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Aussterbende Berufe in Schwerin : Wenn die Trauer den Alltag bestimmt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Handwerksbetrieben fehlt der Nachwuchs: „Mentale Stärke und ein großes Herz sind wichtiger als ein gutes Zeugnis“, sagt Bestatterin Grit Hennig

svz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Die Arbeitswelt ist im Wandel – nicht nur in der Landeshauptstadt. Viele Handwerksberufe kämpfen ums Überleben, oft gibt es für ihre Produkte keinen Markt mehr. Aber auch technologische Innovationen und andere Entwicklungen verdrängen bestimmte Berufe aus unserem Leben, wenn kein Nachwuchs mehr gefunden wird. Grit Hennig erzählt heute aus dem Alltag eines Bestattungsunternehmens.

Wie in vielen anderen Ausbildungsberufen gibt es auch bei Bestattern Nachwuchsprobleme. „Viele junge Menschen kommen zu uns, weil sie im Fernsehen amerikanische Krimi-Serien gesehen haben und ,das‘ auch machen möchten“, erklärt Hennig. Die Bestatterin frage dann nach den Gründen und erzähle von den Schattenseiten des Berufs: Suizid-Leichen auf Bahngleisen oder stark verweste Körper in Wohnungen. „Wir haben oft mit Schicksalen zu tun, die unter die Haut gehen. Die vergisst man nicht nach Feierabend“, so die Schwerinerin. Mentale Stärke und ein großes Herz seien wichtiger als ein gutes Zeugnis. Ein weiterer Wermutstropfen: die Berufsschule ist in Bad Kissingen.

„Erfolgserlebnisse im eigentlichen Sinn gibt es bei uns nicht“, sagt Grit Hennig. „Ein kleines Dankeschön ist für uns schon ein großes Lob.“ Die 54-Jährige arbeitet zusammen mit ihrem Mann Andreas Hennig, dem Inhaber des gleichnamigen Familienunternehmens in der Goethestraße, und ihrer Tochter . Ihr Alltag ist das, was für andere Menschen besonders ist: Der Tod. Das sei nie einfach – aber eine entsprechende Vorbereitung helfe, im Fall der Fälle gefasst mit der Situation umzugehen, so Hennig. „Mit einer entsprechenden Vorsorge können Menschen bestimmen, auf welche Weise sie bestattet werden und wie die Trauerfeier ablaufen soll“, erläutert die Bestatterin. Irgendwann soll Hennigs Tochter Christine Jagels das Geschäft übernehmen, mit dem gleichen Ziel wie ihre Mutter: Betroffenen Zuversicht geben, dass das Leben trotz aller Trauer weiter lebenswert ist.


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