zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Oktober 2017 | 11:50 Uhr

Schwerin-Görries : Weltkriegs-Bomben ticken weiter

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Stadt bereitet Bereinigung eines Gebietes in Görries vor – und hat aus Sicherheitsgründen eine Menge zu beachten

von
erstellt am 04.Apr.2014 | 12:00 Uhr

In der Nähe des Fasanenhofes soll an der Zeppelinstraße ein neues Gewerbegebiet entstehen. Ein Investor will eine sieben Hektar große Fläche entwickeln. Mit der Erschließung des zukünftigen Gewerbestandortes soll auch die Zeppelinstraße „neu geordnet“ werden, wie es in der Fachsprache heißt. Allerdings wird die Erschließung der einstigen Militärflächen offenbar nicht einfach. Die Stadt erwartet dort Altlasten wie Schwermetalle und Munition. Und das in einem weit größeren Gebiet.

„Wir haben ganz andere Sorgen als die Munitionsreste im Ziegelsee“, sagt Vize-Oberbürgermeister Dr. Wolfram Friedersdorff nüchtern. Allein daraus lässt sich die drohende Dramatik in Görries erklären. Jürgen Rogmann, Leiter des Amtes für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst, gibt – ohne Details zu nennen – unumwunden zu: „Eine solche Situation wie in Görries dürfte deutschlandweit einmalig sein.“ Was ist passiert?

Insgesamt warfen die Alliierten im Zweiten Weltkrieg 1,4 Millionen Tonnen Bomben auf das Deutsche Reich – die Briten nachts, die US-Luftwaffe tagsüber. Je nach Schätzung starben dadurch zwischen 400 000 und 570 000 Zivilisten. 161 Städte und mehr als 850 kleinere Orte wurden von Bomben getroffen. Drei schwere Angriffe auf Schwerin sind verzeichnet. Die heftigsten Attacke gab es am 7. April 1945, als die US Air Force den Bahnhof treffen wollte, aber das Straßenbahndepot in der Wallstraße bombardierte. 217 Schweriner kamen dabei ums Leben. Eine unbekannte Zahl Bomben ging auch in Görries nieder. Und die bringen jetzt Probleme.

„Nach neuesten Erkenntnissen waren viele der Fliegerbomben, die über Görries abgeworfen wurden, mit einem Langzeitzünder ausgestattet“, berichtet Friedersdorff auf Anfrage von SVZ. Und an denen nage der Zahn der Zeit. Einen Grund zur Panik sehen die Experten allerdings nicht. Dennoch werde die notwendige Bereinigung des Areals bereits gründlich vorbereitet.

Seit 2012 ist das städtische Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst auch für die Munitionsbeseitigung zuständig. Dass die Verwaltungsmitarbeiter damit absolutes Neuland betraten, war schnell klar. „Wir hatten beispielsweise einen ersten Arbeitskreis viel zu weit gefasst“, erinnert sich Friedersdorff. Jetzt gäbe es eine Expertengruppe unter Federführung von Vize-Feuerwehrchef Jens Krause.

Und genau die ist derzeit in der Vorbereitung für die Arbeiten in Görries. „Das wird aufgrund der vielen zu beachtenden Punkte und der notwendigen Abstimmungen mit dem Landkreis auch das gesamt Jahr in Anspruch nehmen“, erklärt Friedersdorff. Frühestens im kommenden Jahr könne daher an die tatsächliche Beräumung gedacht werden.

Das Problem sind vor allem die in unmittelbarer Nähe oder direkt im betroffenen Gebiet vorhandenen Versorgungsleitungen. Eine 360-kV-Leitung führt über das Areal, unterirdische Wasser- und Gasleitungen, die Eisenbahntrasse ist nicht weit weg. Lediglich Wohnbebauung ist glücklicherweise weiter entfernt. Friedersdorff benennt ein Beispiel, weshalb solch ein Fingerspitzengefühl und umfangreiche sowie detaillierte Planungen notwendig sind. Falls es zu einer unterirdischen Detonation kommen würde, könnte der dadurch entstehende Wasserdruck beispielsweise die Strommasten aus ihren Verankerungen reißen. Die gesamte Stromversorgung der Region würde zum Erliegen kommen. „Für uns steht an erster Stelle, dass die Beräumung keine Schäden verursacht“, fasst Friedersdorff das Ziel zusammen. Deshalb werde akribisch geplant. Derzeit bestehe schließlich auch kein akuter Handlungsdruck.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen