Kfz-Meister geht in den Ruhestand : Wenn das Loslassen schwerfällt

Beim eigenen Wagen schaut der Kfz-Meister noch selbst nach dem Ölstand und anderen Kleinigkeiten.
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Beim eigenen Wagen schaut der Kfz-Meister noch selbst nach dem Ölstand und anderen Kleinigkeiten.

Gerd Grenz leitete 26 Jahre lang eine Autowerkstatt – nun hat der 69-Jährige einen Nachfolger

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16. August 2016, 12:00 Uhr

An die ersten Tage in der eigenen Werkstatt kann sich Gerd Grenz noch gut erinnern. Im Oktober 1990 ging mit dem Kfz-Meisterbetrieb, der seinen Namen trägt, ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. 26 Jahre ist das nun her. Und vor wenigen Tagen hat Gerd Grenz dieses Kapitel in seinem Leben beendet, die Schraubenschlüssel an den Nagel gehängt. „Ich habe das Geschäft verkauft“, sagt er sichtlich traurig. Immerhin steckt viel Herzblut in der Werkstatt. Nicht nur der Kontakt zu den Kunden fehle ihm, gesteht der Cramonshagener. Doch am Ende habe die Vernunft gesiegt. „Ich wusste ja, dass ich es nicht ewig machen kann. Seit mehr als fünf Jahren haben wir uns mit dem Gedanken, auszusteigen, intensiver beschäftigt. Er bekommt zustimmendes Nicken von seiner Frau Ingrid. Sie freut sich, dass ihr Mann nun mehr Zeit zu Hause verbringt und auch wieder den Hobbys gefrönt werden kann. „Wir wandern sehr gern und das ist in den vergangenen Jahren etwas zu kurz gekommen. Auch die Kinder freuen sich, wenn wir mal nicht gestresst sind und nun ist auch noch ein Enkelkind da – es wird schon“, sagt Ingrid Grenz zuversichtlich.

Ihr Mann versucht es auch zu sein, obwohl es ihn schon störe, nun bis 8 Uhr im Bett liegen bleiben zu können. „Sonst musste ich um 6 Uhr raus, jetzt ist da kein Termin, kein Dienstbeginn. Komisches Gefühl“, sagt der Rentner. Doch er werde sich damit abfinden. „Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am schönsten ist. Und das war es viele Jahre in Pingelshagen“, versichert Gerd Grenz. Nie habe es Streit gegeben. Ganz im Gegenteil: „Wir haben uns immer mit allen im Ort gut verstanden, hatten viel Rückhalt von der Gemeinde. Es waren wirklich 26 schöne Jahre, in denen auch viele Freundschaften entstanden sind“, erzählt der 69-Jährige. Und spricht ganz besonders warmherzig von seinem Angestellten Bernd Schmidt. „Ihm habe ich viel zu verdanken“, betont er.

Vor fünf Jahren kam ein Brief von der Handwerkskammer. Grenz solle an seinen Ruhestand denken – sich nach einem jüngeren Partner umsehen oder gar einen Nachfolger suchen und das Geschäft verkaufen. „Komisch, wenn so eine Empfehlung kommt. Aber aus heutiger Sicht wirklich sinnvoll. Denn von heute auf morgen lässt sich kein Nachfolger finden“, weiß Grenz aus Erfahrung. Denn obwohl er den Brief zunächst belächelt hat, machte er sich kurz danach an die Suche. Sprach mit der Familie und dem Steuerberater. „Wir haben uns für den Verkauf entschieden. Meine beiden Jungs wollten die Firma nicht übernehmen“, erzählt der Kfz-Meister. Nun werde sie als eigenständiges Unternehmen weitergeführt. Das sei in Ordnung.

Seiner Leidenschaft kann Gerd Grenz in kleinen Einheiten auch noch ohne Firma nachgehen. „Wir haben noch einen alten Golf. Wenn der etwas hat, mache ich das selbst“, sagt er. Für größere Sachen fährt der Cramonshagener dann aber doch in die Werkstatt. Nach Pingelshagen? „Warum nicht?“, sagt er und lacht.

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