Investition in Schwerin : Weiter Stillstand bei Vorwärts

Fahrzeugbau bis 1997: Seit mehr als zehn Jahren steht das denkmalgeschützte Vorwärts-Ensemble leer.
Fahrzeugbau bis 1997: Seit mehr als zehn Jahren steht das denkmalgeschützte Vorwärts-Ensemble leer.

Drei Nutzungskonzepte liegen für das Areal am Mittelweg vor – mit einer Verkaufsentscheidung ist vorerst aber nicht zu rechnen.

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28. Februar 2018, 05:00 Uhr

Seit mehr als zehn Jahren liegt das Vorwärts-Areal am Mittelweg brach. Und das wird wohl noch einige Zeit so bleiben. Denn obwohl nun drei Angebote zum Kauf und zur Entwicklung der Fläche vorliegen – die Stadtverwaltung und die Stadtvertretung diskutieren immer noch, wem der Zuschlag erteilt werden soll.

Der Bauausschuss hat sich – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – die drei Konzepte von den Investoren vorstellen lassen. Fazit des Ausschussvorsitzenden Sven Klinger: „Jedes der inhaltlich unterschiedlichen Konzepte hat etwas für sich. Eine Priorität gibt es im Ausschuss noch nicht.“ Das zeige, so Klinger, dass die Entscheidung nicht einfach werde. Vorschlag der Ausschussmitglieder: Die drei Interessenten sollten sich mit ihren Konzepten den Fraktionen vorstellen. Denn die letzte Entscheidung über die Vergabe hat die Stadtvertretung.

Die hat aber keine klaren Vorgaben, wonach die Entscheidung getroffen werden soll. Den Zuschlag soll „an den wirtschaftlichsten Bieter unter Berücksichtigung stadtentwicklungspolitischer und denkmalrechtlicher Aspekte“ erfolgen. So stand es in der Ausschreibung der Stadt. Darunter könnte jeder Stadtvertreter etwas anderes verstehen.

Völlig unklar ist auch der Umgang mit den Altlasten, die offenbar auf der Fläche des einstigen Kraftfahrzeuginstandsetzungswerkes vorhanden sind. Bekannt ist beispielsweise ein alter Ölabscheider hinter der großen Halle. Und am Heizwerk liegen noch alte Tanks in der Erde, in denen sich Heizölrückstände befinden dürften. Wie damit umzugehen ist und wer die Kosten für eine Sanierung trägt, wurde in der Ausschreibung nicht gesagt. Mithin ein Risiko für die Investoren.

Zudem ist den Interessenten am 2. Februar von der Verwaltung eingeräumt worden, ihre Angebote nachzubessern, weil „die Stadt die Option verfolgt, die Freiwillige Feuerwehr Mitte auf einer benachbarten Fläche am Hopfenbruchweg anzusiedeln“. Bisher waren dafür die ehemaligen Servicestationen neben dem Haupteingang zum Vorwärts-Gelände vorgesehen gewesen. Allerdings hatten nur zwei der drei Bewerber das in ihrem ersten Angebot überhaupt berücksichtigt. Ob mit den nachgebesserten Offerten auch neue Kaufpreise angeboten werden, bleibt abzuwarten. Denn ein Interessent hatte einen Kaufpreis unter dem von der Stadt ermittelten Verkehrswert geboten. Er müsste damit sofort rausfallen.

Außerdem gibt es persönliche Ressentiments in der Stadtpolitik. Da haben einige etwas gegen den einen Investor und einige bevorzugen einen anderen. Auch wenn Bauausschusschef Sven Klinger beteuert, dass die drei Angebote „losgelöst von der Person“ beurteilt werden sollen. Auf den Fluren des Stadthauses ist etwas anderes zu hören.

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