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18. Dezember 2017 | 05:55 Uhr

Welterbe: Pro Schwerin macht Druck

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erstellt am 28.Aug.2013 | 09:09 Uhr

Schwerin | Schwerin auf dem Weg zum Weltkulturerbe der Unesco: Nachdem klar war, dass das Land der Kultusministerkonferenz vorschlagen wird, das Schweriner Residenzensemble als Kulturlandschaft des romantischen Historismus und das Doberaner Münster mit seiner hochgotischen Innenausstattung auf die so genannte Tentativliste, also die deutsche Vorschlagsliste, zu setzen, war es ruhiger geworden um die Bewerbung Schwerins. Zu ruhig, sagen die Verantwortlichen des Vereins Pro Schwerin, der sich seit mehr als zehn Jahren aktiv um den Welterbe-Status für das Schlossensemble bemüht. Jetzt müsse es um solche Fragen gehen wie die Schaffung eines würdigen Umfelds um das eigentliche Erbe, aber auch die Einbeziehung der Schweriner selbst "durch eine wirkungsvolle und breite positive Öffentlichkeitsarbeit und vieles andere", sagt Hans-Dieter Waedow, Vorstandsmitglied von Pro Schwerin. "Dieses wird die Aufnahmekommission im Vorfeld prüfen, ehe das Gütesiegel Aufnahme in die deutsche Tentativliste erteilt wird."

Und obwohl es grundlegende Übereinstimmung mit der Stadt gäbe, was nicht zuletzt ein Treffen des Vereinsvorsitzenden Werner Hinz mit Baudezernent Dr. Wolfram Friedersdorff gezeigt habe, müsse die Stadt mehr tun, sagt Waedow. "Es besteht aus unserer Sicht Veranlassung, immer weiter nachdrücklich auch städtische Aktivitäten einzufordern angesichts der Vielzahl der durch die Stadt zu lösenden Aufgaben", betont Waedow. Aus Sicht von Pro Schwerin sei die "abwartende Haltung bei der Auswahl und Benennung eines ,Weltkultur-Managers nicht angebracht, ja sogar schädlich", so Waedow. Die Stadt müsste eine geeignete Person für diesen Posten berufen und entsprechendes Geld beim Land beantragen.

Doch so einfach ist es offenbar doch nicht. "Dem Amt für Stadtentwicklung ist bislang nicht bekannt, dass das Land einen Welterbe-Manager finanzieren will. Wir haben allerdings eine kurze Liste von Personen, die wir bei einer öffentlichen Ausschreibung der Stelle zusätzlich ermuntern würden, eine Bewerbung abzugeben. Ein Teil der Personen ist bei der Erarbeitung der Unterlagen für den Welterbe-Antrag bereits tätig gewesen", sagt der Leiter des Amtes für Stadtentwicklung, Günter Reinkober, auf SVZ-Anfrage.

Auch im zuständigen Kultusministerium sieht man die Manager-Frage noch als ungeklärt. Gleichzeitig betont aber Ministeriumssprecher Henning Lipski: "Die Einbeziehung des Schweriner Vereins Pro Schwerin ist von großer Bedeutung für die Bewerbung um die Aufnahme in des Welterbe der Unesco." Grundlage der Bewerbung des "Residenzensembles Schwerin - Kulturlandschaft des romantischen Historismus" sei der Vertrag zwischen dem Landtag, dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur und der Landeshauptstadt Schwerin. Konkrete Arbeitsschritte seien darin allerdings nicht vorgegeben. Über einzelne Maßnahmen entscheidet eine Arbeitsgruppe, in der u. a. auch die Vertragsparteien vertreten sind, erklärt Lipski. "Über die Einstellung eines Kulturerbe-Managers ist zwar schon beraten worden. Eine Entscheidung hierüber wurde aber noch nicht getroffen. Bisher war man sich einig, dass die Einstellung eines Kulturerbe-Managers erst nach einer Entscheidung der Konferenz der Kultusminister der Länder Ende 2014 über die Aufnahme der Schweriner Bewerbung in die deutsche Bewerbungsliste sinnvoll sein würde."

Und auch erst, wenn die Kulturministerkonferenz sich für Schwerin ausspricht, kann überhaupt weiter gehandelt werden. Warum sich die Stadt so engagiert, erklärt Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow: "Für Schwerin würde der Titel einerseits die Verantwortung für die Erhaltung des baulich-kulturellen Erbes weiter erhöhen. Andererseits könnte die Landeshauptstadt Schwerin vor allem mit einem deutlich wachsenden Bekanntheitsgrad rechnen. Der Titel Weltkulturerbe wäre ein Qualitätssiegel, mit dem das positive Image der Stadt Schwerin sogar international ausstrahlen könnte. Dass wir das Schweriner Schloss als eine weltweit anerkannte Marke platzieren könnten, würde die touristische Entwicklung Schwerins natürlich auf jeden Fall befördern." Übernachtungszahlen in Wismar hätten beispielsweise einen deutlichen Anstieg seit dem Welterbe-Titel erfahren, sagt Gramkow.

Mit der Bewerbung als ganzes Areal geht Schwerin einen neuen, Erfolg versprechenden Weg: Das Residenzensemble Schwerin zeigt die spezifsche Ausprägung der Spätphase höfischer Kultur im Europa des 19. Jahrhunderts. Es ist Ort einer mehr als 1000 Jahre währenden, ungebrochenen Herrschafts tradition von der slawischen bis zur heutigen Zeit und dokumentiert so die Entwicklung vom historischen Fürstenstaat zur modernen Demokratie. Es verdeutlicht die Entwicklung eines deutschen Bundeslandes aus dem historischen Fürstenstaat. Teil dieser Kontinuität sind ebenso die immer noch innerhalb des Residenzensembles ansässigen Kulturinstitutionen wie das Staatstheater, das Staatliche Museum mit dem herzoglichen Kunstbesitz bis zu den Beständen des Landeshauptarchivs und der Landesbibliothek.

Dieses Gesamtbild vom Marstall im Norden bis zum Küchengarten im Süden umfasst rund 140 Hektar Fläche, zu der auch die Artilleriekasernen sowie die Schelf- und Paulskirche gehören.

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