Schwerin : Wenn die Feuerwehr nichts zu löschen hat

Brandgeruch, Einsatzkräfte vor Ort, aber kein Feuer: Im August zog die Lüftungsanlage des Plaza-Hotels Rauch ein.
Brandgeruch, Einsatzkräfte vor Ort, aber kein Feuer: Im August zog die Lüftungsanlage des Plaza-Hotels Rauch ein.

Berufsfeuerwehr rückt bei großen Gebäuden häufig zu Fehlalarmen aus

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13. November 2020, 11:31 Uhr

Schwerin | Das Martinshorn ist schon von Weitem zu hören. Dann ist auch das Blaulicht zu sehen. Die großen roten Fahrzeuge der Berufsfeuerwehr Schwerin fahren den kleinen Hügel der Gutenbergstraße hoch. Vor dem Gebäude der SVZ bleiben sie stehen. Türen knallen. Brandschützer machen sich für den Einsatz im Mehrgeschosser bereit. Doch nach nur zehn Minuten schlurfen sie zurück zu ihren Fahrzeugen. Es gab zwar einen automatischen Alarm, aber kein Feuer. Fehlalarme wie diesen, gibt es in der Landeshauptstadt regelmäßig. Für die Feuerwehr sind sie Routine und Ernstfall zugleich.

96 Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen

116 Mal hat im vergangenen Jahr eine automatische Brandmeldeanlage, wie sie in jedem größeren Hotel oder Unternehmen zu finden ist, Alarm geschlagen. Auch in diesem Jahr ist der Löschzug der Berufsfeuerwehr bis Ende Juli bereits 76 Mal ausgerückt. Doch zu löschen gab es für die Brandschützer fast nie etwas. Von den 116 Einsätzen im Jahr 2019 waren 96 Fehlalarme. Gründe dafür gibt es viele, sagt Dr. Stephan Jakobi, der Leiter der Schweriner Berufsfeuerwehr. „Ein technischer Defekt in einem der Rauchmelder, Bauarbeiten oder auch ein vorbeigehender Raucher können die Brandanlagen auslösen“, sagt Jakobi.

Bei Bauarbeiten gebe es häufig das Problem, dass die entsprechenden Anlagen nicht aus dem System genommen würden. Baustaub gelangt dann an den Rauchmelder, der diesen missinterpretiert und Alarm schlägt. Die Feuerwehr rückt aus, kontrolliert den entsprechenden Bereich und findet in der Regel in solchen Fällen nichts. „Auch das gehört zu unserer Arbeit“, sagt Sprecher Alexander Schulz.

Viele Einsätze in kurzer Zeit

Auch ein Fehler in der eigentlichen Anlage kann zu einem falschen Alarm führen. In solchen Fällen rückt die Berufsfeuerwehr in der Regel in kurzer Zeit häufiger aus. Immer wieder kann dann für das gleiche Objekt ein automatischer Alarm ausgelöst werden. Und obwohl allen Brandschützern dann fast klar ist, dass es ein weiterer Fehlalarm sein wird, bleiben die Feuerwehrleute wachsam.

Wir erwarten immer den Ernstfall. Dr. Stephan Jakobi


Vor allem bei Brandmeldeanlagen ist die Anspannung in den Feuerwehrfahrzeugen fast spürbar. Da diese Anlagen nur in größeren Gebäuden zum Einsatz kommen, sei die Erwartung immer eine ganz andere, als beispielsweise bei Hausrauchmeldern, so Jakobi. „Es handelt sich in diesen Fällen immer um ein komplexes Objekt mit oft vielen Personen, die dort arbeiten und im Zweifel evakuiert oder gerettet werden müssten.“

Ein Vorteil der automatischen Brandmeldeanlagen sei jedoch, dass diese immer einen Entstehungsbrand melden. Das Feuer ist also noch nicht besonders groß und könnte, sofern es denn tatsächlich brennt, schnell und mit einfachen Mitteln gelöscht werden. Wichtig ist dabei aber, dass die Brandschützer über die Hausanlagen auch nachvollziehen können, welcher Melder ausgelöst hat. Leider komme es immer wieder dazu, dass Hausverantwortliche den Alarm bereits abstellen, da sie vermuten oder sich sicher sind, dass es kein Feuer gibt. Für die Feuerwehr ist es dann schwierig, den exakten Rauchmelder zu identifizieren und tatsächlich Entwarnung zu geben. „Das kostet nicht nur Zeit, das kann im schlimmsten Fall richtig gefährlich werden“, so Jakobi.

Einsatz wird minutengenau abgerechnet

Doch was kostet es überhaupt, wenn die Feuerwehr immer wieder ausrückt, ohne einen Brand zu finden? Geregelt wird das in der Feuerwehrkostensatzung der Landeshauptstadt Schwerin. Doch einen Festbetrag gibt es nicht. „Die Kosten sind abhängig vom eingesetzten Personal und Material. Und dann auch von der Dauer des Einsatzes“, sagt Alexander Schulz. Denn der werde minutengenau abgerechnet. So kommen für die Betreiber der Anlagen schnell hohe Summen zusammen.

Ulrich Gursinski hat als Betreiber der Jugendherberge bei der Stadt einen vierstelligen Betrag offen. Mehrmals sei die Feuerwehr bei ihm gewesen. Nur zu löschen gab es nichts. 700 bis 900 Euro müsse er pro Einsatz zahlen. Zu viel, für die kleine Jugendherberge. „Gemessen an unserem Umsatz sind die Kosten einfach überproportional hoch“, sagt Gursinski. Dass die Feuerwehr komme, sei richtig. Immerhin gehe es im Zweifelsfall um Menschenleben. Aber das Geld, das er jetzt für die Fehlalarme ausgeben müsse, fehle an anderen Stellen. Viel lieber würde er für die Kinder neue Spielgeräte anschaffen. Mit den ausstehenden Kosten sei das schwer möglich.

Für uns sind Fehlalarme ein ernstes Problem. Ulrich Gursinski


Viel Spielraum habe die Stadt jedoch nicht, so Jakobi. Allerdings fügt der Schweriner Feuerwehr-Chef hinzu: „Wenn sich einzelne Schuldner melden und gesonderte Bedingung zur Zahlung wünschen, versuchen wir in der Regel im Gespräch Lösungen zu suchen.“ Auf die öffentlich-rechtlichen Forderungen verzichten könne die Stadt jedoch nicht einfach, da sonst die anderen Steuerzahler dafür aufkommen müssten.

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