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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 09:29 Uhr

Deutsch lernen : Welt nach Schwerin holen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zwei ehemalige Goethegymnasiasten gehen mit Sprachreise-Programm „Goal“ an den Start / Ziel im Sommer: Schullandheim Mueß

von
erstellt am 07.Jan.2015 | 15:45 Uhr

Das Projekt heißt „Goal“ und in den ersten Tagen landeten vor allem internationale Fußballfans auf der gleichnamigen Homepage. „Sie sind meist auf der Suche nach Toren der deutschen Nationalmannschaft“, sagt Johann-Jakob Wulf lächelnd. Die eigentliche Zielgruppe allerdings sind Schüler im Alter von 14 bis 18 Jahren, die im Sommer Deutsch lernen und Deutschland kennen lernen möchten. Der 30-jährige Schweriner hat gemeinsam mit seinem ein Jahr jüngeren Freund Albrecht Eggert das Sprachreisen-Programm „Go out and learn“, kurz „Goal“ entwickelt. In diesem Sommer soll es erstmals starten: Bis zu 40 Jugendliche aus der ganzen Welt können dann für drei Wochen im Schullandheim Mueß Quartier nehmen und bekommen hier vormittags Deutsch-Unterricht und am Nachmittag spannende Einblicke in die Kultur, Lebensweise, in die Politik, die Geschichte, die Traditionen und die Trends der Deutschen.

„Wir glauben, dass die Teilnehmer nicht nur unsere Sprache lernen, sondern später auch in Deutschland studieren, leben und arbeiten möchten“, sagt Albrecht Eggert. „Deshalb wollen wir hier den Landtag besuchen ebenso wie Unis in der Nähe, aber auch das WG-System vorstellen und erklären, wie in Deutschland der öffentliche Nahverkehr funktioniert.“ Außerdem erhoffen sich die beiden Kooperationen mit Firmen vor Ort, die an Fachkräften aus dem Ausland interessiert sind und den Schülern für einen Tag ihre Türen öffnen. Entspannte Ausflüge an die Ostsee, nach Hamburg und Berlin stehen – natürlich – mit auf dem Programm.

Schon seit mehr als einem Jahr tragen sich die beiden Männer mit der Idee, Sprachreisen zu organisieren und der ganzen Welt die Schönheiten ihrer mecklenburgischen Heimat zu zeigen. Sie selbst haben als Schüler Sprachreisen genossen und während des Studiums zum Teil selbst welche begleitet. Johann-Jakob Wulf machte 2004 sein Abi am Goethegymnasium, Albrecht Eggert zwei Jahre später. Danach gingen beide zum Studium, einer nach Augsburg, einer nach Göttingen. In Ungarn kreuzten sich ihre Wege erneut. Albrecht Eggert machte in Budapest seinen Master in Europarecht, Johann-Jakob Wulf promoviert im Fach Internationale Beziehungen. Beide wohnten zusammen in einer WG, beide schmiedeten zusammen Pläne, beide erzählten einander von ihren Reisen. Israel, Spanien, Mexiko, Australien – in all diesen Ländern haben sie gelebt, haben Freunde rund um den Globus. Ihre Heimat Schwerin lieben sie zwar über alles, aber ihre Lebensmittelpunkte liegen heute woanders: Eggert wohnt in Leipzig und arbeitet für den Deutschen Bundestag. Wulf hat sein Zuhause in München und schreibt seine Doktorarbeit.

Die Goal-Sprachreisen sind erst mal nur ein aufwendiges Hobby für die beiden Weltenbummler, die die eigenen positiven Erfahrungen aus der Schulzeit gerne weitergeben möchten. „Es gibt zwar viele Anbieter auf diesem Gebiet, aber die meisten wenden sich an Jugendliche ab 18“, sagt Albrecht Eggert. Er hofft, dass „Goal“ die richtige Lücke füllt. Seit Anfang Dezember stehen Homepage und Facebook-Profil, die Werbung läuft außerdem über deutsche Schulen im Ausland, über Rotary-Clubs und über Freunde in aller Welt. „Wenn der erste Kurs ein Erfolg wird, dann gibt es Mundpropaganda und positive Bewertungen“, sagt Johann-Jakob Wulf. „Dann wird vieles einfacher.“ Vielleicht sind dann auch mehr Kurse, mehr Standorte möglich und Schwerin entwickelt sich zu einer Sommer-Hochburg für Schüler von China bis Brasilien?

Träumen ist erlaubt, auch davon, dass „Goal“ eine Sprachschule werden kann, die ihre Gründer und noch mehr Menschen ernährt. Aktuell sind acht Leute als Sprachlehrer und Betreuer an Bord. Im März wollen Eggert und Wulf erstmals einschätzen, ob ein Kursus dieses Jahr überhaupt zu Stande kommen kann, ob es genügend Interessenten gibt. „Wann buchen Eltern in Südamerika oder Kanada einen Sprachurlaub für ihre Kinder? Deutsche würden das spätestens in den Winterferien tun, aber andere auch?“ Die beiden Schweriner sind manchmal selbst erstaunt, wie viele kleine Dinge es zu bedenken gilt. Doch sie bleiben optimistisch: „Bislang ist Goal für uns wirklich von Spaß geprägt.“


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