Fällaktion auf dem Stralendorfer Friedhof : Wenn der Baum weg muss

Ein großer Spalt klafft im Baum und macht ihn zu einem Risiko.
Foto:
1 von 2
Ein großer Spalt klafft im Baum und macht ihn zu einem Risiko.

Alte Linde war seit langem verwundet und nicht mehr zu retten

von
24. Juni 2016, 16:00 Uhr

Wenn große Bäume weichen müssen, dann schauen die Leute ganz genau hin. Auch Martin Götze. Und er bringt zudem den nötigen Sachverstand mit. Der Forstwirtschaftsingenieur ist der neue Baumsachverständige für den Stralendorfer Friedhof.

„Ende Mai haben wir für den Friedhof ein Baumkataster zum Zweck der gerichtsfesten Baumkontrolle angelegt“, erklärt Götze. Und das ist nötig, da jeder Baumbesitzer für die Verkehrssicherheit seines Baumes verantwortlich ist. Und somit auch für die Folgen, sollte beispielsweise ein Baum umfallen.

Bei diesen Kontrollen schaut der Baumkontrolleur genau auf die Bruch- und Standsicherheit der Bäume. „Oft bleibt es dabei, dass Totholz entfernt werden muss, aber manchmal muss auch der Baum komplett weg“, sagt Martin Götze und verweist auf die große Linde auf dem Stralendorfer Friedhof. „Die ist nicht mehr zu retten. Unter einem dicken Efeu-Bewuchs haben wir eine große Aushöhlung entdeckt“, sagt Götze und zeigt auf die „Wunde“ am Stamm.

Direkt unter dem Hauptzwiesel auf etwa drei Metern Höhe beginnt das Loch und zieht sich bis kurz über den Wurzelbereich. „Würden wir das einfach der Natur überlassen, bricht der Baum auseinander und das würde weder den Friedhofsbesuchern noch den Anwohnern gefallen“, betont Götze. Oberhalb des Lochs zweigen sich zwei Hauptstämmlinge von je etwa 20 Metern Länge ab, denen der nötige Halt fehle.

Dass es eher untypisch ist, jetzt im Sommer Bäume dieser Größe abzunehmen, ist dem 32-Jährigen durchaus bewusst. „Aber es war einfach zu gefährlich.“ Ansonsten fallen Arbeiten dieser Art eher in die späten Herbstmonate. Aufgrund der besonderen artenschutzrechtlichen Bedeutung und der Vogelbrutzeit musste er zunächst die Freigabe zur Fällung durch die Untere Naturschutzbehörde abwarten. Denn im Sommer würden Vögel gern in solchen zugewucherten Bäumen ihren Brutplatz einrichten. Doch Götze gibt auch am Tag der Fällung für die Linde Entwarnung: „Wir haben heute auch nur ganz alte Nester gefunden und keine schützenswerten Käfer. Wir stehen da aber stets in engem Kontakt mit der Naturschutzbehörde“, sagt der Forstwirtschaftsingenieur.

Warum die Linde mit der Katasternummer 029 so stark beschädigt ist, weiß Götze nun nach einem Gespräch mit der Anwohnerin. „Vor etwa 15 Jahren ist ein dicker Seitenarm abgebrochen und dann ist eben nicht Gras, sondern Efeu über die Sache gewachsen und niemand hat sich wohl so recht darum gekümmert.“

Gerade auf Friedhöfen kommt es häufig zu Verletzungen der Baumwurzeln und das führe laut Götze zu vermehrtem Totholz. Das Holz der alten Linde bleibt diesmal in der Gemeinde. „Wir sind für die Entsorgung zuständig. Es haben sich schon einige Bürger gemeldet, die es nehmen“, schiebt er hinterher.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen