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erstellt am 11.Jun.2013 | 08:28 Uhr

Prignitz/Havelberg | Prignitz: Polderflutung vorzeitig beendet

Der Elbscheitel hat gestern die Prignitz erreicht, aber der Pegel sinkt langsamer, als erwartet. Gestern früh lag er bei 7,75 Meter, um 19 Uhr bei 7,69 Metern. Eigentlich sollte er gestern bereits auf 7,55 Meter fallen. Das geschah nicht, weil die Flutung der Havelpolder zwangsweise in der Nacht abgebrochen werden musste.

Ursachen dafür sind der Deichbruch bei Fischbeck in Sachsen-Anhalt sowie weitere drohende Brüche. Das Wasser könnte ebenfalls in die Havelpolder laufen. "Deshalb brauchen wir eine Reserve und haben die Polder nur zu etwa 50 Prozent gefüllt", sagte Bodo Schwiegk, Referatsleiter im Landesumweltamt. Ein erneutes Öffnen des Wehres sei beim jetzigen Hochwasser und in den kommenden Wochen nicht zu erwarten. Um Havelberg zu entlasten, soll außerdem schrittweise die abgeschottete Havel wieder in die Elbe fließen. Zunächst mit etwa 100 Kubikmetern pro Sekunde. Das sei unbedenklich und falle in Anbetracht der 4300 Kubikmeter Elbwasser pro Sekunde nicht ins Gewicht.

Gravierende Schäden bzw. bedrohliche Situationen habe es weder in der Nacht noch am gestrigen Tag gegeben, sagte Landrat Hans Lange. Sickerstellen treten zunehmend auf, müssten verbaut werden. Dazu reichen laut Lange die vorhandenen Hilfskräfte aus. Gestern waren 2400 Einsatzkräfte an den verschiedenen Standorten vor Ort, darunter 654 Soldaten der Bundeswehr mit 40 geländegängigen Fahrzeugen. "Die zuvor stark beanspruchten Feuerwehren können wir dadurch etwas zurückziehen, mit den Soldaten den 24-stündigen Einsatz weitestgehend abdecken", so Hans Lange. Keinen Mangel gibt es an Material. In der Nacht zu gestern sei es gelungen, eine ausreichende Sandsackreserve anzulegen. Faschinen wurden nachgeordert, 1000 sind verbaut worden. Vlies zum Abdichten der Deiche steht ausreichend zur Verfügung, fasst der Landrat zusammen. Zu einer Gefahr werde das zunehmende Treibgut. Deichläufer achten darauf, sichern es, wenn möglich. In akuten Fällen können die Polizeitaucher eingreifen.

Das Betreten der Deiche ist strikt verboten. Der Landkreis hat eine Verfügung erlassen. Das Verbot betrifft alle Hochwasseranlagen, insbesondere Rückstaudeiche und die gebauten Hilfs- sowie Notdeiche. Ohne Passierschein ist der evakuierte Bereich von Wittenberge nicht zugänglich.

Mecklenburg-Vorpommern: Elbe steigt nicht mehr, aber Deiche werden weich
Das Elbehochwasser in MV stagniert – die Bedrohung durch die Wassermassen hält aber an. Gestern blieb der Wasserstand am Pegel Dömitz bei 7,20 Meter. In Boizenburg weiter Fluss abwärts nahm er allerdings noch leicht zu. Normal sind um die zwei Meter.
Für die Menschen in der Flutregion ist diese Entwicklung ein Hoffnungsschimmer, für den Katastrophenabwehrstab und die Einsatzkräfte kein Grund zur Entspannung. Jetzt müssen die Deiche verteidigt werden. Das Wasser steht so hoch wie nie zuvor und bis zu 50 Zentimeter über dem sogenannten Bemessungshochwasser, für das die Dämme gebaut und berechnet worden sind. Die Deichwachen wurden verstärkt. An zahlreichen Punkten sickert Wasser durch die Deiche.
Mehrmals täglich kontrollieren Deichläufer die Dämme, auch nachts. Die Bundeswehr füllte gestern 100 000 Sandsäcke und brachte sie an die Deiche – zum Beispiel an den mehrere hundert Meter langen provisorischen Sandsackwall in Heiddorf am Elbe-Zufluss Elde. Dort sickert permanent Wasser in Richtung Straße, auf deren anderer Seite Häuser stehen. In den Gärten steht das Wasser bereits.
Das Technische Hilfswerk pumpte aus der Kanalisation Wasser über den Wall in die Alte Elde, damit die Straße nicht überflutet wird. Die Heiddorfer hoffen, dass der etwa 1,50 Meter hohe Sandsackwall hält. Auf den Bau einer Hochwasserschutzmauer warten die Bewohner seit Jahren.
Wenn Deichbrüche drohen, soll punktuell evakuiert werden. Bisher wurden 670 Betten in Notunterkünften aufgestellt. 2000 Notbetten sind vorrätig. Das Soforthilfeprogramm des Bundes für Flutopfer will MV im Falle schwerer Schäden in Anspruch nehmen, beschloss gestern das Kabinett.
Vom Hochwasser Betroffene können sich ab heute kostenlos bei den Verbraucherzentralen beraten lassen. Unter der Telefon ummer 0800 / 100 37 11 sind wochentags zwischen 9 und 16 Uhr Experten zu erreichen. Im Internet finden Betroffene über www.vzb.de/hochwasser dann auch weitere Informationen und Ratschläge.

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