Hilfsprojekt : „Wenigstens eine warme Mahlzeit“

Familiäre Runde im Haus der Begegnung: Am Pädagogischen Mittagstisch essen die Kinder gemeinsam und tauschen sich über Erlebtes aus.
Foto:
Familiäre Runde im Haus der Begegnung: Am Pädagogischen Mittagstisch essen die Kinder gemeinsam und tauschen sich über Erlebtes aus.

Der Pädagogische Mittagstisch des Schweriner Kinderschutzbundes versorgt täglich rund 20 Kinder mit einem ausgewogenen Essen

von
04. Dezember 2014, 14:00 Uhr

Die Kartoffeln dampfen. Das Hühnerfrikassee ist frisch zubereitet. Es duftet fantastisch. Dazu gibt es Apfelsaft und als Nachtisch Götterspeise. In familiärer Runde wird zusammen gegessen und über den Tag gesprochen. Etwas, das diese Kinder zu Hause nicht oft erleben.

Der Pädagogische Mittagstisch in der Perleberger Straße 22 versorgt täglich rund 20 Kinder mit einer warmen Mahlzeit. Für die Mädchen und Jungen im Alter von acht bis 13 Jahren ist er eine wichtige Anlaufstelle. Ihre Eltern bekommen Arbeitslosengeld II und haben nicht das nötige Kleingeld, um ihnen viel zu bieten. „Bei uns bekommen sie wenigstens eine warme Mahlzeit am Tag und was Ordentliches in den Magen“, erzählt die Projektleiterin Bärbel Schirrmacher. Was es zu essen gibt, wird demokratisch entschieden. Eine Woche im Vorlauf kommt der Essensplan von Sozius, die Pflege- und Betreuungsdienste gGmbH liefert die Mahlzeiten jeden Tag frisch. „Die Kinder dürfen dann zwischen zwei Gerichten wählen“, betont Schirrmacher. Ein Mittagessen kostet zwei Euro. Die Eltern bezahlen einen Beitrag von 0,30 Euro pro Mahlzeit. Der verbleibende Betrag von 1,70 Euro wird ausschließlich durch Spenden finanziert.

Doch selbst die 30 Cent sind für manche Eltern viel Geld. Von Montag bis Freitag gehen die Kinder essen. So müssen 1,50 Euro in der Woche gezahlt werden. „Wenn dann noch Ausflüge hinzukommen, wie zum Beispiel ins Theater, Museum oder Kino, sagen die Kinder häufig ab und nehmen nicht teil. Die Eltern haben oft nicht mal das Geld für zwei Fahrscheine in die Stadt“, so die Erzieherin. Bei Unternehmungen des Kinderschutzbundes trägt der Verein auch die Eintrittsgelder. Lediglich die Fahrkosten müssen die Eltern zahlen.

Traurige Wahrheit: Manche Mädchen und Jungen kennen Gemüse nicht. Am Mittagstisch werden sie an das Unbekannte herangeführt. Begleitet wird das Essen von Ute Westphal. Sie ist ausgebildete Erzieherin und hört sich auch die Sorgen und Nöte der Kleinen an. „Wir wollen nicht nur eine warme Mahlzeit bieten, sondern erreichen, dass es den Kindern rundum gut geht“, unterstreicht Schirrmacher. Aus diesem Grund bleiben die Kinder oft bis 18 Uhr, denn so lange sind die Türen im Haus der Begegnung geöffnet. Hier können sie beim „Offenen Kindertreff“, der ebenfalls vom Kinderschutzbund betrieben wird, basteln, spielen und sich austauschen.

„Ich habe in den vergangenen 13 Jahren beobachtet, wie positiv sich eine warme Mahlzeit am Tag auswirkt“, sagt Schirrmacher. Wenn die Kinder zum ersten Mal kommen, seien sie manchmal noch unkonzentriert. „Kein Wunder“, meint die Projektleiterin. Mit hungrigem Magen lerne es sich nicht gut, die Schulleistungen würden schlechter und das Aggressionspotential steige. „Das Essen und die Gemeinschaft – das familiäre Gefühl, es hilft den Kindern ungemein“, erzählt Bärbel Schirrmacher.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen