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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. November 2017 | 07:49 Uhr

Schweriner Schloss : Welterbe: Zugpferd statt Bremse

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Experten und Bürger diskutieren über Chancen und Risiken der Schweriner Unesco-Bewerbung für die Stadtentwicklung

von
erstellt am 15.Okt.2014 | 23:18 Uhr

„Ja, Schwerin kann bauen. Ja, die Stadt kann wachsen und sich entwickeln, und ja, wir können auch innerstädtisch moderne architektonische Lösungen finden und zugleich Welterbe sein“, betonte Joachim Brenncke, Vizepräsident der Bundesarchitektenkammer, gestern Abend auf der großen Bürgerversammlung zum Thema Welterbe. Der Verein Pro Schwerin hatte Experten und Einwohner der Stadt eingeladen, um über Chancen und Risiken der Bewerbung Schwerins mit seinem Residenzensemble für die Unesco-Liste des Weltkulturerbes zu diskutieren. Und das Interesse war riesig, der große Saal in der IHK war brechend voll.

Dies wiederum wertete Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider als einen der entscheidenden Punkte auf dem Weg zum Erfolg: „Wir brauchen dieses breite Bürgerinteresse, wir brauchen die Netzwerke, dann werden wir es schaffen, dass Schwerin auf die Welterbeliste kommt.“ Ausdrücklich dankte sie dem Verein Pro Schwerin für seine Anstrengungen, die Öffentlichkeit für dieses große Vorhaben zu gewinnen.

Und die Chancen stehen gut, bestätigte Prof. Dr. Stefan Breitling von der Universität Bamberg, der zugleich im Fachbeirat der Kultusministerkonferenz sitzt und vehement für die Aufnahme Schwerins in die deutsche Vorschlagsliste geworben hatte. „Auf der Welterbeliste stehen zwar schon 177 Schlösser und die Unesco nimmt nur ungern weitere auf. Aber Schwerin überzeugt mit einer funktionalen Residenz und Adelskultur des 19. Jahrhunderts, die in ihrer Geschlossenheit und Authentizität ein exzellentes Beispiel für eine vergangene Epoche darstellt“, so der Experte.

Dass es sich lohnt, für den Welterbe-Status zu kämpfen, machte Steffi Behrendt, Welterbe-Managerin der Hansestadt Stralsund, aus Praxissicht deutlich. Sie listete eine Verdopplung der Besucherzahlen der Stadt innerhalb von zehn Jahren auf, Zuschüsse in zweistelliger Millionenhöhe vom Bund für die Erhaltung und Pflege des Erbes, viele internationale Kontakte, vor allem aber die gewachsene Identität und Sensibilität der Einwohner für ihre Stadt. Und sie nahm den Zuhörern die Furcht, dass der Welterbe-Status als Bremse für die Stadtentwicklung wirken könnte. Gewaltige moderne Bauten in Stralsunds Pufferzone wie das Ozeaneum oder die neue Rügenbrücke seien ebenso akzeptabel wie zeitgenössische Lückenbebauung in der Altstadt. Sicher müsse die Latte für Baukultur höher gelegt, die Kommunikation in der Stadt wie auch mit der Unesco intensiviert werden, aber es lohne sich.

Die Pro Schweriner brachen schon mal eine Lanze für die Intensivierung ihres Engagements und legten Listen aus für die Gründung eines Fördervereins, um so – wie seinerzeit für die Buga – nun für das Welterbe-Siegel zu kämpfen.

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