Hilfsorganisation : Weißer Ring: Immer an der Seite der Opfer

Engagieren sich im Weißen Ring: Landeschef Thomas Lenz,  Wilfried Mußfeldt aus Ludwigslust und Andreas Kuessner von der Landesgeschäftsstelle (v.l.).
Engagieren sich im Weißen Ring: Landeschef Thomas Lenz, Wilfried Mußfeldt aus Ludwigslust und Andreas Kuessner von der Landesgeschäftsstelle (v.l.).

Helfer vom Weißen Ring aus MV trafen sich in Banzkow: 130 Ehrenamtliche sind in 17 Außenstellen Ansprechpartner für Hilfesuchende

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20. November 2017, 12:00 Uhr

Der Wirtschaftsingenieur und jetzige Rentner Wilfried Mußfeldt hat Lebenserfahrung und Einfühlungsvermögen. Er möchte den Menschen helfen, die Hilfe am nötigsten haben und oft nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen: Opfern von Straftaten. Seit drei Jahren leitet Mußfeldt die Ludwigsluster Außenstelle des Vereins Weißer Ring. Bei aller Routine und Sachlichkeit gibt es aber für Mußfeldt auch „Dinge, die einen nicht loslassen und tief erschüttern“. Und der Ludwigsluster nimmt auch kein Blatt vor den Mund: Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist das Schlimmste, was ihm in seinem Ehrenamt bislang begegnet ist. „Und das nicht einmal, sondern öfter, als wir denken oder uns eingestehen.“

Die Zahlen geben Wilfried Mußfeldt recht. „Etwa ein Drittel aller Hilfesuchenden, die sich landesweit an uns werden, wurde Opfer sexueller Gewalt“, berichtet Andreas Kuessner, der Leiter der Landesgeschäftsstelle. „Die Opfer sind zumeist Kinder und Jugendliche.“ Auch nach häuslicher Gewalt, Stalking oder Einbrüchen wenden sich Menschen aus MV an eine der 17 Außenstellen. Doch die schlimmsten Fälle sind die Missbrauchsfälle.

Wie der Weiße Ring da neben der juristische Aufarbeitung helfen kann, schildert Kuessner an einem drastischen Fall: Ein Mädchen aus MV wurde an seinem 14. Geburtstag vom Stiefvater vergewaltigt – erstmals. Denn danach missbrauchte der Mann die Stieftochter noch über viele Monate, immer wenn die Ehefrau und Mutter nicht da war. Nach dem Ende das Martyriums mussten Mutter und Tochter einfach mal raus. Der Weiße Ring bezahlte das und kaufte auch ein neues Bett, damit das Opfer nicht mehr in dem schlafen musste, in dem es so oft vergewaltigt worden war...

„Jeder Euro, der zu uns kommt, wird auch in MV verwendet“, betont Andreas Kuessner. Und auch das kann er belegen. Denn der kleine Landesverband von MV mit seinen etwa 650 Mitgliedern, 130 Helfern und lediglich zwei Angestellten gibt doppelt so viel aus, wie er einnimmt. Etwas mehr als 50 000 Euro stehen für 2017 auf der Haben-Seite – aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden und per Gerichtsurteil zugesprochenen Geldauflagen. „Bis September diesen Jahres haben wir aber schon 100 000 Euro an Unterstützung ausgegeben und damit in 186 Fällen geholfen. „Und wir helfen nur den Opfern. Um die Täter kümmern wir uns nicht“, sagt Kuessner. „Da sind wir einseitig – immer an der Seite der Opfer.“

Das in MV fehlende Geld kommt übrigens aus anderen Landesverbänden. Doch überall arbeitet der Weiße Ring ohne staatliche Unterstützung, existiert dank vieler Spenden und des Engagements der ehrenamtlichen Mitstreiter.

Aber am Wochenende ging es dennoch vor allem ums Geld. Beim Treffen mit Vertretern aus ganz MV im Banzkower Trendhotel stand die Verteilung der wenigen Mittel im Mittelpunkt. „Wir müssen sie dort einsetzen, wo sie am dringendsten benötigt werden“, betont Thomas Lenz. Der Staatssekretär aus dem Schweriner Innenministerium ist ehrenamtlich als Landesvorsitzender beim Weißen Ring aktiv. Lenz wirbt zudem um mehr Unterstützung: Sowohl Spenden als auch aktive Helfer sind jederzeit willkommen.

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