Wildunfall bei Brüsewitz : Wenn das Reh unters Rad kommt

Wildunfälle sind auch in diesen Tagen keine Seltenheit: Um das tote Tier kümmert sich der Jagdausübungsberechtigte – zur Not auch die Straßenmeisterei.
Wildunfälle sind auch in diesen Tagen keine Seltenheit: Um das tote Tier kümmert sich der Jagdausübungsberechtigte – zur Not auch die Straßenmeisterei.

SVZ-Leserin fragt: Was ist zu tun beim Wildunfall, und wer räumt das Tier weg?

von
17. Mai 2017, 08:00 Uhr

Fast täglich pendelt Doris Schulz zwischen Gadebusch und Schwerin zur Arbeit und wieder nach Hause. Sie kennt die Strecke entlang der Bundesstraße 104 quasi im Schlaf. Für einige Tage hat die Schwerinerin an einer bestimmten Stelle immer wieder ganz genau hingeschaut. Denn zwischen dem Abzweig Brüsewitz und der Abfahrt nach Rosenhagen lag ein totes Reh. „Es wurde vermutlich bei einem Verkehrsunfall angefahren und ist verendet. Das passiert“, sagt sie. Allerdings hat die Autofahrerin kein Verständnis dafür, dass das Tier tagelang im Straßengraben liegt.

Ihr erster Versuch, die Polizei zu informieren ist gescheitert. „Die sagten, ich solle mich an die Feuerwehr wenden“, erinnert sie sich. Gesagt. Getan. Doch es passierte wieder nichts. „Es heißt zwar, dass der zuständige Jäger informiert werde, doch am nächsten Tag lag das Tier immer noch an der gleichen Stelle“, empört sie sich am Lesertelefon der SVZ. Am darauffolgenden Tag fragte sie bei den Mitarbeitern der Straßenmeisterei nach. „Sie haben den Graben und Seitenstreifen gemäht, von Unrat befreit, aber das Tier haben sie liegen gelassen“, erzählt Doris Schulz. Es sei nicht ihre Aufgabe, erklärten die Herren, tote Tiere zu entsorgen. Für Doris Schulz immer noch keine befriedigende Antwort. Auf Nachfrage der Redaktion im Polizeirevier Gadebusch hieß es: „Wir werden uns um den Fall kümmern und den zuständigen Jäger benachrichtigen.“

Axel Paul, Leiter der unteren Jagdbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim, kennt Probleme dieser Art. „Es kommt immer mal vor, dass ein Tier am Straßenrand liegen bleibt, weil der Jagdausübungsberechtigte es eben nicht abholt. Doch in 99,9 Prozent der Fälle sei das tote Stück Wild nach kurzer Zeit weggeräumt. Paul betont auch noch einmal, dass die Feuerwehr nicht für solche Sachen zuständig ist, sondern die Polizei. Das regele unter anderem Paragraf 24, Absatz 3 des Landesjagdgesetz: „Wer als Führer eines Kraftfahrzeuges Schalenwild angefahren oder überfahren hat, muss dieses dem Jagdausübungsberechtigten der der Polizei unverzüglich anzeigen“, zitiert er das Gesetz.

Wenn eine Selbstgefährdung ausgeschlossen werden kann, dann habe der Unfallverursacher das Tier von der Fahrbahn zu räumen. Das bedeutet aber nicht, dass er es mitnehmen darf. „Sich das tote Tier anzueignen, ist in diesem Fall Wilderei. Nachzulesen im Strafgesetzbuch Paragraf 292“, schiebt Axel Paul hinterher.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen