufen. Gelegen in dritter Reihe, umrahmt von grünen Grundstücken der Röntgen- und Mühlenstraße. Seit der Planung vor drei Jahren gab es Streit. Doch da keine „rechtsgültigen Einwände“ vorgelegt wurden, hatte die Stadt den Bau genehmigt. Er sei weder zu massiv, noch stehe er zu nah an einer Grundstücksgrenze, als dass die Nachbarn befragt werden müssten. Vor Gericht zogen die Anwohner letztlich nicht.

Jetzt gibt es erneut Ärger. Denn nach Angaben mehrerer Anlieger ist nach längeren Regenfällen Wasser vom Neubaugrundstück in ihre Grundstücke geflossen – so viel, dass eine Böschung weggespült und eine Werkstattwand durchfeuchtet sein soll. Die alteingesessenen Nachbarn können Fotos der Schäden vorlegen.

Der Grund für den Wasserfluss ist naheliegend: Der Investor, die Alexandrinen Projektentwicklungs GmbH, hat das ehemals abschüssige Areal aufgeschüttet. Jetzt ist es gerade, aber eben auch höher als die angrenzenden Grundstücke.

Das sei nicht zu kritisieren, sagt Anja Scheidung, bei der städtischen Bauverwaltung für Bauordnung zuständig. Aber: „Laut Wasserhaushaltsgesetz muss Regenwasser auf dem jeweiligen Grundstück versickern.“ Und genau das ist offensichtlich nicht passiert.

Für den Investor ist das nicht nachvollziehbar. Das Regenwasser werde vom Dach per Regenrinne dem Mischwasserkanal zugeführt, für den übrigen Regen sei eine so genannte Rigole verlegt worden, sagt Andreas Mägerlein von der Alexandrinen Projektentwicklung auf SVZ-Anfrage. Eine Rigole ist ein unterirdischer Pufferspeicher, um eingeleitetes Regenwasser aufzunehmen und zu versickern. „Wir haben ein ordentliches Abnahmeprotokoll der Unteren Wasserbehörde.“

Anwohner berichten dagegen, dass Drainage-Rohre unangeschlossen im Erdreich gelegen hätten, wodurch das Wasser nicht versickert, sondern auf die Nachbargrundstücke geflossen sei. Auf eigene Kosten lasse einer der Neubaukäufer deshalb jetzt eine Mauer bauen, um das Regenwasser auch bei starkem Niederschlag auf seinem neu erworbenen Grundstück zu halten. Den Vorwurf des Investors, erst er habe die ordnungsgemäße Entwässerung durch den Mauerbau zerstört, nennt er absurd. „Wir bauen die Mauer, um das Grundstück zu sichern. Das war vorher nicht so.“

Auch in der Bauaufsicht sieht man das Wasserproblem inzwischen differenzierter. Es gäbe Hinweise, dass die Rigole nicht gebaut wurde, so Anja Scheidung auf Nachfrage. „Wir werden vor Ort mit dem Bauherrn nach Lösungen suchen.“ Auch die städtische Wasserbehörde ist involviert: Bis Sommer werde es regelmäßige Vor-Ort-Kontrollen geben, verspricht Sven Laskowski den Nachbar. „Sollten anfallende Niederschlagsmengen nicht schadlos abgeführt werden können, sind durch Herrn Mägerlein entsprechende bauliche Maßnahmen unverzüglich umzusetzen.“

Wäre der Ärger nicht vermeidbar gewesen, wenn die Stadt vorher die Einhaltung der Baugenehmigung kontrolliert hätte? „Eine Abnahme ist nur für Standsicherheit und Brandschutz vorgesehen“, sagt Baudezernent Bernd Nottebaum. „Mehr könnte die Verwaltung personell auch gar nicht leisten.“

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