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Schweriner Gastronomiegeschichten : Weingenuss unter Torbögen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Das Weinhaus Wöhler verbindet Tradition und Moderne

svz.de von
erstellt am 24.Mär.2017 | 16:00 Uhr

Die Landeshauptstadt kann auf eine bewegte Gastronomie- und Hotellerie-Geschichte zurückblicken. Egal ob in der Altstadt, am Pfaffenteich oder im Fernsehturm: Viele Einheimische und Gäste wussten und wissen die Vorzüge der Schweriner Gaststätten und Hotels zu schätzen. SVZ stellt in dieser Woche einige Traditionshäuser vor. Heute erzählt Christoph Gerlach, Betriebsleiter des Weinhauses Wöhler.

Wein im Norden – diese auf den ersten Blick seltsam anmutende Liaison gibt es dank des Weinhauses Wöhler seit fast 200 Jahren in Schwerin: 1819 gründete Friedrich Albrecht Wöhler seine eigene Weinhandlung und wurde kurze Zeit später von Großherzog Friedrich Franz zum Großherzoglichen Hofkellermeister bestellt. „Etwa um 1895, unter der Leitung des Gründerenkels Friedrich Albrecht Wöhler III., entstanden die historischen Gasträume der Wein- und Probierstube, die heute noch zum Teil erhalten sind“, erzählt Betriebsleiter Christoph Gerlach.

Bereits damals galt das Weinhaus als Top-Adresse in Schwerin: Viele Reiseführer und Stadtpläne erwähnten die Gaststätte in der Puschkinstraße als „vornehme alte Weinstube“. Über die Zeit des Ersten Weltkrieges ist nicht viel überliefert – fest steht aber, dass das Weinhaus die Kriegs- und Nachkriegsjahre gut überstanden haben muss: 1920 beauftragte Friedo Albrecht Wöhler Holzbildhauer der Stadt mit teuren Schnitzarbeiten an den Wänden und Decken. In den 1930er-Jahren mussten die Keller geräumt werden, weil sie als Luftschutzräume ausgebaut und genutzt wurden. Der Zweite Weltkrieg hatte direkten Einfluss auf das Weinhaus: Das Geschäft lief schlecht, 1943 starb mit Friedo Albrecht Wöhler der letzte männliche Erbe.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das ehrwürdige Haus in der Schelfstadt mehrmals verkauft und verpachtet. 1959 erfolgte die Verstaatlichung. Es entstand die HO-Gaststätte „Weinklause“. Unzählige Hochzeiten, Familien- und Brigadefeiern fanden hier statt, bis 1983 das Aus kam. Das Geschäft lag brach. Erst als eine Investorengruppe 1998 und im Weiteren die heutigen Inhaber Dr. Carsten Schmidt und Frank Dahmke mit einer umfassenden Restaurierung begannen, kehrte Leben ins Weinhaus Wöhler zurück. „Seit 2001 können bei uns Gäste in altehrwürdigem Ambiente speisen und auch übernachten“, erklärt Betriebsleiter Gerlach. Doch auch seit der Wiedereröffnung vor 16 Jahren wird das Traditionshaus von den Inhabern immer wieder auf den neuesten Stand gebracht: „Aktuell wird eine komplett neue Küche eingebaut. Deswegen kochen und servieren wir kurzzeitig nur in unserer oberen Etage“, erzählt der 45-Jährige. Am 7. April soll diese Modernisierung abgeschlossen sein.

Doch die Vergangenheit soll im Weinhaus nicht überhandnehmen. Seit vielen Jahren setze die Küche auf moderne Speisen und leichte, saisonale Kost, betont Gerlach. „Wir wollen zeigen, dass wir kein altes und verstaubtes Gemäuer sind, sondern den Gästen erfolgreich eine interessante Kombination aus Tradition und Moderne bieten.“ Sinnbildlich dafür stehen die Schlagerparties und Jazzabende, die mehrmals im Jahr im beliebten Fachwerkhaus in der Schelfstadt stattfinden. Und noch ein Ziel haben die Betreiber vor Augen: „Wir möchten auch jungen Menschen zeigen, dass Wein köstlich schmecken kann.“ Ganz im Sinne des Gründers Friedrich Albrecht Wöhler.

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