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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 14:15 Uhr

Vögel in Schwerin : Wenn Krähen kreischend kreisen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Weststädter besorgt über große Kolonien der Rabenvögel – Naturschützer geben Entwarnung

von
erstellt am 03.Feb.2017 | 21:00 Uhr

Riesige Krähenschwärme machen Bewohnern der Weststadt fast schon ein bisschen Angst. Eine Leserin klagte am heißen Draht, dass es zurzeit in der Landeshauptstadt bestimmt zu viele dieser schwarzen Vögel gäbe und fragt, ob es nicht sinnvoll sein, sie zum Abschuss freizugeben. Ihr Argument: Sie „stehlen“ das Futter, das besorgte Menschen in den Garten legen, um Singvögel zu füttern. Egal ob Meisenknödel oder Äpfel – die schlauen Rabenvögel holen sich alles weg, die kleineren Artgenossen hätten das Nachsehen – und Hunger. Außerdem glaubt die Leserin, dass Krähen Krankheiten übertragen. SVZ fragte bei Experten in Schwerin nach. Gibt es wirklich eine gefährliche Krähen-Überpopulation in der Landeshauptstadt?

„Saatkrähen halten sich jetzt vermehrt im Bereich größerer Städte auf, weil ein entsprechendes Angebot an Nahrung besteht, an dem sich die Rabenvögel auf einfache Weise bedienen können“, sagt Harald Fuchs vom städtischen Umweltamt. „Man spricht in diesen Fällen von sogenannten Überwinterungsgesellschaften. Neben dem gezielten Füttern durch den Menschen ist im städtischen Bereich ein vielseitiges Angebot an verwertbaren Nahrungsresten ursächlich.“ Das sind zum Beispiel arglos weggeworfenen Nahrungsmittel, Abfälle, aber auch „Verkehrsopfer“ wie Kleinvögeln und andere Kleinlebewesen, die von den Aasfressern natürlicherweise weggeräumt werden. „Das künstliche Angebot führt im Winter zu größeren Ansammlungen im Bereich von Städten, spiegelt aber auf keinen Fall wieder, dass sich Rabenvögel in den letzten Jahren besonders vermehrt hätten“, sagt Fuchs. „Das Gegenteil ist der Fall: Die Brutkolonien in Deutschland sind rückläufig. In unseren Breiten gesellen sich zu unseren heimischen Rabenvögeln im Winter auch Zugvögel aus kälteren Ländern hinzu. Bemerkenswert ist, dass in diesem Winter in Schwerin auch zahlreiche Dohlen zu beobachten sind. Als problematisch ist diese Situation keinesfalls zu beurteilen.“

Ornithologe Ulf Bähker vom Naturschutzbund hat ein Faible für die schwarzen großen Singvögel: „Krähen sind ausgesprochen clevere und soziale Tiere. In Versuchen haben Forscher herausgefunden, dass sie sogar fähig sind, sich im Spiegel zu erkennen. Das können neben dem Menschen nur wenige hochentwickelte Tiere, wie zum Beispiel Menschenaffen.“ Krähen in freier Wildbahn zu beobachten, sei ausgesprochen spannend. „Sie tun dem Menschen nichts und sind als Aasfresser eine Art Gesundheitspolizei der Natur.“ Was viele nicht wüssten: In den 50er-Jahren habe es in Mecklenburg-Vorpommern etwa 50 000 Saatkrähen gegeben, heute seien es weniger als 3000. Die vielen Artgenossen, die im Moment hier zu beobachten sind, kämen als Wintergäste aus Osteuropa und würden sich bei wärmeren Temperaturen wieder in ihre Heimat verabschieden. Wer mehr über diese Tiere erfahren möchte, kann das in der Ausstellung „Rabenvögel – gefiederte Intelligenz“ in der Naturschutzstation in Zippendorf, dienstags bis sonnabends von 10 bis 16 Uhr. „Und wir stehen für Fragen gern zur Verfügung“, sagt Bähker.


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