Auf dem Schweriner See : Wenn der Fischer morgens läutet

<p>An sonnigen Tagen liebt er seinen Beruf ganz besonders. </p>
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An sonnigen Tagen liebt er seinen Beruf ganz besonders.

Martino Blödorn versorgt die Mecklenburger und im Sommer auch viele Urlauber mit frischem Fisch aus dem Schweriner See

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02. August 2016, 05:00 Uhr

Hoch am Himmel ziehen die Möwen ihre Kreise, ein Fischreiher wartet am Paulsdamm-Ufer auf fette Beute und in der Ferne tuckert der Motor des Fischerboots. Es kommt näher. Die kleinen Wellen werden größer, aber noch immer spiegelt sich das gleißende Sonnenlicht auf der Wasseroberfläche. Die Brücke über den Paulsdamm ist die erste Station von Martino Blödorn. An sechs Tagen in der Woche fährt er mit dem Kahn der Schweriner Seenfischerei vom Anleger in der Bornhövedstraße aus raus auf den See. Stundenlang kontrolliert und leert er die Reusen. In den Sommermonaten steuert Martino Blödorn an den Sonnabenden zudem die Campingplätze am Schweriner Außensee an. „Früher haben wir gefischt, abgeliefert und wieder gefischt. Heute musst du dir was einfallen lassen. Dich und deine Arbeit vermarkten“, erzählt der 55-Jährige. So gibt es von Montag bis Sonnabend neben dem frischen Fisch auch noch Räucherware und Fisch in Aspik direkt in der Fischerei in der Bornhövedstraße. Am Sonnabend liefert der Fischer zudem frei Haus. „Das hat schon was von Urlaubsromantik, wenn wir an den Stegen am Zeltplatz anlegen“, sagt er. Immer sonnabends macht er Station in Retgendorf, Flessenow, Lübstorf und Seehof. „Oft kommt einer meiner Brüder mit, dann ist es nicht so einsam“, sagt Blödorn mit einem Augenzwinkern. Sein Wecker klingelt um 5.30 Uhr. 6 Uhr ist Dienstbeginn für die acht Mitarbeiter der Schweriner Seenfischerei. Für Martino Blödorn und seine Kollegen Alltag. „Schön ist es, wenn das Wetter stimmt. So wie heute“, sagt er und schaut gen Himmel. Nur kleine Wolkenfetzen unterbrechen das leuchtende Blau. „So schön ist es nur selten. Wir fahren auch raus, wenn es bitterkalt ist, es regnet, der Wind ins Gesicht schneidet“, sagt er und gesteht, dass es in diesen Momenten nicht ganz einfach sei, Fischer zu sein. „Aber wir sind Idealisten“, sagt er und lacht.

Doch wenn ihm Menschen begegnen, die seinen Job wertschätzen, dann sei alles gut. Diese trifft er nicht selten auf den Campingplätzen.

Das Ufer von Retgendorf ist in Sichtweite, schnell wird am Steg festgemacht. Blödorn nimmt die Glocke in die Hand: dreimal wird geschlagen. Dann kommen sie aus den Zelten und Wohnwagen: die Urlauber. Einige sind Stammgäste, wie Thea Bauer aus Bielefeld. „Der Fisch ist fangfrisch, auch die Räucherware ist mit anderen nicht zu vergleichen. Es schmeckt alles“, sagt sie und entscheidet sich diesmal unter anderem für frischen Barsch. Der tummelt sich mit Aalen, Zander und Hecht im im Wasserbecken. „Wir kaufen auch zu. Beispielsweise Forelle, die haben wir hier nicht – das wollen die Leute aber auch mal essen. Ebenso wie Lachs. Nur Regionales verkaufen – davon kann man nicht leben“, sagt Martino Blödorn. Traurig, aber er habe sich daran gewöhnt.

Mit einem will er sich jedoch nicht so recht abfinden: Ein Fischer sei heute nichts mehr wert, habe keine Lobby. „Wir gehören zu den aussterbenden Berufen“, sagt er mit traurigem Unterton. Es schmerzt ihn, auch wenn Martino Blödorn es nicht so recht zugeben will. Immerhin war Fischer sein Traumberuf. Seinen Söhnen hat er abgeraten, in seine Fußstapfen zu treten. „Fischer, das ist eine schöne, ehrliche Arbeit. Ich bin viel an der frischen Luft und auf dem Wasser“, erzählt der Fischer. Er brauche kein Fitnessstudio. „Ich arbeite in der Natur – kann es etwas Schöneres geben?“ Blödorn beantwortet die Frage natürlich selbst: „Nein!“ Doch eine Perspektive sieht er für seinen Berufsstand nicht.

Ob er schon einmal einen Schatz aus dem Schweriner See geholt hat? Der Fischer schmunzelt. „Ich habe in meinem Leben nur einen Schatz gefunden: meine Frau“, sagt er, ein sanftes Lächeln erfüllt sein Gesicht.

Dass unter der harten Schale auch ein weicher Kern steckt, zeigt Martino Blödorn aber höchst selten. Schließlich sei Fischerei ein harter Job. 30 Reusen hat er im Ziegel- und im Außensee. Auch im Mühlensee bei Godern sowie im Kirch Stücker See fischt Martino Blödorn. „Ich weiß nie, was kommt. Nicht wie der Schweinebauer, der seinen Bestand kennt“, sagt er, schaut auf die bescheidene Ausbeute und versenkt die Reuse wieder im See. „Ich will nicht klagen, ich liebe meinen Beruf.“

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