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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 03:13 Uhr

Diskussion im Schloss : Welterbe kontra Tourismus?

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Denkmalpfleger warnt: Schlossfestspiele auf dem Alten Garten gefährden Schweriner Bewerbung

von
erstellt am 15.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Das 19. Schlossgespräch beleuchtete ein Thema, das derzeit in Schwerin noch nicht im Fokus ist, aber kommen wird: das Spannungsfeld von Denkmalpflege und touristischer Vermarktung von Denkmalen. Unter dem Motto „Erlebnis Welterbe – Kulturtourismus in Welterbestätten“ diskutierten im Podiumsgespräch Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider, der Präsident des Deutschen Nationalkomitees von Icomos, dem internationalen Denkmalrat, Prof. Dr. Jörg Haspel, und Norbert Huschner, Leiter des Amtes für Welterbe, Tourismus und Kultur der Hansestadt Wismar.

Prof. Haspel verdeutlichte das Problem an Beispielen; Venedig hat rund 260 000 Einwohner, wird aber jährlich von 20 Millionen Menschen besucht. Die Inka-Stadt Machu Picchu in den Bergen Perus verkraftet nach Expertenmeinung 2500 Besucher pro Tag, hat aber mehr als 5000. Der Weihnachtsmarkt in Lübeck hat zwei Millionen Gäste in vier Wochen. Sein Fazit: Die Touristenströme müssen gelenkt werden. Herausragende Denkmale, die zu Recht auf der Unesco-Liste des Welterbes stehen, sind Magnete des Kulturtourismus, doch die Ressource Denkmal sei endlich. Deshalb müsse sie geschützt werden. Zwar habe Schwerin mit seiner Bewerbung noch einen weiten Weg vor sich, aber dieser Aspekt dürfe nicht ignoriert werden. Denn Interessenkonflikte seien programmiert – wie in Potsdam, wo die Festspiele in Sanssouci für Streit zwischen Denkmalpflege und Stadt sorgen.

Prof. Dr. Kornelia von Berswordt-Wallrabe vom Kunst- und Museumsverein griff das Thema auf und befragte den deutschen Icomos-Chef nach seiner Position zu den Schlossfestspielen des Mecklenburgischen Staatstheaters auf dem Alten Garten. Prof. Haspel stellte zunächst seine Wahrnehmung vor: „Die Aufbauten auf dem Alten Garten belasten die visuelle Wahrnehmung des gesamten Areals“, sagte er und mahnte: „Ich würde das Risiko minimieren und nach Alternativen suchen.“ Haspel betonte aber, er gehöre nicht zur Monitoring-Gruppe.

Landtagsdirektor Armin Tebben hielt dagegen, dass die Schlossfestspiele nur temporär einen Teil des Platzes vereinnahmen, zudem Touristenmagnet und auch bei vielen Schwerinern beliebt seien. „Dieses Denkmal wird gelebt. Historische Oper in historischem Umfeld – was könnte besser passen?“, fragte Tebben.

Bretschneider fasste zusammen, dass frühzeitige Diskussionen angesagt seien, um die Probleme zu lösen und Alternativen zu finden. Dazu müssten alle Beteiligten beitragen, forderte die Landtagspräsidentin. Nur ein solches Herangehen werde zum Erfolg führen, sagte Wismars Welterbe-Beauftragter Huschner. Er wünsche sich sehr, dass auch Schwerin es auf die Unesco-Liste schaffe, denn dann könnten die drei großen Städte im Nordosten mit stärkerer Ausstrahlung werben. Und es werde sich positiv auf die Verweildauer auswirken. „Dann bleiben Touristen auch eine ganze Woche hier“, ist sich Huschner sicher.

 

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