Landeshauptstadt will sich an Welterbestiftung beteiligen : Weltkulturerbe: Schwerin macht ernst

<strong>Das gesamte Ensemble rund um das Schweriner Schloss</strong> soll auf die Welterbeliste, dazu die Paulskirche, der Dom (l.) und die Schelfkirche(M.) sowie das Neustädtische Palais. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
Das gesamte Ensemble rund um das Schweriner Schloss soll auf die Welterbeliste, dazu die Paulskirche, der Dom (l.) und die Schelfkirche(M.) sowie das Neustädtische Palais. Reinhard Klawitter

Die Bemühungen, das Schlossensemble auf die Welterbeliste der Unesco zu bringen, gehen in die heiße Phase. Am 1. August wird das Land einen entsprechenden Antrag bei der Kultusministerkonferenz (KMK) einreichen.

svz.de von
04. Juni 2012, 10:25 Uhr

Altstadt | Die Bemühungen, das Schlossensemble auf die Welterbeliste der Unesco zu bringen, gehen in die heiße Phase. Am 1. August wird das Land einen entsprechenden Antrag bei der Kultusministerkonferenz (KMK) einreichen. Das teilte jetzt der Chef des städtischen Amtes für Stadtentwicklung, Günther Reinkober, mit.

Bereits im Jahr 2000 initiierte der Verein Pro Schwerin die Idee, das Schweriner Schloss auf die Welterbeliste zu bringen. Die Stadtvertretung und der Landtag fassten dazu positive Beschlüsse, Gutachten wurden angefertigt. Nun soll der Antrag auf den Weg gebracht - doch dieser Weg wird sehr lang sein und ob Schwerin das Ziel tatsächlich erreichen kann, ist ungewiss. Denn zunächst muss es das Schloss auf die sogenannte deutsche Tentativliste schaffen. Je zwei Vorschläge dafür kann jedes Bundesland machen (SVZ berichtete). "Das Schweriner Residenzensembles als Kulturlandschaft des romantischen Historismus" - unter diesem Titel ist Schwerin neben dem Doberaner Münster für Mecklenburg-Vorpommern dabei. Eine Expertenkommission wird dann 2014 alle Antragsstandorte bereisen und festlegen, wer auf der Vorschlagsliste für Deutschland bleibt und wer nicht. Erst danach gehen die Vorschläge zur Unesco nach Paris, die dann endgültig entscheidet.

"Schwerin hat gute Chancen, in die Welterbeliste aufgenommen zu werden", sagt der Welterbebeauftragte in Wismar, Norbert Huschner. Er muss es einschätzen können, denn die Hansestadt hat zusammen mit Stralsund seit zehn Jahren den Welterbestatus. "Für Wismar hat das nur Vorteile gebracht." Die Gästeübernachtungen sind von 65 000 im Jahr 1994 auf jetzt 250 000 gestiegen, etliche Häuser in der historischen Altstadt konnten saniert werden, die Einwohnerzahl stieg im Zentrum von 5000 auf jetzt 7900. Außerdem kann Wismar mit finanzieller Unterstützung zusätzlich sechs Gebäude in der Altstadt sanieren - aus eigener Kraft hätte die Stadt das nicht geschafft So können das Museum "Schabbelhaus" und die Kaufmannscompagnie restauriert werden. "Angesichts all dieser Möglichkeiten vernachlässigen wir inzwischen die 200 000 D-Mark, die wir für den Welterbeantrag ausgegeben haben", so Norbert Huschner.

Für das Schweriner Schlossensemble haben Stadt und Land bisher zusammen knapp 300 000 Euro aufgebracht - nur um einen Antrag für die Tentativliste zu stellen. "Wie hoch die Gesamtkosten sein werden, wenn denn die Kultusminister Schwerin der Unesco vorschlagen, ist noch nicht abzusehen", sagt Günther Reinkober.

Aus Wismar kommen unterdessen etliche Anregungen, was für die Welterbe-Bewerbung in der Landeshauptstadt noch getan werden muss. Denn nur den Antrag zu erarbeiten ist offenbar zu wenig. Die Kommission will sehen, dass Stadt und Land es wirklich ernst meinen. So sollte Schwerin beispielsweise noch eine sogenannte Gestaltungssatzung erlassen, in der unter anderem geregelt ist, wer wo wie große Werbeschilder aufhängen darf.

Das der Status des Welterbes große Einschränkungen hinsichtlich neuer Bauvorhaben im Umfeld des Schlosses bringen könnte, befürchten weder Günther Reinkober noch Norbert Huschner. "Das IHK-Gebäude und die Schwimmende Wiese haben keinen Widerspruch der Denkmalschützer herausgefordert - ganz im Gegenteil", sagt Reinkober. "Und für die Sanierung des Offizierscasinos in der Stellingstraße sind wir gerade in konstruktiven Gesprächen. Ich bin überzeugt, dass wir da eine gute Lösung finden werden." Auf jeden Fall, so auch Norbert Huschner, bringt der Welterbestatus keine extremen Einschränkungen mit sich. "In Wismar empfingen wird das Welterbe nicht als Kettenhemd." Dort gibt es eine Arbeitsgruppe Welterbe und ganz komplizierte Themen einen Sachverständigen-Beirat. Beides hat sich bewährt - Streit gibt es nicht.

An einem, den Antrag unterstützenden Vorhaben, arbeitet die Verwaltung jedoch schon und gegenüber der KMK ihren Willen demonstrieren. . Die Stadt will sich mit 125 000 Euro an der Internationalen Welterbestiftung der Städte Wismar und Stralsund beteiligen und so Bewerbungen von Entwicklungsländern unterstützen. Das Geld soll aus dem Überschuss kommen, den die Bundesgartenschau Schwerin 2009 GmbH erwirtschaftet hat. Derzeit erarbeitet die Denkmalpflege-Abteilung eine Vorlage für die Stadtvertretung.

Schwerin hat noch einiges vor sich, um eventuell auf die Welterbeliste zu kommen. Doch es könnte sich lohnen, sagt der Wismarer Welterbebeauftragte Huschner. Aber: "Da muss man jetzt dran bleiben, auch wenn es erst 2018 etwas wird."

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