zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

17. Oktober 2017 | 11:49 Uhr

Schweriner Bürger machen mit : Welterbe zum Anfassen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Förderverein bereitet Bürgerbeteiligung vor, um ein Stadt-Modell zu gestalten, das für die Bewerbung um den Unesco-Titel steht

von
erstellt am 31.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Seit einem Vierteljahrhundert erschafft Egbert Broerken Stadtmodelle aus Bronze. Für Sehende sind sie ein Hingucker, Blinde können Gebäude und vieles mehr ertasten und die Stadt mit ihren Fingern entdecken. Jetzt könnte es auf Initiative des Welterbevereins auch ein Schwerin-Modell geben, eingereiht in schon fast 100 solcher Reliefarbeiten für andere Städte wie Wismar oder Hamburg. Doch das funktioniert nur, wenn die Schweriner mitmachen, sagt Dr. Josef Wolf, der mit Dorin Müthel-Brenncke die Idee hier umsetzen möchte.

Egbert Broerken ist bereit, das besondere Modell zu gestalten, dass alle Welterbestätten aus Schwerins Bewerbung bei der Unesco nicht nur zeigen, sondern auf besondere Weise hervorheben möchte – für Sehende wie Blinde. Die Herausforderung: Da die einzelnen Gebäude von der Schleifmühle bis zur Paulskirche nicht dicht beieinander liegen, das Modell aber nicht zu riesig werden darf, muss dennoch alles erkennbar sein. Bis zu drei Meter lang könnte das Stadtrelief schon werden, vermutet Dorin Müthel-Brenncke. Alles soll natürlich detailliert und kontinuierlich mit den Denkmalpflegern abgestimmt werden.

Dazu zählt auch das Finden eines geeigneten Standorts für das Schwerin-Modell. „Es sollte im Idealfall dort stehen, wo Schweriner und Touristen sind, wo man einen guten Blick auf einige der Welterbestätten hat, aber eben auch ein Ort, der durch das Modell nicht etwa den Denkmalschutz oder gar die Bewerbung Schwerins um Aufnahme in die Welterbeliste gefährdet“, erklärt Josef Wolf. Erste Ideen könnten schon in der kommenden Woche zwischen Vertretern des Welterbevereins, der Stadt und der Denkmalpflege diskutiert werden. „Gibt es mehrere Vorschläge, können vielleicht die SVZ-Leser helfen, den besten Standort zu finden“, schlägt Wolf vor – und trifft auf offene Ohren. „Wir haben als medienhaus:nord vielfältige Kanäle, um unsere Leser zu erreichen. Das geht weit über die gedruckte Ausgabe hinaus. Daher könnten wir eine breite Beteiligung möglich machen“, sagt Geschäftsführer Andreas Gruczek.

Parallel möchte der Welterbeverein Geld sammeln, um das Modell bezahlen zu können. Spendenboxen könnten unter anderem im Stadthaus, im Stadtwerke-Kundencenter, aber auch bei der SVZ und auf Festen aufgestellt werden. „Mit ihrer Unterstützung können die Schweriner sich direkt am Bewerbungsprozess um die Aufnahme in die Welterbeliste beteiligen“, sagt Wolf. So wie einst eine ganze Stadt Buga wurde, kann ganz Schwerin für den Unesco-Titel kämpfen.

Geht es nach den Aktiven des Fördervereins, wird bereits im kommenden Jahr das Schwerin-Modell aufgestellt. Etwa zehn Monate braucht Egbert Broerken, um es zu gießen. Katasterpläne, Fotos und Vor-Ort-Besuche ermöglichen ihm eine hohe Detailtreue. Dann baut er maßstabsgetreue architektonische Modelle, modelliert sie in Wachs, anschließend wird das Objekt in Bronze gegossen. Das von ihm verfeinerte Wachsausschmelzverfahren garantiere quasi eine Unverwüstbarkeit des Reliefs, das am Standort auf einem Sockel ruht.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen