Schwerin : Wenig Lob für neue Radstreifen

Der Lkw rückt immer näher: Die Einmündung zur Lessingstraße nutzte diese Radfahrerin, um vom Radstreifen auf der Straße auf den Gehweg zu wechseln.
Der Lkw rückt immer näher: Die Einmündung zur Lessingstraße nutzte diese Radfahrerin, um vom Radstreifen auf der Straße auf den Gehweg zu wechseln.

Kritik an Verkehrsführung auf dem Obotritenring überwiegt: SVZ-Leser sprechen von Gefahr auf der Straße

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23. Juni 2016, 21:00 Uhr

Zwei Wochen gibt es jetzt die Radstreifen auf der Fahrbahn des Obotritenrings, mit eigenen Aufstellbereichen und Ampeln, die den Fahrzeugverkehr zusätzlich ausbremsen. Doch das ist nur ein oft am „Heißen Draht“ unserer Redaktion kritisierter Nebeneffekt. Die Hauptkritik richtet sich an die fehlende Sicherheit. Unsere Leser bewegt das Thema nach wie vor, was zahlreiche Kommentare auf unseren Internetseiten, Anrufe und Zuschriften zeigen.

„Ich fahre jede Woche gegen 15.30 Uhr den Obotritenring entlang. Es sind zu dieser Zeit kaum Menschen oder gar keine auf dem Fußweg unterwegs. Auf der Straße zu fahren, verursacht mir ein mulmiges Gefühl“, schreibt beispielsweise H. Lässig. „Ich werde das Angebot nicht annehmen.“

„Auf der einen Seite starke PS und dazwischen gequetscht der arme Radler mit wenig Möglichkeit bei Problemen auszuweichen. Auf der anderen Seite ein so gut wie leerer Fußweg“, so K. Neumeister. „Mein Fazit: Fahrrad-Verkehr gehört deutlich, nicht nur durch einen Streifen auf dem Asphalt, vom motorisierten Verkehr getrennt.“

„Auf diesen Radstreifen wird der Radfahrer nicht geschützt, sondern erheblichen Gefahren ausgesetzt. Radstreifen sind meiner Meinung nur sinnvoll, wenn die gesamte Breite der Fahrbahn dies zulässt“, schreibt Dieter Wohlmann. „Der Radstreifen in der Wismarschen Straße zwischen Bürgermeister-Bade-Platz und Lewenberg ist eine Lösung, die man so gelten lassen kann.“

Auch Eva Naumann hat einen klaren Standpunkt: „Ein Schutzstreifen auf dem Fußgängerweg wäre angebrachter für alle Beteiligten gewesen.“

„Ich verstehe nicht, wie sich in der Stadtvertretung eine Mehrheit zu diesem rückwärtsgewandten CDU-Vorschlag finden konnte, auf dem Obotritenring statt Tempo 30 die Radspur einzurichten“, beklagt Eva-Maria Tempelhahn. „Erstens haben es schon größere Städte mit höherem Verkehrsaufkommen verkraftet, auf ihren echten Magistralen mit Tempo 30 zu leben. Zweitens ist die Güstrower Straße mit dem Radstreifen ein schlechtes Beispiel – die meisten Radfahrer ziehen den Gehweg vor – und genauso wird es auch beim Obotritenring kommen.“

Aber es gibt auch Lob: „Ich bin ich von den Radstreifen begeistert: endlich zügiges Fahren, keine Buckelpiste auf dem Gehweg mehr, kein Slalom um parkende Autos, Fußgänger, Schilder, keine Befürchtung, dass jemand unvermittelt aus der Haustür tritt“, schreibt beispielsweise Dr. Sabina Franke. Auch aus Autofahrersicht gibt es Zustimmung: „Bei Radfahrern auf dem neuen Radstreifen wechsel ich als Autofahrer die Fahrspur, im Zweifel bleibe ich hinter dem Radfahrer“, so Frank Haberlandt.

Und unser Leser Ronald Borchert hat noch einen Wunsch: „Wenn die Radfahrer die Erweiterung ihres Nutzungsraumes wenigstens dafür gebrauchen würden, nicht mehr entgegengesetzt zur Fahrtrichtung den Bürgersteig zu befahren, könnte auf allen Seiten viel Stress abgebaut werden.“

Kommentar: Spurwechsel notwendig
Die Fahrradspuren auf dem Obotritenring sind gefährlich und völlig unnötig. Selbst Radfahr-Profis der Grünen kritisieren die fehlende Sicherheit und nutzen die aktuelle Situation gleich, um prompt wieder ihr Tempo-30-Ansinnen aus der Mottenkiste zu holen. Doch auch das ist nicht wirklich notwendig. Die Verkehrsplaner wären daher gut beraten, es der Mehrheit der Radfahrer nachzuahmen und die Spur zu wechseln: Weg mit den Radstreifen auf dem Obotritenring! Sollte die Verwaltung für diese Entscheidung einen Anstoß benötigen, kann ja die Stadtvertretung nachhelfen. Die Radstreifen zu belassen mit dem Argument, es muss sie ja niemand nutzen, ist halbherzig. Und für jeden Rad- und Autofahrer verwirrend.
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