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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. November 2017 | 01:38 Uhr

Crivitz : Weitergedreht – ganz ohne Kamera

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

„Notaufnahme: Wenn Fremde näher kommen“: Beim Crivitzer Filmabend wurde vor allem über die Situation der Flüchtlinge in Demen geredet

von
erstellt am 07.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Die Fremden müssen nicht mehr näher kommen: Sie sind da. Und die Notaufnahme in der Zahrensdorfer Turnhalle aus dem Dokumentarfilm von Dieter Schumann ist Geschichte. Inzwischen sind 131 Flüchtlingen in freie Wohnungen eines Wohnblocks im Demener Ziolkowskiring eingezogen. Seit Sonnabend sind es sogar 132 Menschen: Das erste Demener Flüchtlingsbaby wurde in Crivitz geboren.

25 Syrer aus Demen saßen am Dienstagabend mit etwa einem Dutzend deutscher Gäste in der Aula des Crivitzer Gymnasiums, um sich den im September von Dieter Schumann und Michael Kockot gedrehten Dokumentarfilm anzuschauen. Auch wenn die meisten Syrer die deutschen Worte nicht verstanden: Die Bilder sprachen für sich. Erinnerungen an die eigene Flucht wurden wach, machten still und betroffen. Gerade die im Film ebenfalls dargestellte Hilfsbereitschaft der Deutschen und der Flüchtlinge untereinander brauchte keine Worte.

Dieter Schumann wollte daher nach der Filmvorführung auch nicht mehr über seine Arbeit sprechen. Ihn interessierte, wie die Geschichte weitergelaufen ist, wie die Flüchtlinge im Alltag klarkommen, welche weiteren Wege sie gehen wollen. Das ist für ihn nicht nur als Filmemacher interessant, sondern in erster Linie als Mensch, der wissen will, wie seine neue Nachbarn klarkommen. Und der Wahlmecklenburger, der seit etwa 20 Jahren in Basthorst bei Crivitz lebt, ging noch einen Schritt weiter. „Gebt dem Land und den Leuten hier eine Chance. Es lohnt sich, hier zu bleiben“, warb Schumann. Auch Ulrike Seemann-Katz vom Flüchtlingsrat MV empfahl den jungen Flüchtlingen, sich im Land nach einem passenden Studiengang umzuschauen. „Die Universitäten in deutschen Großstädten sind überlaufen, für Studenten die Mieten dort unerschwinglich“, so Seemann-Katz. Darüber hinaus hätten die Zuwanderer nach ihrer Ausbildung gerade in MV sehr gute Jobchancen.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Derzeit müssen die Flüchtlinge in den von Landkreis angemieteten Wohnungen in Demen leben. Die Crivitzer Bürgermeisterin Britta Brusch-Gamm machte klar, dass sie es lieber sehen würde, wenn die Flüchtlinge besser in der Region verteilt werden und auch welche in Crivitz wohnen könnten. „Die Infrastruktur in Demen ist eben nicht so gut. Sie müssen für meisten Dinge zu uns nach Crivitz kommen. Die Kinder gehen hier zur Schule.“ Der Kreis Ludwigslust-Parchim habe sich sehr wohl darum bemüht, die Flüchtlinge fair zu verteilen, betonte Andreas Neumann, Beigeordneter des Landrates. Aber der Kreis kann nicht jeden Mietpreis zahlen, müsse sich an Vorgaben des Landes halten. Das bislang keine Flüchtlinge in Crivitz angekommen sind, liegt vor allem daran, dass die Stadt selbst keine Wohnungen zur Verfügung stellen kann und private Vermieter hohe Mietforderungen gestellt hatten. „Die lagen weit über Hartz-IV-Niveau und waren damit unannehmbar“, betonte die Barninerin Barbara Borchardt, Landtags- und Kreistagsabgeordnete von den Linken.

Inzwischen haben sich die Flüchtlinge in Demen aber sehr gut eingelebt, betonte Betreuer Holger Kröger von der Awo Ludwigslust. In Demen leben fast ausschließlich Syrer. Bis auf zwei Familien aus Afghanistan und zwei Männer aus Eritrea kommen alle aus dem Bürgerkriegsland im Nahen Osten. Inzwischen starteten im Evita-Forum am Ziolkowskiring die ersten beiden Deutschkurse mit jeweils 15 Teilnehmern, so dass die Flüchtlinge dafür nicht nach Parchim fahren müssen. „Und auch der soziale Zusammenhalt, die Hilfsbereitschaft von Deutschen und untereinander ist groß“, betonte Kröger. Ein Beispiel dafür lieferte die Initiative „Crivitz hilft“, die die 25    Syrer zum Filmvorführung holte und nach Demen zurückbrachte. Eckart Schörle von des Landeszentrale für politische Bildung, die gemeinsam mit dem Landkreis zum Filmabend eingeladen hatte, freute sich über die Diskussion, auch wenn es schwer war, die Flüchtlinge direkt einzubeziehen. Denn das Gespräch wurde dreisprachig geführt – auf Deutsch, Englisch und Arabisch.

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