Pflege in Schwerin : Wenn die Rente nicht für das Heim reicht

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Stadt unterstützt Pflegebedürftige, die mit ihrem Einkommen nicht auskommen

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19. Januar 2018, 05:00 Uhr

Was tun, wenn die Rente nicht reicht, um den Heimplatz zu bezahlen? Nach den jüngsten Preiserhöhungen in mehreren Schweriner Pflegeheimen (SVZ berichtete) stellt sich für so manchen Bewohner diese bange Frage. Rat finden Betroffene unter anderem beim Pflegestützpunkt im Stadthaus. Die Mitarbeiterinnen helfen auch dabei, die entsprechenden Anträge auf finanzielle Unterstützung auszufüllen.

Als Träger der Sozialhilfe springe die Stadt ein, wenn die eigenen Einkünfte und die Leistungen der Pflegekasse für einen Platz im Heim nicht reichten, sagt Barbara Diessner, Leiterin des Fachdienstes Soziales bei der Stadt. „Wir sprechen hier über einen Rechtsanspruch.“ Diessner bestärkt Betroffene, ihre Ansprüche geltend zu machen, freilich müssten sie dann auch ihre Vermögensverhältnisse offenlegen.

Informieren über die Veränderungen bei der Pflegeversicherung: Karen Trojan und Bettina Wahl vom Pflegestützpunkt sowie Fachdienstleiterin Barbara Diessner (v.l.).
Klawitter
Informieren über die Veränderungen bei der Pflegeversicherung: Karen Trojan und Bettina Wahl vom Pflegestützpunkt sowie Fachdienstleiterin Barbara Diessner (v.l.).
 

Pflegestärkungsgesetz, Änderungen im Landesrahmenvertrag für die Pflege, neues Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, Mindestlohn – mit diesen Stichworten hat Geschäftsführer Frank-Holger Blümel gerade erst begründet, warum etwa die Unterbringung in den Sozius-Heimen in der Stadt teurer geworden ist. So würden alle Beschäftigten von Sozius, immerhin größter Träger in der Stadt, nun grundsätzlich nach Tarif bezahlt, außerdem seien die Personalschlüssel angehoben worden. Hinzu kämen die höheren Kosten in fast allen Bereichen des täglichen Lebens, wie Wasser, Strom oder Lebensmittel. Sozius drehe aber nicht einfach so an der Preisschraube, so der Geschäftsführer. Die neuen Entgelte für die Bewohner seien mit den Pflegekassen und dem Träger der Sozialhilfe vereinbart worden.

Tatsächlich werden die Entgelte für einen Heimplatz in regelmäßigen Abständen für jede Einrichtung auch in Schwerin neu verhandelt. Nach Angaben der AOK hat sich der Eigenanteil, den Bewohner in stationären Einrichtungen in der Landeshauptstadt für die reine Pflege zahlen, im Laufe des vergangenen Jahres im Durchschnitt um 75 Euro im Monat erhöht.

Befürchtungen, dass durch die seit 2017 veränderte Gesetzeslage und die damit einhergehenden Kostensteigerungen immer mehr Bewohner auf Geld von der Kommune angewiesen sein könnten, weist Barbara Diessner zurück. 2017 habe die Stadt im Monatsdurchschnitt 369 Frauen und Männern Hilfe zur Pflege in Einrichtungen gezahlt, ein Jahr zuvor seien es 374 gewesen, fünf mehr. Zum Vergleich: Im Angebotsverzeichnis der Stadt sind aktuell 15 stationärer Einrichtungen in Schwerin vermerkt, die insgesamt 1512 Plätze und 61 Kurzzeitpflegeplätze bereithalten.

In einem Bericht der Verwaltung zur Dezember-Sitzung der Stadtvertreter heißt es: Die finanziellen Auswirkungen der Pflegestärkungsgesetze II und III ließen sich nach knapp einjähriger Praxis noch nicht abschätzen, „da noch kein belastbares Gesamtbild vorliegt“. Durch die Überleitung von Pflegestufen in Pflegegrade habe sich vorerst aber die Zahl der Pflegebedürftigen aus dem stationären Bereich reduziert, die die Stadt um Hilfe gebeten hätten. Grund: Die Betroffenen, so die Interpretation der Verwaltung, bekämen mehr Leistungen von den Pflegekassen. „Sukzessive steigen die Fallzahlen jedoch aufgrund höherer Pflegesätze und der Neuregelung der Vermögensfreigrenzen wieder an“, heißt es im Bericht.

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