Aktion Stadtbild : Welterbe-Glanz in der Werderstraße

Das Haus Werderstraße 135 sticht durch seine Farbe aus der Häuserzeile hervor.
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Das Haus Werderstraße 135 sticht durch seine Farbe aus der Häuserzeile hervor.

Aktion Stadtbild: Die letzte der Willebrandschen Villen gegenüber dem Schloss ist komplett saniert und modern umgebaut worden

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22. Dezember 2013, 22:00 Uhr

Wie eine Perlenkette reihen sich die Häuser an der Werderstraße zwischen dem Großen Moor und dem Museum auf – die so genannten Willebrandschen Villen. Um 1862 hat der großherzogliche Hofbaurat die repräsentativen Fassaden entworfen. Gebaut wurden die Häuser in der ehemaligen Annastraße in den Jahren 1864 und 1865 von Maurermeister Carl Voß, Zimmermeister Joachim Krack und Tischlermeister Heinrich Möhrer für hohe Beamte des Hofes. Jetzt ist das letzte der Gebäude umfassend saniert worden.

Bereits Ende 2010 hat Architektin Antje Forejt mit den Planungen begonnen. Kein leichtes Unterfangen für die Schweriner Planerin, obwohl sie bereits viele Erfahrungen bei der Sanierung historischer Gemäuer wie dem Warm- und dem Kalthaus im Küchengarten oder dem ehemaligen Hotel du Nord in der Schlossstraße gesammelt hat. „Das Haus in der Werderstraße 135 stand etliche Jahre leer. Da hatten sich viele Schäden eingestellt“, sagt Antje Forejt. Die Deckenbalken waren vom Schwamm befallen, der filigrane gusseiserne Wintergarten auf einem Anbau auf der Rückseite hatte gelitten und die Fassade war von Wasser geschädigt. „Zum Bauernkongress 1987 war auf die Außenhaut des Hauses eine dünne Gipsstuck-Schicht aufgebracht worden. Dahinter war offensichtlich Wasser gelaufen.“ Diese „Verschönerung“ des Gebäudes an der damaligen Protokollstrecke für Erich Honecker hatte Folgen: eine Kompletterneuerung der Fassade war jetzt nötig.

Trotz der komplizierten Sanierung schwärmt Antje Forejt von dem Haus. „Es ist sehr repräsentativ und offenbar nur für die Bedürfnisse einer Familie gebaut worden.“ Besonders angetan hat es der Architektin der Wintergarten. „Dort ist es schon im April schön warm, und man hat eine wunderbare Blickbeziehung zum Museum. Der Standort der feinen Gusseisenkonstruktion ist offenbar mit Bedacht gewählt worden.“

Die Willebrandschen Villen gehören zum Ensemble des Schweriner Schlosses. Sie sind damit Bestandteil des Welterbe-Antrages. „Das spielte aber keine besondere Rolle für uns“, sagt Antje Forejt. „Wir mussten uns ohnehin sehr eng mit der Landes- und der städtischen Denkmalpflege abstimmen.“ Das war wie bei allen ähnlichen Bauvorhaben nicht immer einfach. „Wir haben aber immer einen Kompromiss gefunden.“ Beispielsweise durften an der Hofseite Balkone angebaut werden und es wurden größere Fenster eingesetzt. „Unser Ziel war es, den Bestand zu erhalten und bestmöglich in den Originalzustand zu versetzen, aber auch die Wohnungsgrundrisse an den heutigen Standard anzupassen, um dem Wohnverhalten zeitgemäß gerecht zu werden“, so Forejt.

Die Arbeiten an der Werderstraße 135 sind nahezu abgeschlossen. Bereits am 15. Januar wird Antje Forejt mit ihrem Architekturbüro in das Erdgeschoss einziehen. Das Obergeschoss will der Eigentümer selbst nutzen. „Ende Februar wird endgültig alles fertig sein“, kündigt die Planerin an. Dann erstrahlt auch diese Willebrandsche Villa in neuem, alten Glanz – als einzige in der Reihe in einem Rot-Ton. „Das ist außergewöhnlich, aber nach dem denkmalpflegerischen Befund in etwa die Originalfarbe“, sagt Antje Forejt.

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