Auf Lützower Feldern : Wenn aus Körnern mehr wird

Landwirt Jens Albrecht schaut sich die jungen Weizenpflanzen genau an. Fotos: Katja Müller
Landwirt Jens Albrecht schaut sich die jungen Weizenpflanzen genau an. Fotos: Katja Müller

Jens Albrecht lässt auf seinen Feldern Weizen für den Weltmarkt wachsen und für den Landwirt steht fest: Ohne Dünger geht es nicht

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16. März 2016, 16:00 Uhr

So langsam werden sie grün, die Felder rund um die Landeshauptstadt. Auch auf den Ackerflächen von Jens Albrecht ist Bewegung. Der 45-Jährige führt gemeinsam mit seiner Frau Christina einen 280-Hektar Marktfruchtbetrieb in Lützow. Der Acker wird vorrangig mit Winterweizen, Zuckerrüben und Winterraps bestellt. Auch Stilllegungsflächen gehören zum Betrieb. Auf dem Acker direkt hinter dem Hof hat Jens Albrecht Anfang Oktober Winterweizen gedrillt. Die erste Behandlung mit Pflanzenschutzmitteln gab es noch im Herbst. „Um die Gräser rauszunehmen. Denn nicht nur die Pflanze keimt dann, auch das Unkraut versucht, sich anzusiedeln“, erläutert der Landwirt. Bis jetzt, zum Frühjahr hatte der Weizen Ruhe. Konnte sich entwickeln. In den vergangenen Tagen kam die erste Stickstoff-Gabe auf den Acker. „Das ist der Grunddünger, den die Pflanze braucht“, sagt Albrecht. Denn sein Weizen landet auch auf dem Weltmarkt. Aber nur, wenn er die hohe Eiweißqualität hat. Lediglich 16 Prozent des deutschen Weizens erreichen laut Bauernverband MV die geforderte Backqualität, um später in Brot, Nudeln und anderen Lebensmitteln zu landen. „Das erreicht der Landwirt nicht, indem er alles dem Selbstlauf überlässt und auf jegliche Unterstützung verzichtet. Dann kommt der Weizen im schlimmsten Fall in die Biogasanlage“, sagt Albrecht. Das sei nicht das Ziel.

Im Land können die Bauern aufgrund der klimatischen Bedingungen die hohen Rohproteinwerte erzielen und sich somit auch auf dem Markt behaupten. Allerdings nur, wenn alles stimmt. Die Sorten seien zwar auf Ertrag und Qualität gezüchtet, ohne konventionellen Dünger und Pflanzenschutz gehe es für ihn aber nicht, sagt Albrecht. Wie es seinem Weizen geht, kontrolliert der Lützower regelmäßig. Nicht nur der Boden wird untersucht, auch die Pflanze schaut er sich an.

Beherzt zieht der Landwirt ein grünes Büschel aus der Erde. Kurz klopft er den Sand ab und untersucht den Ballen. „Der Weizen macht sich. Die Kronenwurzeln sehen gut aus“, sagt er und zieht an den weißen kurzen Pflanzenfäden. Albrecht scheint zufrieden. 210 Pflanzen stehen auf einem Quadratmeter – guter Durchschnitt.

Zwischen den jungen grünen Pflanzen sind derzeit noch kleine weiße Kügelchen auf dem Ackerboden zu sehen. Der Nieselregen lässt sie schwinden. „Das ist gut, so kommt der Dünger auch da an, wo er gebraucht wird“, sagt Albrecht. Im nächsten Monat will er den Schlag noch vorbeugend gegen Pilzbefall spritzen. Die Pflanzenschutzmaßnahme sei notwendig. Die Erfahrung habe gezeigt, so Albrecht, dass ein Ertragsausfall von bis zu 80 Prozent durchaus realistisch ist. Im Juli fährt er ein letztes Mal mit dem Düngerstreuer über das Weizenfeld. „Es gibt die Ährengabe – ein letzten Mal Stickstoff“, sagt der Bauer. Dann ist Ruhe auf dem Feld.

Gern rechnet Jens Albrecht Besuchern des Hofes vor, wie sich die Arbeit eines Jahres auf das Alltägliche runterbrechen lässt: Für ein Kilogramm Brot seien laut Albrecht 800 Gramm Weizen nötig. Doch der müsse zunächst angebaut, gepflegt und dann geerntet werden. Damit zunächst aus 200 Gramm Saatweizen auch vernünftige Pflänzchen werden, brauche er 60 Gramm Dünger und 0,2 Milliliter Pflanzenschutzmittel. „Diese Sachen finden sich aber nicht im Brot wieder. Die Pflanzenschutzmittel werden von der Pflanze abgebaut“, betont der Landwirt. Und damit das auch reibungslos passiert, gäbe es all die vielen Vorschriften, Versuchsreihen und Kontrollen der Ämter. „Auch wir Bauern haben ein Interesse, dass die Lebensmittel in Ordnung sind, die wir produzieren“, sagt er.

Zudem wolle er sich nicht selbst vergiften. Immerhin haben er und seine Mitarbeiter täglich mit diesen Mitteln zu tun. Neben dem gesundheitlichen Aspekt spiele der wirtschaftliche Faktor eine Rolle. Albrecht: „Düngemittel sind teuer. Kein Bauer geht verschwenderisch damit um. Es wird eher weniger gedüngt als empfohlen.“

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