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Zeitung für die Landeshauptstadt

13. Dezember 2017 | 00:40 Uhr

Wissenschaft : Wenn die Herren älter werden

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wissenschaftler: Mit dem Beginn des Rentenalters brauchen Männer mehr als Frauen ihre „Tagesdosis Bedeutung für andere“

von
erstellt am 27.Sep.2014 | 16:00 Uhr

Früher wurden vor allem Frauen alt. Heute holen die Männer in der Lebenserwartung kräftig auf. „Das stellt die Gesellschaft vor neue Herausforderungen“, macht der Sozialwissenschaftler und Diplom-Pädagoge Prof. Eckart Hammer deutlich. Und das betreffe nicht nur den Lebensalltag, betonte er auf Einladung der Nordkirche in Zusammenarbeit mit dem Augustenstift und dem Zentrum Demenz auf dem Männerforum, das sich mit dem Thema Älterwerden beschäftigte. Auch in den Pflegeeinrichtungen steige der Männeranteil. „Männer brauchen Männer“, so die Aussage von Prof. Hammer, die er gleichzeitig als Aufruf für mehr Männer in der Pflege verstanden wissen will. Hier seien auch die Ausbildungsunternehmen gefordert.

Doch auch Männer, die noch selbstständig im Alltag agieren, bräuchten „nach dem Renteneintritt dringend eine erfüllende Aufgabe“, sagt der Sozialwissenschaftler. „Damit meine ich nicht, sich um den Garten zu kümmern. Auch das wird irgendwann langweilig“, so Hammer. Wenn der Mann in Rente geht und dann jeden Tag zu Hause ist, könnten durchaus auch Eheprobleme entstehen. „Frauen haben oft schon ein ausgebautes soziales Netzwerk, bei Männern hingegen stand bis zu dem Zeitpunkt jahrelang die Arbeit an erster Stelle“, sagte Hammer. Da Männer früher durch Kriege und Arbeitsbelastungen nicht das Alter ihrer Frauen erreichten, müsse man sich heute mit einer ganz „neuen“ Generation älter werdender Männer beschäftigen. Das so genannte „Dritte Alter“ stelle viele Männer und Ehepaare vor Herausforderungen: Ihr Arbeitsleben ist vorüber, die Kinder erwachsen. Was tun mit der gewonnenen Zeit? Hier rät der Experte: „Gerade Männer brauchen Projekte. Sie sollten sich die Frage stellen: Was kann ich tun, für mich und andere?“ Dabei zahle sich ehrenamtliches Engagement häufig aus, in vielerlei Hinsicht. „Jeder Mensch braucht eine Tagesdosis an Bedeutung für andere. Im Ehrenamt wird dies vereint: Hier kann anderen geholfen und die eigene Bedeutung gestärkt werden“, erklärte Hammer.

Wer sich ehrenamtlich engagieren möchte, hat viele Möglichkeiten: Ob in der Kinderbetreuung, im Kultur- oder Sportverein oder in der Nachbarschaft – für jeden ist etwas dabei. So nehmen beispielsweise die „Grünen Damen und Herren“ der Arbeitsgemeinschaft Evangelische Krankenhaus-Hilfe, die auch im Augustenstift anzutreffen sind, gerne neue Mitglieder auf. Wer sich für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen engagieren möchte, für den bietet das Zentrum Demenz ab dem 30. Januar 2015 einen Ehrenamtskurs an. Die Teilnehmer werden dort im Umgang mit Demenzerkrankten geschult und können später stundenweise die Betreuung übernehmen, um Angehörige zu entlasten. Interessierte erhalten Informationen im Zentrum unter der Telefonnummer 0385-52133818.

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